Esslingen: Mitreißender Jazz in historischen Mauern

Raynald Colom
JazzkellerDas Jubiläumsjahr ist vorüber, und viele internationale Stars haben dem Esslinger Jazzkeller in den vergangenen Monaten zum 30. Jahrestag seiner Wiedereröffnung gratuliert. Und auch im 31. Jahr zeigt sich der Kellerclub in der Webergasse 22 lebendig wie eh und je. Sechs Konzerte bietet die Frühjahrssaison 2026. Der Reigen beginnt am Freitag, 30. Januar, mit dem Francesco Ciniglio Trio.
Freunde dieser Musik konnten schon in den 50er-Jahren Jazz im altehrwürdigen Gewölbekeller der Familie Hutter genießen. Viele Größen der Nachkriegszeit jazzten dort, Karrieren wie die eines Eberhard Weber, Wolfgang Dauner oder von Emil und Albert Mangelsdorff nahmen hier ihren Anfang. Doch Mitte der 70er-Jahre musste der Jazzkeller wegen baurechtlicher Bedenken schließen. Zwei Jahrzehnte lang sollte es dauern, bis die Musik diesen Hotspot 1995 zurück eroberte. Seither wird wieder in schöner Regelmäßigkeit in der Webergasse 22 gejazzt. Eine Veranstaltergemeinschaft um Barbara Antonin und Claudia Leutner garantiert für ein Programm mit zehn bis zwölf Konzerten jährlich.
Italienische Jazzstars eröffnen die neue Saison im Jazzkeller
Die neue Jazzkeller-Saison beginnt am Freitag mit vier international renommierten Gästen: Jazz-Liebhaber kennen und schätzen Francesco Ciniglio als Schlagzeuger im Trio von Danny Grissett. Im Jazzkeller stellt er sich nun als Bandleader vor, und er bringt zwei der bekanntesten Musiker der italienischen Szene mit: Domenico Sanna wird am Piano zu hören sein, Luca Fattorini am Bass. Dazu gesellt sich der französische Star-Trompeter Raynald Colom. „Freie Improvisationen wechseln ab mit Standards“, versprechen die Veranstalter. „Dieses Konzert soll der Jazzkeller-Tradition, italienische Bands in Esslingen zu präsentieren, einen weiteren glänzenden Mosaikstein hinzufügen.“
Weiter geht’s am 20. Februar mit einem Solokonzert der Pianistin Marta Sánchez, die an diesem Abend solo in Esslingen zu hören ist. Geboren in Madrid, lebt Sánchez seit 2011 in New York, mit ihrer innovativen und originellen Spielweise ist sie weltweit gefragt, 2025 wurde sie zur Pianistin des Jahres gekürt. Marta Sánchez wurde mit zahlreichen Preisen als Pianistin und Komponistin ausgezeichnet, in diversen Bands wie dem David Murray Quartet ist sie zu hören. Besonders reizvoll finden es viele, dass Marta Sánchez in ihrer Musik aus ganz verschiedenen kulturellen Einflüssen schöpft, die ihre musikalische Biografie prägen.
Ein hochkarätig besetztes Quartett bringt der Saxofonist Jérôme Sabbagh am 13. März auf die Bühne. Stars wie Al Foster, Victor Lewis, Kenny Barron und viele andere schätzen Sabbaghs musikalische Finesse, eine Zeit lang gehörte er auch Marta Sánchez’ Quintett an. Komplettiert wird Sabbaghs Quartett durch den Gitarristen Ben Monder, den Bassisten Joe Martin und den Schlagzeuger Nasheet Waits. Das Jermaine Landsberger Quartett hat sich am 27. März im Jazzkeller angesagt. „Der musikalische Weltbürger Jermaine Landsberger kehrt immer wieder gern in den Jazzkeller zurück“, wissen die Veranstalter. „Jedes seiner Konzerte ist neu und überraschend, weil sein kraftvoll-melodisches Pianospiel Modern Jazz verbindet mit Elementen der Gypsy-Musik.“ Gemeinsam mit dem Tenorsaxofonisten Tony Lakatos, dem Schlagzeuger Guido May und dem Kontrabassisten William Brunard präsentiert er ein feuriges Konzert aus Standards, Gypsy und New Musette.
Der in Esslingen lebende Saxofonist Wolfgang Fuhr spielt am 17. April mit seinen Rising Stars: Die Bassistin Ida Koch, der Trompeter Andreï Beuthe de Jaegher, die Pianistin Bettina Martinez und der Schlagzeuger Felix Eckenfelder präsentieren ein Programm mit eigenen Stücken, ausgewählten Jazz-Standards und Improvisationen. Und schließlich ist das Gee Hye Lee Quintett am 8. Mai im Jazzkeller zu hören: Die südkoreanische Pianistin hat ihr Trio mit Joel Locher (Bass) und Silvio Morger (Schlagzeug) für diesen Abend um zwei hochkarätige Musiker erweitert: Alexander ‚Sandi‘ Kuhn (Tenorsaxofon) und Jakob Bänsch (Trompete). Gemeinsam wollen sie ein Konzert bieten, das bereits Lust macht auf die Herbstsaison, die im September beginnt.