Batman-Day in der Sammlerecke
: Unzählige Comics: „Ich kaufe alles, was ich in die Finger bekomme“

In der Esslinger Sammlerecke, Europas größtem Comic-Buchladen, findet am Samstag der Batman-Day statt. Frieder Maier erzählt vorab, wie er zu zwei Millionen Comic-Heften kam.
Von
Frederic Feicht
Esslingen
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Bei zwei Millionen Comics ist es eine Daueraufgabe für Frieder Maier und Sohn Julian, die Regale ständig umzuräumen.

Markus Brändli

Etwa zwei Millionen Comic-Hefte hat die Esslinger Sammlerecke auf Lager – der größte Comic-Handel Europas, wie Inhaber Frieder Maier versichert. Angefangen hat alles mit einer kleinen Leihbücherei mit 20 Quadratmetern in Nürtingen.

Das Geheimnis, wie der 61-Jährige diesen Sprung geschafft hat, ist simpel: „Ich kaufe seit 38 Jahren alles, was ich in die Finger bekomme.“ Sehr zum Leidwesen seines Finanzberaters. Der habe schon zu ihm gesagt, dass er kein Händler, sondern ein Messie sei. Aber fast vier Jahrzehnte im Comic-Business scheinen ihm Recht zu geben. Am Samstag, 20. September, findet in der Sammlerecke der inzwischen elfte Batman-Tag statt, der jährlich die Fans des düsteren Superhelden in den Laden lockt.

Wer in der Sammlerecke stöbern möchte, sollte genügend Zeit mitbringen.

Foto: Markus Brändli

Sammlerecke: Von Nürtingen nach Esslingen

„Schon als Jugendlicher habe ich auf Flohmärkten mit Comics gehandelt“, erzählt Maier. Das habe ihn fasziniert. „Kaufen, aufbereiten, verkaufen – quasi aus Stroh Gold spinnen.“ Er habe kistenweise eingekauft, die Comics sortiert und anschließend ansprechend präsentiert. Als Erwachsener habe er aber zuerst einen anderen Weg eingeschlagen und sein Geld als Handelsvertreter verdient – bis seine Kinder auf dem Weg waren. „Ich dachte, dass ich jetzt einen seriöseren Beruf brauche“, sagt er.

Er übernahm im Alter von 23 Jahren eine kleine Leihbücherei in Nürtingen im Jahr 1988, wo man sich gegen eine Gebühr Romanhefte und Comics ausleihen konnte. „Ich habe schnell einen Versandhandel etabliert und die Möglichkeit eines Abonnements angeboten.“ Verkaufsstrategien, die er während seiner Arbeit als Vertreter gelernt habe. Bereits Mitte der 90er-Jahre versuchte er sich am Onlineversandhandel. Ein Kunde – ein schweizer Händler für Porno-DVDs – habe ihm eine Webseite eingerichtet. „Das war anfangs ein totaler Flop und hat nur Geld gekostet“, sagt Maier. Inzwischen sei der Onlinehandel die Haupteinnahmequelle.

Mehrere Umzüge später sind aus den 20 Quadratmetern in Nürtingen etwa 4000 in der Pliensauvorstadt geworden: Der Marvel-Superheld Wolverine prangt an der Tür. Innen warten zahlreiche weitere Helden, mit denen die Neuerscheinungen in den Regalen beworben werden. Der Verkaufsraum am Eingangsbereich der Sammlerecke unterscheidet sich kaum von anderen Comic-Buchhandlungen. Geht man aber nach links, steht man plötzlich in einer eher rustikalen Halle. Auf mehreren Reihen von Tischen sind unzählige Hefte ausgelegt: Mangas, Western-, Fantasy- und Superhelden-Comics. Dahinter: Regal um Regal. Gebrauchte Hefte sind einzeln in Plastiktütchen verpackt, auf vielen klebt ein Sticker mit einer Bewertung. Der Zustand ist entscheidend für den Preis, erklärt Frieder Maiers Sohn Julian Maier: „Wenn ein Comic im Topzustand 100 Euro wert ist, ist es in schlechterem Zustand vielleicht noch zehn bis 15 Euro wert. Das ist mitunter schwer, den Leuten zu erklären, die ihre Comics bei uns verkaufen“, sagt der 36-Jährige, der sich vor zwei Jahren entschieden hat, in den Betrieb einzusteigen.

Comic-Handel: Von Kilopreisen bis zu 50 000 Euro für ein Exemplar

Das teuerste deutsche Comic-Heft, das sie im Bestand hätten, sei die Erstausgabe von Micky Maus. Die koste etwa 50 000 Euro im Topzustand. Sie hätten aber nur ein Exemplar in einem etwas schlechteren Zustand, das zwischen 25 000 und 30 000 Euro wert sei. „Von amerikanischen Verhältnissen sind wir aber weit weg, wo bei Auktionen für Erstauflagen Millionenbeträge bezahlt werden“, sagt Julian Maier.

Dass er in ein paar Jahren den Laden übernimmt, war keine Selbstverständlichkeit für ihn. Zuvor habe er in der Unternehmensberatung gearbeitet. Aber dass die Sammlerecke mit dem Renteneintritt seines Vaters irgendwann ein Ende hätte finden können, das wollte er nicht. Und die Selbstständigkeit habe natürlich ihre Reize.

Romanhefte in rauen Mengen: früher beliebt, heute auf dem absteigenden Ast.

Foto: Markus Brändli

Julian Maier geht in den Keller, der etwas an ein Archiv erinnert. Hier stehen zum Beispiel regalweise Romanhefte wie Perry Rhodan und John Sinclair. Früher beliebte Reihen, inzwischen laufen sie nicht mehr gut, erklärt der 36-Jährige. Dafür boome das Geschäft mit Mangas. Zwar fielen immer wieder bestimmte Trends unter den Tisch, aber neue kämen auf. Das Comic-Business trotzt der Digitalisierung. Aber wie finden sich die Comic-Sammler in dem Heftchen-Irrgarten der Sammlerecke zurecht? „Es kamen auch schon Kunden aus der Schweiz, die sich hier ein Hotelzimmer genommen und sich zwei Tage durch die Regale gearbeitet haben“, sagt er.

Esslinger Sammlerecke bekommt monatlich bis zu 50 Paletten Comics

Hinten im Keller liegen Hefte in Kartons auf Paletten. So sieht es auch in der zweiten Halle auf der anderen Straßenseite aus, die für Kunden nicht zugänglich ist. Dort lagert beispielsweise die noch nicht bearbeitete Ware. „Monatlich bekommen wir etwa 20 bis 25 Paletten Gebrauchtwaren und das gleiche an Neuwaren“, sagt Frieder Maier. Ihr Haupteinkäufer fahre mit einem Lkw quer durch Deutschland, um Sammlungen abzuholen.

Zum Lager der Sammlerecke haben Kunden keinen Zutritt.

Foto: Markus Brändli

Wie lange er noch weiter arbeitet? „Solange Julian mich lässt“, sagt Frieder Maier. „Ich kann mich schwer trennen.“ Katastrophen habe er in seiner Karriere zwar genug erlebt – von Einbrüchen bis zu unschönen Prüfungen des Finanzamtes. „Aber die Arbeit hat mir immer Spaß gemacht. Den Schritt in die Selbstständigkeit habe ich nie bereut.“

Veranstaltungen

Batman-Tag
Der elfte Batman-Day findet am Samstag, 20. September, in der Sammlerecke in der Daimlerstraße 8 von 10 bis 16 Uhr statt. Besucher bekommen an diesem Tag ein gratis Batman-Heft.

Manga-Tag
Eine Woche darauf, 27. September, ist der Manga-Day. Hier dürfen sich alle Besucher bis zu sechs Manga-Titel aus einer Auswahl von 28 für diesen Anlass gedruckten Ausgaben gratis mitnehmen. Dazu gibt es einen Comic-Flohmarkt und mehrere Künstler sind vor Ort. Mehr Infos unter: www.sammlerecke.de

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