Brache in Esslingen: Esslinger Karstadt-Areal: Im Juli rollen die Bagger an

Hinter dem früheren Karstadt-Gebäude in der Esslinger Innenstadt befindet sich seit Jahren eine Brachfläche – nun soll sie bebaut werden.
Roberto BulgrinNach Jahren des Stillstands tut sich nun etwas auf dem Karstadt-Areal. Noch im Juli sollen die Bagger anrollen und die ersten Arbeiten für die Bebauung der Brache in der Esslinger Innenstadt starten. Auf der bislang als Parkplatz genutzten Fläche sollen in den kommenden Jahren rund 160 neue Wohnungen und etwa 12 000 Quadratmeter Handels- und Gewerbeflächen entstehen. Zunächst aber stehen jetzt archäologische Voruntersuchungen auf dem Gelände an.
Für die archäologischen Untersuchungen wird laut dem Strabag-Konzern, der das Karstadt-Areal im Frühjahr erworben hat, eine rund zwei Meter tiefe Grube auf dem Parkplatz ausgehoben. Laut Stadtverwaltung will der Investor sichergehen, dass nach Beginn der Bauarbeiten keine unerwarteten Funde mehr auftauchen. Im August soll das Grundstück dann auf historische Fundstücke untersucht werden, bevor ab September die Esslinger Stadtwerke und das Tiefbauamt aktiv werden. Denn bis Anfang 2026 sollen hier Fernwärmeleitungen verlegt und eine Kanalsanierung durchgeführt werden.
Investor gibt neuem Esslinger Quartier den Namen „Qess“
Voraussichtlich im Frühjahr 2026 will die Strabag dann mit dem Rohbau für das neue Quartier starten, das sie in Anlehnung an „Quartier Esslingen“ und an das Wörtchen „kess“ nun „Qess“ getauft hat. Geplant ist, das gesamte Quartier bis zum Jahr 2029 fertigzustellen. Laut Stadtverwaltung wird eine dreistellige Millionensumme in das Projekt investiert.
Konkret sollen auf der Fläche zwischen Martinstraße und Ehnisgasse, die bislang als Parkplatz genutzt wird, vier neue Gebäude mit insgesamt rund 160 Wohnungen entstehen. Die Grundrisse wurden im Vergleich zur bisherigen Planung so verändert, dass die Wohnungen nun im Durchschnitt nur noch rund 75 Quadratmeter statt bislang 90 Quadratmeter Wohnfläche umfassen. So habe der Bauträger die Wohnungen in den einst auf dem Dach des bestehenden Karstadt-Gebäudes geplanten Townhouses kompensieren können, heißt es aus dem Rathaus. Denn diese Townhouses sieht der neue Eigentümer Strabag nicht mehr vor.

Das frühere Esslinger Karstadt-Gebäude soll revitalisiert werden.
Foto: Roberto BulgrinAuch bei der Tiefgarage haben sich Änderungen im Vergleich zur Planung des vorherigen Eigentümers BPI ergeben. So will Strabag statt der bislang zweigeschossig geplanten Tiefgarage nur noch eine Parkebene bauen, auf der nur 143 statt der bislang vorgesehenen 226 Parkplätze entstehen sollen. Allerdings sind künftig offenbar auch keine öffentlichen Stellplätze mehr in der Tiefgarage vorgesehen.
Zudem entfällt der einst geplante Durchgang vom Innenhof zur Bahnhofstraße und der Durchgang vom Innenhof zur Martinstraße verschiebt sich um einige Meter in Richtung Ehnisgasse. Im Innenhof plant Strabag verschiedene Angebote für die künftigen Bewohner des „Qess“-Quartiers. So sollen etwa eine Ruhezone für Senioren und ein Spielbereich für Kinder entstehen. Außerdem sind Bäume und Grünpflanzen sowie verschiedene Möglichkeiten der Regenwasserversickerung geplant. Auch Dachbegrünungen sowie Photovoltaik-Anlagen sind vorgesehen.
Einzelhandel und Dienstleistungen in ehemaligem Karstadt-Gebäude
Im bereits bestehenden ehemaligen Karstadt-Gebäude plant Strabag wieder eine gewerbliche Nutzung. Neben Einzelhandel ist auch die Ansiedlung von Dienstleistungen wie etwa Fitnessstudios oder Arztpraxen sowie von Büros angedacht.
Die Stadt weist darauf hin, dass während der archäologischen Voruntersuchungen und des damit verbundenen Lastwagenverkehrs alle Parkplätze im Kronenhof entfallen. Lediglich das Be- und Entladen im verkehrsberuhigten Bereich sei in dieser Zeit weiterhin möglich. Auch im östlichen Teil der Martinstraße entfielen Parkplätze. Denn geplant ist, dass die Lastwagen über den Kronenhof zur Baustelle gelangen und über die Martinstraße wieder abfahren.
Zum Ausgleich dürfen Anwohner mit Bewohnerparkausweisen des Parkgebiets R während der Bauzeit mit ihrem Ausweis auch in den Parkgebieten B, F und S in der nahegelegenen Weststadt parken. An der Kreuzung Fleischmannstraße, Bahnhofstraße und Kronenhof soll zudem eine mobile Ampel installiert werden, um den Lastwagen ein sicheres Abbiegen in den Kronenhof zu ermöglichen.
Projekt mit Geschichte
Historie
Seit Jahren wird in Esslingen über die Bebauung des ehemaligen Karstadt-Parkplatzes diskutiert. Es gab bereits verschiedene Pläne von unterschiedlichen Investoren für das Areal – realisiert wurde bislang keiner. Zuletzt war dem vorherigen Eigentümer BPI im Jahr 2023 eine Baugenehmigung erteilt worden, doch passiert ist danach nichts. Im Frühjahr 2025 verkaufte BPI das Projekt an die Strabag Real Estate GmbH, die das Bauvorhaben nun mit leichten Veränderungen umsetzen will.
Bauvorhaben
Die Bebauung des Karstadt-Areals ist nur eines von mehreren Bauvorhaben, die demnächst anstehen. Im Jahr 2026 will die Stadt Esslingen auch mit der Neugestaltung des Marktplatzes sowie mit dem Ersatzneubau der Pliensaubrücke beginnen. Hinzu kommen weitere Vorhaben wie der kontinuierliche Ausbau der Fernwärme durch die Stadtwerke oder der Ausbau der Oberleitungen auf dem Altstadtring.