Esslingen: Gel gegen invasive Ameisen bringt erste Erfolge

Im Kampf gegen die invasive Ameisenart Tapinoma magnum zeigt eine neue Bekämpfungsart erste Erfolge. (Symbolbild)
Uli Deck/dpaIm Kampf gegen die invasive Ameisenart Tapinoma magnum zeigt eine neue Bekämpfungsart erste Erfolge. In Esslingen ist die Stadtverwaltung den kleinen Krabblern mit einem Ködergel auf den Leib gerückt. „Obwohl der Regen in den vergangenen Wochen die Bekämpfung mit dem Ködergel erschwert hat, ist bereits ein Rückgang der Ameisen sichtbar“, sagte eine Stadtsprecherin. Zuvor hatten mehrere Medien berichtet.
Bislang wird die invasive Art im Südwesten vor allem mit heißem Wasser bekämpft. In Esslingen besiedelten die Ameisen aber eine Lärmschutzwand sowie den davorliegenden Hang. „Weil das Gelände unwegsam, steil und 700 Meter lang ist und die Ameisen zudem auch die Ritzen der Schallschutzwand besiedeln, wäre eine Bekämpfung mit heißem Wasser nicht zielführend“, erklärte die Sprecherin. Deswegen habe man entlang der Ameisenstraßen das Gel ausgebracht. Das Gel wird bereits seit Mitte Juli ausgebracht. Aufgrund des schlechten Wetters der vergangenen Woche habe aber lange nicht überprüft werden können, wie gut die Bekämpfungsmaßnahme anschlägt, denn die Tiere sind bei Regen hauptsächlich unterirdisch unterwegs.
Ameisen bringen Gift in die Nester
Das Gel, das die chemische Vorstufe eines Pestizides enthält, ist laut Stadt mit einem Lockstoff versetzt, der die Ameisen dazu bringt, das Mittel in die Nester tief im Hang zu bringen. Einmal gefressen, wird das Gel im Verdauungstrakt der Tiere zu einem Nervengift umgewandelt. In ihren Nestern geben sie das Gift an den Nachwuchs weiter. Die Stadt erhofft sich, die Zahl der Tiere so deutlich senken zu können.
Die ersten Erfahrungen mit dem Ködergel sind positiv. Eine etwa vier Zentimeter breite Ameisenstraße entlang einer Unterführung in Richtung Neckarinsel sei mittlerweile verschwunden, so die Stadtsprecherin. „Deswegen geht die Stadt davon aus, dass das Mittel erfolgreich wirkt. Allerdings ist bisher nur ein Anfang gemacht – das Gel wird noch weiter eingesetzt werden müssen, um die Superkolonie in den Griff zu bekommen.“ Ganz ausrotten könne man die Kolonie vermutlich nicht, weil die Ameisen die Nester schnell verlagern könnten.
Auch in der Schweiz und in Baden im Einsatz
Man habe sich bei der Bekämpfung mit dem Ködergel ein Beispiel an Zürich genommen, wo das Mittel bereits erfolgreich eingesetzt worden sei, so die Stadtsprecherin. Auch in Baden wurde das Gel Medienberichten zufolge bereits verwendet.
Die aus dem Mittelmeerraum stammende Ameisenart Tapinoma magnum breitet sich seit einiger Zeit in Baden-Württemberg und anderen Regionen Deutschlands aus und bedroht Wissenschaftlern zufolge Gebäude und technische Infrastruktur, wenn die Population nicht rechtzeitig verkleinert wird. „An sich ist Tapinoma magnum auch nicht problematischer als heimische Ameisenarten“, sagt Sabine Göggerle, die für die Firma „Der Puschmann“ in Sirnau die Ameisen bekämpft. Über Jahre hinweg kann sich eine ungestörte Kolonie derart stark ausbreiten, dass die schiere Masse an Tieren zu einem Problem werden kann, wenn sie Stromkästen besiedeln oder Bauwerke untergraben. „Die Ameisen sind in Deutschland angekommen und wir müssen lernen, mit ihnen zu leben“, sagt Göggerle. Sie glaube aber, dass eine vollständige Tilgung der Ameisenkolonie in Sirnau noch möglich sei. Und auch daran, dass die Ausbreitung auf weitere Stadtgebiete verhindert werden könne, da die Ameisenart vornehmlich auf sandigem Untergrund mit wenig Schatten lebt. Das sei vermutlich auch der Grund, warum auf der Neckarinsel, wo viele größere Bäume stehen, bislang noch keine Anzeichen für Nestbau gefunden wurden.
In der badischen Grenzstadt Kehl etwa gab es bereits Strom- und Internetausfälle. Kehl gilt als ein Hotspot der Ameisenplage.