Ausstellung in Filderstadt: Die Farbe Orange prägte die 70er

Das sogenannte Bonanza-Rad war in den 70er Jahren der Traum vieler Jungen.
Torsten SchöllWer die 70er Jahre bewusst erlebt oder sogar seine Kindheit in diesem eigenartigen Jahrzehnt verbracht hat, wird an der aktuellen Ausstellung im Filderstadtmuseum seine Freude haben. Und jüngere Generationen können hier einstige Alltagsgegenstände entdecken, die sie nur noch vom Hörensagen kennen dürfte.
Vor allem, was Design und Moden betrifft, war diese Epoche im Wortsinn so „eigenartig“, wie vielleicht keine zweite in den vergangenen 50 Jahren. 50 Jahre, so alt wird in diesem Jahr auch das im Zuge der Gemeindereform aus fünf einst unabhängigen Dörfern zusammengesetzte Filderstadt, weshalb das Filderstadtmuseum unter Leitung von Stadtarchivar Nikolaus Back dieses Ereignis zum Anlass nimmt, auf das bunte Jahrzehnt zurückzublicken.
Und auch „bunt“ muss hier ganz wörtlich genommen werden. Die 70er Jahre sind das Jahrzehnt der strahlenden Farben, nachdem zuvor meist gedeckte Töne den Alltag beherrschten. Allem voran Orange war schwer angesagt. Insofern ist es nur folgerichtig, dass gleich die erste große Vitrine der Sonderausstellung im Erdgeschoss vor Gegenständen in dieser knalligen Farbe strotzt.

Knalliges Orange war die Farbe des bunten Jahrzehnts. Auch Flipperautomaten waren schwer angesagt.
Foto: Torsten SchöllEin tragbares Fernsehgerät fürs Kinderzimmer, ein Wählscheibentelefon, ein Bügeleisen, ein Wecker, ein Wasserkocher – alles orange vor einer Tapete mit, na klar, orangefarbenen Kreisen. Und sogar Wum und Wendelin aus der Fernsehshow „Der große Preis“, die in den 70ern die ganze Bundesrepublik vor den Geräten fesselte, sitzen auf orangenen Kissen. „Die Farbe bringt ein positives Lebensgefühl zum Ausdruck“, erklärt Ausstellungskuratorin Romy Heyner. Orange und Plastik gehörten offenbar wie selbstverständlich zusammen. Denn viele Alltagsgegenstände wie Salatschüsseln oder Geschirr waren plötzlich aus Plastik. „Plastik galt als Symbol des Fortschritts“, so Heyner.
Exponate stammen von 40 Filderstädter Bürgern
Die Exponate, die im ersten und zweiten Geschoss des Filderstadtmuseums zu sehen sind, stammen von rund 40 Filderstädter Bürgern, die aus Keller und Speicher und vielleicht sogar aus dem aktuellen Wohnbereich Gegenstände zusammengetragen haben. Und so weckt die Schau bei jedem, der die Zeit miterlebt hat, unweigerlich verschüttete Erinnerungen: an Prilblumen, Bonanza-Fahrrad, Schlagerschallplatten, die ersten Taschenrechner und Computerspiele.
Die 1970er Jahre waren aber auch eine Zeit des politischen und gesellschaftlichen Umbruchs. Auch das zeigt die Ausstellung: Protestbewegungen gegen die Atomkraft und für den Erhalt der Natur entstehen. „Die Grenzen des Wachstums“, ein epochales Werk, das schon 1972 die bedeutendsten Konfliktlinien der Zukunft vorhersagt, steht in vielen Buchregalen jener Zeit. In Deutschland treibt die RAF ihr Unwesen. Und in Filderstadt selbst sucht man nach einem Namen für das neue Stadtkonstrukt und landet erst einmal bei „Filderlinden“. Das ist denn auch tatsächlich in einigen Personalausweisen zu lesen. „Der Leihgeber des Ausweises hatte“, wie die Kuratorin betont, „noch jahrelang Probleme, weil es ‚Filderlinden‘ einfach nicht gab.“
Wie die Ausstellung geöffnet hat
Freier Eintritt
Die Sonderausstellung „Die 70er Jahre – Eine Zeit im Wandel“ im Filderstadtmuseum in Bonlanden (Klingenstraße 19) ist bei freiem Eintritt sonntags von 13 bis 17 Uhr noch bis 9. November zu sehen.
Sommerpause
In den Sommerferien macht das Museum von 4. August bis 13. September Sommerpause und hat geschlossen. Informationen unter www.filderstadt.de/start/tourismus/Sonderausstellungen