„Eher befremdlich“
: Kritik und Lob für ungewöhnliches Gastro-Konzept in Esslingen

Der Esslinger Burger-Laden Fritzl's Burger sorgt mit einem neuen Konzept für kontroverse Diskussionen. Einmal im Monat gibt es einen Beleidigungstag in dem Restaurant.
Von
Sebastian Xanke
Esslingen

Die Berichterstattung unserer Zeitung über den Beleidigungstag bei Fritzl's Burger hat zu kontroversen Diskussionen geführt.

xan

„No risk no story“ hat sich Serda Bingöl auf den Arm tätowieren lassen - „kein Risiko, keine Geschichte“. Und so verwundert es wenig, dass der Inhaber des Esslinger Restaurants Fritzl's Burger eben dort neu ein spezielles Konzept präsentiert. Beim Beleidigungstag am ersten Dienstag im Monat werden Gäste „wie Dreck“ behandelt, sagt Bingöl, schränkt aber ein: „Es bleibt oberhalb der Gürtellinie“. Wer teilnehmen möchte, muss davor eine Einverständniserklärung unterschreiben.

Es ist keine gänzlich neue Idee, gibt der 27-Jährige zu. Ursprünglich stammt das Konzept aus Australien, auch in Restaurants in anderen deutschen Städten gibt es Unfreundlichkeit als gewolltes Geschäftsmodell. Aber wie kommt das im Kreis Esslingen an? Unter unserer Berichterstattung in den Sozialen Medien wird über das Für und Wider eines Beleidigungstags kontrovers diskutiert.

Knapp eine Million Mal wurde ein Video unserer Zeitung über das Konzept bislang angeschaut, mehr als 23 000 Accounts gefällt der Clip grundsätzlich. „Ich find's mega. Solange es in Maßen ist“, schreibt darunter etwa die Reise-Influencerin lovely.details auf Instagram. Die Kunden wüssten, dass es normalerweise freundlicher in dem Burger-Laden zugehe. Ein User kommentiert: „Ich könnte mir vorstellen, dass das ziemlich witzig ist. Wer das nicht mag, muss an dem einen Tag nicht hingehen.“

Kritik an Beleidigungstag bei Fritzl's Burger

Doch neben einigen positiven Kommentaren hagelt es auch grundsätzliche Kritik an dem Beleidigungstag. „Wir lernen, wie wir uns zu benehmen haben, sollten Vorbilder für unsere Kinder sein und dann kommt sowas als Geschäftsmodell“, beklagt ein User. Eine andere Nutzerin stimmt zu und sagt: „Sorry, nein danke. In dieser Welt brauchen wir mehr ehrliche Freundlichkeit.“

Andere würden die Einverständniserklärung für den Beleidigungstag nicht unterschreiben. „Der Kunde ist König am Ende des Tages. Ich denke, wie man in den Wald schreit, so kommt's wieder zurück.“ Tatsächlich ist in der Erklärung, die zu Beginn signiert werden muss, geregelt, dass Kundinnen und Kunden während der Aktion auch unfreundlich zum Personal sein dürfen.

Die Einverständniserklärung zum Beleidigungstag bei Fritzl's Burger in Esslingen würde nicht jeder unterschreiben.

Foto: Sebastian Xanke

Erlebnisgastronomie in Esslingen

Trotzdem: „Ehrlich gesagt finde ich es eher befremdlich, respektlosen Umgang als Unterhaltungskonzept zu feiern.“, schreibt eine Kommentatorin und ergänzt: „Gerade in einer Zeit, in der der Ton sowieso immer rauer wird, fände ich ein Konzept mit Humor und Respekt deutlich sympathischer.“

Etliche Userinnen stimmen ihr zu, einige widersprechen aber auch. Es sei wichtig, dass „man sich mal auslässt auf eine lustige Art und Weise“, schreibt einer. Lustig sei der Beleidigungstag deshalb, weil er außerhalb der Norm laufe. Immer wieder weisen Userinnen und User darauf hin, dass es sich bei dem Konzept um sogenannte Erlebnisgastronomie handelt – neben Essen und Trinken wird hier im Restaurant auch Unterhaltung geboten.

Und: „Zum Dampf ablassen, wenn man's gerade braucht, finde ich das total in Ordnung! Daraus entsteht wiederum etwas Lustiges. Es beruht schließlich auf Gegenseitigkeit!“ Die Diskussionen zeigen jedenfalls, dass ein Hintergedanke bei dem Geschäftsmodell aufgeht: Es generiert Aufmerksamkeit.

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