Energetische Sanierung: Fassade des Esslinger Wohn- und Pflegestifts liefert künftig Strom

Die energetische Fassadensanierung des Geriatrischen Zentrums Esslingen-Kennenburg hat begonnen.
Elke HauptmannDie Zukunft verbirgt sich noch hinter dem Sicherheitsnetz, das sich über das Baugerüst spannt. Auf einem der ehemaligen Balkone steht die Konstruktion aus grauem Stahl und drei bodentiefen Fenstern bereits. Noch fehlen zwar die Solarmodule und die Holzlamellen, an denen später Grünpflanzen ranken sollen. Doch das Musterstück vermittelt schon einen Eindruck davon, wie die „Klimafassade“ des Geriatrischen Zentrums Esslingen-Kennenburg Anfang 2026 einmal aussehen wird.
Die energetische Sanierung des aus den 1970er Jahren stammenden Gebäudekomplexes hat vor wenigen Wochen begonnen – unter laufendem Betrieb. „Hier entsteht ein anspruchsvolles Projekt“, sagt Stefanie Schnabel von der Bauverwaltung des gemeinnützigen Unternehmens Dienste für Menschen (dfm), dem Träger des Wohn- und Pflegestifts im Esslinger Norden. Die Kosten für den ersten Bauabschnitt werden auf zehn Millionen Euro beziffert.
Das Baugerüst wird nach und nach wandern
Zunächst werden die Stockwerke oberhalb des Haupteingangs umgebaut. Betroffen davon sind der vordere Wohnbereich im Atrium mit 60 Einzelzimmern sowie die Diakoniestation und die Verwaltung der dfm. Das Baugerüst wird dann nach und nach weiterwandern: Auch die nach Süden ausgerichteten Balkone der Häuser Bellevue und Cabinet werden umgestaltet.

So wird die neue Fassade des Wohn- und Pflegestifts im Esslinger Norden aussehen.
Foto: Dienste für MenschenDie alten, weißen Leichtbauplatten an der Gebäudefront kommen alle weg. Sie sind schwach asbestbelastet. „Die Fassade wird nun hoch effizient gedämmt“, erläutert Schnabel das Konzept. Zudem erhalten die Zimmer eine Loggia mit Fenstertüren, die im Sommer geöffnet und im Winter geschlossen sein werden. Die Loggia sei ein prima Klimapuffer, sagt Schnabel: „Damit sparen wir in der Heizperiode viel Wärmeenergie und im Sommer heizt sich das Gebäude nicht so auf.“
Zisterne hat Speicher- und Schutzfunktion
Die schmalen Holzlamellen dienen der konstanten Belüftung. Die daran befindlichen Rankpflanzen werden laut Schnabel „für ein gutes Mikroklima vor den Zimmern sorgen“. Das Fassadengrün wird automatisch bewässert mit Wasser aus einer Zisterne. Der 11,5 Meter lange Sammelbehälter ist dieser Tage angeliefert worden. Per Kran wurde der Erdtank über die Dächer der Einrichtung hinweg in den Innenhof des Atriums transportiert.
Die Zisterne sei ein wichtiger Bestandteil des Klimaschutzkonzepts, betont Schnabel. „Das Regenwasser von den umliegenden Dächern wird in dem 46 000 Liter fassenden Behälter gesammelt.“ Der Wasservorrat reicht für sechs Wochen. Der Speicher hat neben der Bewässerung aber auch noch eine Funktion, informiert die Architektin: „Bei Starkregen nimmt die Zisterne Wasser auf und schützt so unsere Gebäude und Anlagen.“
Markant wird die neue Fassade des Wohn- und Pflegestifts vor allem durch die senkrecht vorgehängten Solarmodule – alles in allem sollen 840 Paneele angebracht werden. „Den selbst erzeugten Strom nutzen wir direkt im Haus.“ Auch auf den künftig begrünten Flachdächern werden Fotovoltaikanlagen installiert. Rund 200 000 Kilowattstunden pro Jahr sollen insgesamt erzeugt und somit etwa 100 Tonnen CO2-Ausstoß vermieden werden.
Der Rest der Fassade folgt im zweiten Bauabschnitt
Die Fassaden der Gebäude ohne Balkone werden später in einem zweiten Bauabschnitt energetisch ertüchtigt. „Das ist ziemlich viel Fläche“, räumt Schnabel ein. Die zum Großteil aus Kupfer bestehenden Elemente sollen durch nachhaltige Faserzementplatten ersetzt werden.