Wetterbeobachtung des Deutschen Wetterdienstes in Renningen
: Der Wettermann vom Ihinger Hof

Herbert Grözinger betreut auch im Ruhestand die Messstation des Deutschen Wetterdienstes.
Von
Brunhilde Arnold
Stuttgart
Jetzt in der App anhören

Für die Durchführung von Bodenmessungen muss Herbert Grözinger das Erdbodenmessfeld mit der Hacke regelmäßig von Bewuchs befreien.

Simon Granville

Alle reden übers Wetter, Herbert Grözinger auch. Der Malmsheimer kümmert sich darum, dass der Deutsche Wetterdienst (DWD) stets all die Informationen bekommt, die nötig sind, um die Öffentlichkeit zu informieren, wie das Wetter war, wie es ist und vor allem wie es wird. Der 69-Jährige betreut die DWD-Wetterstation, die es auf dem Gelände der landwirtschaftlichen Versuchseinrichtung oberhalb von Renningen seit 20 Jahren gibt. „Das Wetter ist unheimlich interessant“, ist der Ruheständler auch heute noch begeistert.

In der Landwirtschaft spielt das Wetter eine wichtige Rolle. Deswegen wurde mit der Gründung der Versuchsstation für Agrarwissenschaften der Universität Hohenheim auch eine Station für Wetteraufzeichnungen eingerichtet. In diesem Jahr feiert die Landeseinrichtung ihr sechzigjähriges Bestehen. Vor ein paar Wochen konnte die Öffentlichkeit bei einem Tag der offenen Tür einen Blick in die Einrichtung werfen, die Landwirtschaft und Wissenschaft verbindet. Dabei stieß auch die von Mitarbeitern des Ihinger Hofs bediente Wetterstation auf Interesse – ebenso, wie die von Herbert Grözinger betreute DWD-Wetterstation, die sich auf demselben Gelände befindet.

Wetter spielt in der Landwirtschaft wichtige Rolle

Mehr als 40 Jahre hat der landwirtschaftlich-technische Assistent auf dem Ihinger Hof gearbeitet. Bis zum Eintritt in den Ruhestand war er als Versuchstechniker etwa mit Grünlandversuchen beschäftigt und hatte auch immer wieder mit den beiden Wetterstationen, die direkt nebeneinanderliegen, zu tun. Weil ihn das Wetter immer schon fasziniert hat, wie er sagt, ist er heute noch ehrenamtlich für den DWD tätig.

Dieser nationale Wetterdienst betreibt nach eigenen Angaben bundesweit ein hauptamtliches Netz mit 180 mit Personal besetzten Wetterwarten sowie vollautomatisch arbeitenden Wetterstationen.

Dazu kommen rund 1800 nebenamtliche, von ehrenamtlichen Helfern betreute Stationen, davon 840 automatische Online-Stationen. „Wir sammeln hier Daten wie etwa Temperatur, Sonnenscheindauer oder Niederschlag“, erklärt Grözinger. Was sich so einfach anhört, unterliegt fest definierten Standards, damit die Ergebnisse sogar international vergleichbar sind. So wird die Lufttemperatur standardmäßig mit einem von Schatten spendenden Lamellen umgebenen Fühler in zwei Meter Höhe ebenso wie die Luftfeuchtigkeit gemessen. Dazu kommt noch eine Messung am Boden und zwar fünf Zentimeter über einem fünf Quadratmeter großen Erdbodenmessfeld. Damit diese Fläche stets frei von Bewuchs bleibt, muss Herbert Grözinger regelmäßig zur Hacke greifen. Der Niederschlag, also Regen und Schnee, wird ebenfalls fest definiert in einem Gefäß in einem Meter Höhe aufgefangen. Dieses hat eine Auffangfläche von 200 Quadratzentimeter und ist im Winter beheizt. Herbert Grözinger kann anhand der automatisch an den DWD übermittelten Daten online rasch erkennen, ob es Auffälligkeiten gibt, die möglicherweise auf eine Fehlfunktion der Geräte schließen lassen.

Daten zu Temperatur, Sonnenschein und Niederschlag werden gesammelt

Apropos Winter: Während der ehrenamtliche Wettermann üblicherweise einmal in der Woche nach den Geräten schaut, die ihre Daten direkt an die DWD-Zentrale in Offenbach liefern, ist er im Winter häufiger gefordert. „Wenn es Neuschnee gibt, muss ich morgens um sieben Uhr die Schneehöhe und den Bedeckungsgrad messen.“ Dazu legt er ein spezielles Schneegitter aus, an dem er die Einzelheiten genau ablesen kann.

Klimawandel lässt sich anhand von Daten zeigen

Den Wind misst der DWD auf seiner Station auf dem Ihinger Hof nicht. Die kleinen Windrädle, die der Beobachter auf dem Gelände sieht, gehören ebenso in die Kategorie „historische Geräte“ wie das hochgestellte Wetterhäusle, in dem ein Thermohygrograf Temperatur und Luftfeuchte auf einem Papierstreifen aufgezeichnet hat.

Auch wenn sie heute keine Rolle mehr spielen, faszinieren sie Herbert Grözinger immer noch, müssen sie doch zum Teil noch von Hand bedient und ausgewertet werden. Das gilt etwa für ein altes Sonnenmessgerät, bei dem das Sonnenlicht durch eine Glaskugel scheint, die wie ein Brennglas wirkt und einen dahinterliegenden Papierstreifen leicht anbrennt. So lässt sich die Sonnenscheindauer ablesen. „Dieses Gerät fasziniert die Kinder besonders“, sagt Herbert Grözinger. Und die machen regelmäßig als Drittklässler von Weil der Stadt her einen Ausflug auf den Ihinger Hof, wenn das Thema Wetter auf dem Stundenplan steht. „Auch am Tag der offenen Tür vor Kurzem waren die historischen Geräte für die Besucher am interessantesten“, erinnert er sich schmunzelnd.

Sicher fanden die Gäste auch einige Schaubilder interessant, die Grözinger anhand vieler auf dem Ihinger Hof gesammelter Daten zusammengestellt hat. Sie veranschaulichen eine deutliche Veränderung in Sachen Klima. So zeigt eine Tabelle zur mittleren Jahrestemperatur einen zwar langsamen, aber deutlichen Anstieg: 1967 betrug diese 7,4 Grad, 2023 bereits 10,6 Grad. Ähnlich verhält es sich mit den Sonnenscheinstunden, bei denen die Trendlinie nach oben zeigt, während sich die Niederschlagsmengen weniger stark verändern, aber grade in den letzten Jahren im Vergleich zum langjährigen Mittel im Minus liegen. Der Klimawandel ist da – umso wichtiger sind die Wetterbeobachtungen, nicht nur für die Landwirtschaft.

StZ Kreis Böblingen
Montag - Samstag um 7.00 Uhr
Alles Wichtige aus dem Kreis Böblingen im kompakten Überblick: Von Montag bis Samstag schicken wir Ihnen unseren Newsletter mit den fünf beliebtesten Themen unserer Leserinnen und Leser in Ihr E-Mail-Postfach. So bleiben Sie immer auf dem Laufenden.