Erholung am Fluss
: „Zu wenig Hitzeschutz“: Gäste wünschen sich Schatten am Wasser

Lob und Kritik bei der Eröffnung des Neckaruferparks beim Esslinger Bahnhof. Einige der Flächen sind noch nicht grün. Neckarbalkon und Steg kommen gut an.
Von
Elisabeth Maier
Stuttgart
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Der Steg im Neckaruferpark erschließt das Naturwasserufer mit einer Flachwasserzone.

Roberto Bulgrin

Ausreichenden Hitze- und Sonnenschutz vermissten viele beim ersten Spaziergang durch den Esslinger Neckaruferpark. Bei Temperaturen von 35 Grad brannte zwar die Sonne während der Eröffnungsreden auf dem Neckarplateau. Die Reaktionen der ersten Besucher auf den neuen Lebensraum am Neckarufer waren unterschiedlich. Zehn Millionen Euro hat das Projekt gekostet, das den Fluss und sein Ufer erschließt.

Trotz des drastischen Defizits im Haushalt hat die Stadt Esslingen das Zehn-Millionen-Euro-Projekts nun nach zweieinhalbjähriger Bauzeit realisiert - sechs Millionen Euro davon haben Bund, Land und Region durch Zuschüsse finanziert. Die Pläne, den Fluss zu erschließen, gibt es bereits seit 1997. Nun ist der große Schritt getan. Über die Unterführung des Esslinger Bahnhofs ist der Neckarbalkon zu erreichen. Von dort führt der zwei Kilometer lange Weg Richtung Mettingen.

Der Spielplatz mit Röhrenrutsche am Neckarplateau macht großen und kleinen Kindern Lust auf Spiel und Bewegung.

Foto: Roberto Bulgrin

„Bis die Bäume Schatten spenden, wird es noch eine ganze Zeit dauern“, sagte Sebastian Schäfer, der Esslinger Bundestagskandidat der Grünen. Die die Landschaftsplaner des neuen Erholungsraums mit dem Neckarbalkon direkt hinter dem Esslinger Bahnhof haben da in die Zukunft gedacht. Diesen Ansatz lobte Schäfer gerade in Zeiten des Klimawandels. Mehr als 200 Bäume sind gepflanzt worden, die künftig Schatten spenden sollen. Jetzt sind sie noch zu klein. Schon jetzt bieten die Wege im Neckaruferpark aber schattige Abschnitte und Sitzgelegenheiten am Wasser. Einige Flächen sind noch nicht bepflanzt. Da hätten sich einige Gäste mehr Grün gewünscht - und mehr Schatten.

Wie unverzichtbar solche Naturräume sind, die in Stadtnähe Hitzeschutz bieten, stellte Esslingens Oberbürgermeister Matthias Klopfer klar. Hitzetage wie dieser seien in Zukunft „das neue Normal“. Mit dem größten Grünprojekt der Stadt Esslingen habe man nun am Fluss einen Naturraum geschaffen, „an dem man mitten in der Stadt die Seele baumeln lassen kann.“ In einem Jahr, wenn die Bäume gewachsen und weitere Flächen bepflanzt sind, werde der Neckaruferpark „eine andere Atmosphäre bieten.“ Lob für das Projekt gab es auch von David Preisendanz, dem Bundestagsabgeordneten der CDU für den Wahlkreis Esslingen: „Der Neckaruferpark zeigt, wie Stadtentwicklung und Klimaanpassung ganz konkret vor Ort zusammenkommen.“ Mit 2,4 Millionen Euro hat der Bund das Projekt gefördert.

Das Neckarplateau mit der großen Treppe lädt zum Sitzen und zum Entspannen am, Fluss ein.

Foto: Roberto Bulgrin

Wie fällt das Urteil der ersten Besucherinnen und Besucher aus? „Es ist so schön hier“, machte Michaela Karnizaj aus ihrer Begeisterung keinen Hehl. Die 19-Jährige hatte vor der Abfahrt ihres Zuges noch ein bisschen Zeit. Da hat sie den herrlichen Blick auf den Neckar auf dem Neckarbalkon genossen. Franziska Vogt (21) erinnert sich noch an die Zeit, als das Neckarufer hinter dem Bahnhof ein Angstraum war. „Es roch nach Cannabis, und da lagen Spritzen herum.“ Dass jetzt Fußgänger und Radler hier ihre gut ausgebauten und jeweils getrennten Wege haben, freut die zwei jungen Frauen. In den sozialen Medien wird das Projekt heftig und sehr kontrovers diskutiert.

Der barrierefreie Zugang ist für Rollstuhlfahrer gut geeignet

Den barrierefreien Zugang zum Neckar lobt Birgit Huber. Die Vorsitzende des Esslinger Inklusionsbeirats ist sehr zufrieden mit dem Ergebnis und kam mit ihrem Rollstuhl auf dem Gelände gut voran. „Einige kleinere Dinge“ lassen aus ihrer Sicht noch zu wünschen übrig, etwa barrierefreie Spielgeräte und die fehlenden Rückenlehnen an Sitzgelegenheiten entlang des Wegs. Huber findet es gut, dass der Inklusionsbeirat „in die Planungen eingebunden war und unsere Anregungen aufgenommen wurden.“

Viele Radfahrer nutzten gleich am ersten Tag die neue Verbindung, die den Lückenschluss des Neckartalwegs zwischen Rossneckarbrücke und dem historischen Pliensauturm möglich macht. Das Teilstück in Richtung Pliensaubrücke bleibt allerdings gesperrt, weil das Bauwerk in absehbarer Zeit saniert werden soll. Dass es getrennte Rad- und Fußgängerweg gibt, lobten viele Gäste. Die Route für die Radler ist mit Solarleuchten ausgestattet, die über Bewegungsmelder angehen.

Viele Fußgänger genossen es, über den schattigen, betonierten Weg entlang des Wassers zu flanieren. Immer wieder öffnet die Bepflanzung Blicke aufs Wasser. Als da ein Reiher seine breiten Schwingen zum Start öffnete, staunten die Gäste. Auch am Steg über das Flachwasser gab es manches zu entdecken. Die Fischkinderstube begeisterte Jung und Alt. In dem künstlich angelegten Seitengewässer tummelten sich kleine Fischchen, die aus dem Fluss ns Flachwasser kommen.

Noch relativ wenig Betrieb auf der Röhrenrutsche

Relativ wenig nutzen die Kinder die Röhrenrutsche aus Metall. Die Spielgeräte mit Netzen bieten Spaß und Bewegung. Da hatten wohl manche Bedenken, dass sich das Material zu stark erhitzt. Auch an der Calisthenics-Anlage fürs Muskeltraining unter freiem Himmel war noch nicht viel los. Manche Gäste äußerten die Befürchtung, dass der Neckaruferpark hinter dem Esslinger Bahnhof zu abgelegen sein könnte,, um Familien Spiel und Spaß zu bieten. „Auf der schönen Freitreppe am Neckarplateau könnten bald nur noch Cliquen mit Bierkisten sitzen“, sagte eine Besucherin. Da es hinter den Bahngleisen keine Wasseranschlüsse gibt, hat die Stadt Komposttoiletten aufgestellt. Da befürchten manche, dass es zu Verunreinigungen kommen könnte, sollten die Nutzer rücksichtslos damit umgehen.

Den Wunsch, eine Badestelle einzurichten, habe man nicht erfüllen können, sagte Matthias Scheider, der Leiter des Grünflächenamts. Denn der Neckar ist in Esslingen eine Bundeswasserstraße: „Das wäre so, als spielte man auf der Autobahn Fußball.“ Für Regionaldirektor Alexander Lahl ist die große Qualität des Projekts, „dass das Gewässer wieder erlebbar ist.“ Der Neckaruferpark ist für ihn ein Baustein im HInblick auf die gemeinsame Bewerbung zur Bundesgartenschau 2043.

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