Einkaufen in Neuhausen: Ladenfächer zur Miete – Kleine Kunstwerke in der Kiwikatze
In leere Kessler-Sektflaschen gießt Jasmin De Roo Kerzen. Mit einem Fliesenschneider sägt sie die obere Hälfte ab, und füllt dann Sojawachs in das Gefäß. Das Geschenk verkauft die Neuhausenerin in einem Fach bei „Gina und die Kiwikatze“. So heißt das Geschäft, in dem kreative Menschen Selbstgemachtes anbieten. Die Idee hatte die Mediengestalterin Gina Walter, die den Laden in der Kirchstraße 2 gemietet hat.
Die dreifache Mutter bedruckt seit elf Jahren Buttons, entwirft Designs für T-Shirts und gestaltet Becher. „Der Online-Vertrieb läuft so gut, dass ich Aushilfen brauche“, erzählt sie. Doch den Job nebenbei in ihrem Wohnhaus abzuwickeln, das seit auf Dauer nicht gut gegangen. Also schaute sie sich nach einem Laden um. Mit viel Glück erfuhr sie damals, dass die Räume gegenüber dem Oberen Schloss ab November 2024 frei werden: „Da brauchte ich einen Business-Plan.“
Und dieser Plan geht auf. Für ihr überschaubares Gewerbe einen eigenen Laden zu betreiben, das war für Gina Walter kaum vorstellbar. Also sprach sie Frauen wie Jasmin De Roo an, die nebenbei kleine Gewerbe betreiben. „Es ist schön, dass ich meine Kerzen hier verkaufen darf.“ Wie kam sie auf die Idee, die Geschenke herzustellen? „Meine Mama hat Kessler-Sekt geliebt.“ Da seien immer Flaschen übrig geblieben. „Die wegzuwerfen, das wäre zu schade.“ So kam De Roo auf die Idee mit den Wachskerzen. Die Fachmieterinnen zahlen 15 bis 35 Euro Miete dafür, dass sie ihre Produkte im Laden verkaufen dürfen. Für jeden verkauften Artikel bekommt Walter 15 Prozent Provision. Dafür kümmert sie sich um die Abrechnung, nimmt Bestellungen auf und sorgt für Nachschub.
Selbstgenähte Froschhose kommt im Laden gut an
Mit Stoff-Schultüten, selbst genähten Hosen und Armbändchen bietet Ines Baumgärtel viel Selbstgemachtes an. Da sie gerne näht, findet sie es schön, „meine Sachen anderen anzubieten.“ Auf einem Ständer im Laden steht eine Hose mit Froschmotiven. Die näht die Mutter auf Wunsch. Früher habe sie ihre Sachen auf der Verkaufsplattform Etsy angeboten: „Das ist zu anonym und zu teuer.“ Im Laden könnten Leute die Sachen anschauen. „Da sieht man schnell, ob die Qualität passt.“

Gina Walter (links) und ihre Fachmieterinnen im Ladengeschäft.
Foto: Markus BrändliAnderen Menschen „mit schönen Dingen eine Freude machen“, das gefällt auch Annabelle Fietz. Dass sie unter anderem Tassen und Kerzen in ihrem Fach bei der Kiwikatze präsentieren kann, das gefällt ihr. Filigrane Holzarbeiten setzt Claudia Schaller auf Instagram stark in Szene. „Aber es ist doch viel besser, wenn man die Sachen sehen und sich dann entscheiden kann.“ Den Austausch mit anderen Kunsthandwerkerinnen genießen auch Juliane Trautmann und Christiane Kott.
Dass die Mieterinnen ihre Fächer mit dem Wechsel der Jahreszeiten umdekorieren, das freut Gina Walter sehr. Gehäkelte Kürbisse kündigen den Herbst an. Seifen in Regenbogenfarben erinnern an Sommer-Vibes. Die Inhaberin der Kiwikatze findet es großartig, dass die Fachmieterinnen und -mieter das Geschäft mitten im Ortskern mitgestalten. Wie kam Walter auf den besonderen Namen? Als sie ihr Geschäft aufbaute, wollte die Neuhausenerin „ein Markenzeichen“. Da sie Katzen und fröhliche Farben liebt, bat sie einen Puppenmacher im Italienurlaub, „mir eine Kiwikatze zu machen.“ Jetzt steht die grüne Handpuppe als Maskottchen im Laden.
Ein Laden für die Neuhausener Vereine
Nach verhaltenem Start ist Walter jetzt mit dem Umsatz sehr zufrieden. „Die Bierwecketse brachte den Durchbruch.“ Bei dem Fest der Neuhausener Vereine schauten viele in ihrem Laden vorbei. „Jetzt kommen sie wieder, wenn sie ein Geschenk brauchen.“ Das rege Vereinsleben in der Fildergemeinde hat Walter Mut gemacht, ihr Ladenkonzept in die Tat umzusetzen. Für die vielen Fasnetsgruppen druckt sie Buttons oder T-Shirts. Da fallen der kreativen Mediengestalterin tolle Sprüche ein. Vor den Fasnetsumzügen sind ihre Tassen sehr beliebt, „wenn Sekt und Glühwein in Strömen fließen.“

Mediengestalterin Gina Walter bedruckt Becher und Buttons für die Vereine.
Foto: Markus BrändliDer Verein „Ich bin Bauze“, der sich für junge Brauchtumspflege stark macht, hat ebenfalls ein Fach im Laden. „So eine Anlaufstelle hat hier gefehlt“, findet der Vorsitzende Dominik Eisele. Dass mit der Kiwikatze noch mehr Leben in die Ortsmitte eingezogen ist, freut ihn: „Leerstände sind nie gut für eine Gemeinde.“ Babymützchen, Lätzchen und winzige Sonnenhüte für die Kleinsten verkaufen die „Nähengel“ von Uschi Bayer. Die Mitglieder des Vereins haben 150 Bodies für Frühchen in Kinderkrankenhäusern wie dem Olgäle oder dem Klinikum Esslingen genäht. Jetzt arbeiten Bayer und ihr Team an Stillkissen für die Mütter. „Wir brauchen das Geld vom Verkauf, um das Material zu finanzieren“, sagt Uschi Bayer. Deshalb freut sie sich, dass Gina Walter dem gemeinnützigen Verein ein Fach unentgeltlich zur Verfügung stellt.
Ein junger Verein pflegt Traditionen
Frische Ideen
„Wir sind Bauze – wir lieben Tradition“ – so lautet der Slogan eines Neuhausener Vereins, der die junge Generation für das alte Brauchtum begeistern möchte. Die Mitglieder haben sich aufgemacht zu einer gemeinsamen Reise, um die vielen Gesichter ihrer Heimatgemeinde zu zeigen. Auf ihrer Homepage und auf Instagram (@ich_bin_bauze) geben sie Einblicke in das rege Gemeindeleben.
Neue Formate
Mit dem „Rolli-Tolli-Rennen“, das im zweijährigen Turnus stattfindet, wollen die jungen Vereinsmitglieder möglichst viele Menschen in der Fildergemeinde ansprechen. Auch Leute, die nicht in den Vereinen aktiv sind, kommen da zum Zug. Die nächste Auflage findet im Sommer 2026 statt. Weitere Informationen auf der Homepage: www.ichbinbauze.de. Auf ihrem Instagram-Kanal stellt Walter den Laden vor: @gina.kiwikatze







