„Alte Dorfschule“ in Ostfildern: Küchenchef verblüfft die Gäste – Rostbraten klassisch und vegan
Ein veganer Rostbraten steht in der „Alten Dorfschule“ in Ruit auf der Menükarte. Um gerade der jungen Generation eine Alternative zum schwäbischen Fleischklassiker zu bieten, schmort der Küchenchef Jonathan Strölin Auberginen. Dazu gibt es eine deftige Zwiebelschmelze und Rosmarinkartoffeln. In der gutbürgerlich-schwäbischen Küche fühlt sich der 30-jährige Esslinger zuhause. „Trotzdem will ich auch Neues wagen“, sagt der Inhaber des schwäbischen Traditionslokals in der Scharnhauser Straße.
Im Januar hat der junge Küchenchef die urige Weinstube von Nils und Romy Steinbach übernommen. Sie hatten zuvor 25 Jahre lang das Brauhaus Schwanen in Esslingen geführt. In der „Alten Dorfschule“ hat Strölin nach der Ausbildung drei Jahre lang gearbeitet. „Kochen, das war für mich immer eine Herzenssache“, verrät er. Seine Ausbildung hat Strölin im Hotel Restaurant Lamm in Scharnhausen gemacht. Da habe er seine Liebe zur gutbürgerlich-schwäbischen Küche entdeckt, sagt er.
Ausflug in die Welt des Fine Dining vor der Weinstube in Ostfildern
Dennoch zog es ihn dann nach Hamburg, um seinen kulinarischen Horizont zu erweitern. „Eigentlich wollte ich da die norddeutsche Küche kennenlernen“, erinnert sich der Schwabe. Dann fing er aber ausgerechnet im österreichischen Feinschmeckerrestaurant Tschebull in der mondänen Mönckebergstraße in der Hansestadt an. Zwei Jahre ist Strölin dort geblieben, aber der Liebe wegen zog es ihn dann wieder nach Stuttgart zu seiner Partnerin Sarah Hintermaier. Im Dekra Business Club in Stuttgart lernte er die Kunst des Fine Dining kennen.
„Das ist eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte“, sagt Strölin. Er habe es genossen, von den Spitzenköchen in dem exklusiven Club zu lernen. Was seine Karriere angeht, habe er immer mal wieder mit der Sterneküche geliebäugelt. „Bei der Arbeit in verschiedenen Restaurants wurde mir schnell klar, dass mein Herz der schwäbischen Küche gehört.“ Als ihm das Ehepaar Steinbach anbot, die „Alte Dorfschule“ zu übernehmen, hat der Berkheimer nicht lange gezögert.
In dem großen Raum mit Kamin und Fachwerkbalken drückten im 19. Jahrhundert die Kinder des Filderdorfs Ruit die Schulbank. In dem historischen Gebäude Gäste zu bewirten, das findet Strölin schön. Er freut sich auf das kalte Wetter, „weil wir den Kachelofen anheizen können.“ Die Räume atmen Geschichte. Deshalb hat Strölin die üppige Dekoration seines Vorgängers deutlich reduziert. So wirkt die Schlichtheit des ehemaligen Schulhauses für sich.

Das Rathaus und die Alte Dorfschule (rechts) in Ruit.
Foto: Stadtarchiv OstfildernFür Geburtstage, Taufen oder Hochzeiten hat der Gastronom den Gewölbekeller. „Wenn wir besonders viele Buchungen haben, öffnen wir den Keller auch an normalen Tagen.“ Das verschaffe ihm etwas Freiraum, denn an Spitzentagen finden an den acht Tischen im Saal bis zu 50 Personen Platz. Da ist Strölin mit seinen Küchenhilfen und dem Service-Team gefordert. Er habe das Glück, großartiges Personal gefunden zu haben. In Zeiten, da viele Wirte über Fachkräftemangel klagen, ist Strölin darüber glücklich. Auch seine Partnerin ist zwei Mal die Woche im Einsatz. „Wir haben uns in der Alten Dorfschule kennengelernt“, sagt der 30-Jährige. Da jobbte die Studentin als Kellnerin, während er in der Küche stand.

Veganer Rostbraten mit der traditionellen Zwiebelschmelze.
Foto: Markus Brändli„Man muss dem Team Wertschätzung zeigen“, ist der 30-Jährige überzeugt. Weil er mit seiner ruhigen und sympathischen Art eine schöne Arbeitsatmosphäre schaffe, seien viele der Servicekräfte und Küchenhilfen seines Vorgängers geblieben. Das freut Strölin sehr, der sich und sein Team trotz seiner Leidenschaft für den Beruf „nicht verheizen lassen will“. Die Sonntage gehören seiner Freundin, der Familie und den Kumpels. „Manchmal schaffe ich es, nach der Arbeit mit den Jungs noch ein Bier zu trinken.“ Da tankt er Kraft.
Handgeschabte Spätzle, Kartoffelsalat und Schmorgerichte
Schön findet es Strölin, dass er seine eigenen Menükarten kreieren darf. „In Ruit kommt die schwäbische Küche einfach gut an.“ Da stimmen seine Gäste mit den Füßen ab. Dass er schon nach wenigen Monaten oft ausgebucht ist, freut ihn sehr. Mit handgeschabten Spätzle, Kartoffelsalat und Schmorgerichten punktet er ebenso wie mit kulinarischen Experimenten. Das Zanderfilet bereitet er mit einer Zitronen-Weißwein-Sauce zu und reicht dazu Kohlrabi und die sardische Nudelsorte Fregola.
Dass sich viele junge Menschen für vegane oder vegetarische Ernährung entscheiden, beflügelt Strölins Kreativität. „Da will ich mehr bieten als Käsespätzle und Spinatknödel.“ Zugleich pflegt er traditionelle schwäbische Küche. Deshalb stehen auf der Karte Gerichte wie Hackbraten und Königsberger Klopse. „Dazu hat meine Oma Kartoffelpüree mit Erbsen gemacht.“ Manch einer der Gäste schwelgt da mit ihm in Jugenderinnerungen.
Geschichte der „Alten Dorfschule“
Historisches
Das alte Schulhaus wurde 1842 als erstes Ruiter Schulgebäude erbaut. „Es hatte ursprünglich immerhin zwei Schulsäle, einer 47 Quadratmeter groß, der andere aber nur 34 Quadratmeter groß“, sagt Jochen Bender, der Ostfilderner Stadtarchivar. Später fasste man die beiden kleinen Räume zusammen. Im Obergeschoss befanden sich Dienstwohnungen für Lehrer. Die Schule wurde nach dem Bau der Mörikeschule 1887 auch „Brunnenschule“ genannt, um die Einrichtungen zu unterscheiden. 1956 wurde sie zur Finanzierung der neuen Justinus-Kerner-Schule an Privat verkauft.
Gastronomie
Seit Jahrzehnten ist in der Alten Dorfschule eine Gastronomie zu Hause. Seit Januar bewirtet Jonathan Strölin die Gäste. Öffnungszeiten sind dienstags bis samstags von 17.30 bis 23 Uhr. Weitere Informationen gibt es im Internet: www.alte-dorfschule-ruit.de











