Esslingen funkelt
: Händler beim Nachtflohmarkt – Manche bekommen Rabatt ohne Feilschen

Der Nachtflohmarkt gehört fest zu „Esslingen funkelt“. Ein Händlerpaar erzählt, warum es trotz mauer Geschäfte dabei bleibt – und wie Kunden mit Erfolg feilschen.
Von
Greta Gramberg
Esslingen
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  • Auch wenn die Käufer sich zurückhalten – für Veranstalter Til Maehr und Händler Bruno Körner lohnt sich der Nachtflohmarkt allein wegen der besonderen Atmosphäre.

    Thomas Kaltenecker
  • Die lange Einkaufsnacht „Esslingen funkelt“ hat auch an diesem Samstagabend wieder die Massen nach Esslingen gelockt (hier die Bahnhofstraße).

    Thomas Kaltenecker
  • Die Lichtobjekte des Künstlers Illuminist waren in der ganzen Stadt zu sehen.

    Thomas Kaltenecker
  • Die Innenstadthändlerinnen und -händler haben sich besondere Aktionen zur Unterhaltung überlegt.

    Thomas Kaltenecker
  • Beispielsweise eine Burlesque-Show bei „Schmachtfetzen“ in der Küferstraße.

    Thomas Kaltenecker
  • Auf dem Lichtermarkt in der Ritterstraße gab es unter anderem Handgemachtes zum Kauf.

    Thomas Kaltenecker
  • Aber auch allerlei leuchtende Accessoires.

    Thomas Kaltenecker
  • Für Kinder und Familien war auf dem Hafenmarkt Programm mit einem Lichterlabyrinth.

    Thomas Kaltenecker
  • Auf dem kleinen Markt hinter dem Neuen Rathaus waren Weinausschank und Party mit DJ geboten.

    Thomas Kaltenecker
  • Weitere Eindrücke von „Esslingen funkelt“.

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    Thomas Kaltenecker
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Die junge Frau reicht Bruno Körner das Bargeld über die Steiff-Plüschtiere hinweg und betrachtet mit einem Lächeln ihren neu erworbenen Schatz in ihrer Handfläche – ein schneller Verkauf ohne Diskussion beim Nachtflohmarkt auf dem Esslinger Marktplatz. „Sie war vorher schon mal da und hat sich die Stoppuhr aus den 1920ern angeschaut“, sagt Körner. Im letzten Moment hat er der Kundin dann doch noch einen weiteren Euro von den vereinbarten sechs erlassen. Sie sei so nett gewesen, sagt Körner.

Es ist gerade 19.30 Uhr und die Dämmerung hat eingesetzt. Die Leuchten an den Ständen, in den Kronen der Marktplatzbäume und der Kunstobjekte, die zum Aktionstag „Esslingen funkelt“ in der ganzen Innenstadt aufgestellt waren, legen einen weichen Schimmer auf das Markttreiben vor historischer Gebäudekulisse. Eine „tolle Atmosphäre“, finden Bruno Körner und seine Frau Helga. Das Paar bietet antike Raritäten wie Steiff-Stofftiere, Geschirr und Uhren, alles in Top-Zustand und professionell am Stand arrangiert. Doch seit Marktstart um 12 Uhr haben sie kaum etwas verkauft. „Für die Masse an Leuten ist es wenig“, sagt Helga Körner. Menschen mittleren und höheren Alters bleiben stehen und richten das Wort an sie, weil sie Spielzeuge aus ihrer Kindheit wiedererkennen. Sie kaufen aber nicht.

Nachtflohmarkt in Esslingen: Kunden sind verhalten

Eine Erfahrung, die das Händlerpaar immer häufiger macht. Das Flohmarktgeschäft ist ebenso wie der lokale Einzelhandel wohl angesichts der Online-Konkurrenz und der gesamtwirtschaftlichen Lage härter geworden. „Die Leute sind da, aber sie sind verhalten, sie kaufen nicht“, erzählt Helga Körner. Und wenn doch, dann gibt sie ihre mit Leidenschaft gesammelten Stofftiere oft für viel weniger Geld her, als sie eigentlich wert sind. Nur noch zwei von zehn Märkten seien von den Verkaufszahlen her gut und auch auf den Sammlerbörsen laufe es schlechter als einst.

„Früher habe ich genau gewusst, was ich zu einem bestimmten Markt mitnehme“, erzählt Helga Körner. Mittlerweile nehme sie eine Mischung mit. In Esslingen hat sie Waren mit einem Preis von ein Euro bis zu mehreren hundert. An diesem Morgen sind die Körners um 9.30 Uhr aufgebrochen mit ihrem Kleinbus. Als sie nach gut einer Stunde Fahrt auf dem Marktplatz ankamen waren die meisten anderen Händler schon da – und das Einparken eine Herausforderung. Viel Aufwand, wenn manchmal kaum das Standgeld durch die Einnahmen gedeckt wird.

Wann feilschen auf dem Flohmarkt Erfolg hat

Dennoch geben sie und ihr Mann nicht auf, an die zehn bis zwölf Flohmärkte im Jahr bestreiten sie, schätzt Helga Körner. „Wir leben nicht davon.“ Das Paar, beide in ihren 60ern, betrachtet es als Freizeitvergnügen. Schließlich will es den eigenen Bestand an mit Leidenschaft gesammelten Stofftieren und Uhren reduzieren. „Erst war das Sammeln eine Sucht und jetzt ist es der Verkauf“, sagt Helga Körner. Auf den Märkten kenne man sich, man gehöre dazu. Auch in Esslingen unterhalten sich die Körners an Nachbarständen über die Geschäfte, erkennen Freunde unter den Vorbeibummelnden oder Bekannte von Sammlerbörsen – und beim Einparken am Morgen haben die anderen Händler den Körners geholfen. „Es ist schön, fast wie eine Familie“, sagt Helga Körner.

Auch wenn Rabatte manchmal weh tun, das Feilschen gehört dazu. Und die Körners lassen durchaus mit sich verhandeln. „Wenn es nett rüber kommt“, sagt Helga Körner. Ihr Mann findet es sogar sympathisch, wenn die Kunden sich nicht trauen zu feilschen – und gibt teilweise von sich aus Rabatt, wie bei der antiken Stoppuhr. Wenn dagegen die Angebote und die Art zu dreist seien, wegen einem Euro zu lange diskutiert werde, dann werde sie böse und breche ab, erklärt Helga Körner.

Händler und Veranstalter schätzen Atmosphäre bei „Esslingen funkelt“

Steiff-Tiere, Geschirr und Uhren: Körners verkaufen antike Raritäten auf dem Esslinger Nachtflohmarkt. Thomas Kaltenecker

Foto: Thomas Kaltenecker

So ersteht eine junge Frau eine Kaffeedose für vier statt sieben Euro, ein Mann mittleren Alters eine zierliche Armbanduhr für 20 statt 25. Alle verlassen mit einem Lächeln den Stand – und auch Helga und Bruno Körner sind zufrieden, dass sie ein paar Stücke weniger mit nach Hause nehmen.

Ab 20 Uhr zieht das Geschäft etwas an. Das Wetter an diesem Abend sei gut für den Markt, meint Veranstalter Til Maehr von ES-Märkte mit Blick auf die trockene, nicht zu warme Witterung. Doch nicht nur die Körners, auch andere Händler hätten sich wohl bessere Geschäfte gewünscht, räumt er ein. Alle Jahre wieder frage auch er sich, ob die Veranstaltung noch lohne. Doch dann erlebe er die Atmosphäre mit den Lichtern und den anderen Programmpunkten bei „Esslingen funkelt“ und freue sich aufs nächste Mal. Auch Körners können sich vorstellen, dem Nachtflohmarkt noch eine Chance zu geben. Ohnehin nehmen sie gerne an Maehrs Märkten teil, die seien gut organisiert.

„Wir können langsam zufrieden sein“, sagt Helga Körner gegen 21 Uhr. Mit etwa 250 Euro werden sie und ihr Mann nach Hause fahren.

Die Nacht bei „Esslingen funkelt“

Late-Night-Shopping
„Esslingen funkelt“ hat auch an diesem Samstagabend die Massen in die besonders beleuchtete Innenstadt gelockt. Die Geschäfte hatten bis 22 Uhr geöffnet und besondere Aktionen geplant wie beispielsweise eine Burlesque-Show.

Weiteres Programm
Darüber hinaus gab es Raritäten und Handgemachtes bei Lichter- und Flohmarkt, Familienprogramm mit Lichterlabyrinth am Hafenmarkt und Wein und DJ-Musik am kleinen Markt.

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