Esslinger Kreiskliniken testen neue OP-Regel
: Warum die Medius Kliniken Patienten die grüne Karte zeigen

Die Medius Kliniken des Landkreises Esslingen führen ein neues Nüchternheitskonzept ein: Jetzt darf man noch bis kurz vor einer Operation etwas trinken. Wie es zu diesem Umdenken kam, und was man sich davon verspricht.
Von
Elke Hauptmann
Esslingen
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Die grüne Nüchternheitskarte klärt Patienten darüber auf, was sie bis wann vor einer Operation zu sich nehmen dürfen.

Medius Kliniken

Ein voller Magen birgt das Risiko, dass der Inhalt während der Narkose zurück in die Speiseröhre fließt oder gar in die Lunge gelangt. Deshalb waren Patienten bisher dazu angehalten, mindestens sechs Stunden vor einer Operation nichts mehr zu essen und wenigstens zwei Stunden vorher nichts mehr zu trinken. Von dieser gängigen Praxis weichen die Medius Kliniken des Kreises Esslingen nun jedoch ab. An allen drei Standorten wird ein neues Nüchternheitssystem eingeführt. Es soll helfen, die körperlichen Belastungen vor Eingriffen zu minimieren und das Wohlbefinden der Patienten zu steigern, teilt der Klinikverbund mit.

In den Krankenhäusern in Kirchheim und Nürtingen wird den Patienten bereits die „grüne Nüchternheitskarte“ gezeigt, Ruit soll zeitnah folgen. Auf ihr werden Patienten darüber informiert, dass sie im Gegensatz zur bisherigen Regelung nun klare Flüssigkeiten wie Wasser, Tee und Kaffee – auf Wunsch auch mit etwas Zucker, Honig oder ein wenig Milch – bis kurz vor dem Transport in den Operationssaal trinken dürfen. Also etwa bis 30 Minuten vor Einleitung der Narkose. Das Konzept wurde von Alexander Zoll, Assistenzarzt der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin, unter der Leitung von Chefarzt Torsten Schröder entwickelt und basiert auf neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen, die federführend im Helios Klinikum Emil von Behring in Berlin gemacht wurden. Den dortigen Erfahrungen zufolge wird die Patientensicherheit durch das neue Trinkverhalten erheblich verbessert, zudem sinkt das Narkoserisiko.

Gefahr von Dehydrierung

„Vor einer Operation sind viele Patienten ohnehin bereits angespannt“, weiß Alexander Zoll. Da könne zusätzlicher Stress durch Flüssigkeitsmangel zu Kopfschmerzen, Schwindel und allgemeinem Unwohlsein führen. In der Praxis habe sich gezeigt, dass viele Patienten vorsorglich schon am Vorabend ihrer Operation auf Essen und Trinken verzichtet haben. Bis auf einen Schluck Wasser für die morgendlichen Medikamente hätten sie mitunter zehn bis zwölf Stunden ohne Flüssigkeitsaufnahme zugebracht.

Eine zu lange Nüchternheit aber birgt Gefahren. „Viele Patienten kommen bereits mit erhöhter Herzfrequenz und niedrigem Blutdruck im OP an, was das Risiko eines Kreislaufzusammenbruchs während der Narkose erhöht. Das kann unter Umständen zu längeren Krankenhausaufenthalten und weiteren Komplikationen führen“, erklärt der Assistenzarzt. „Mit unserem neuen Konzept wollen wir diese Risiken deutlich minimieren und den Heilungsverlauf positiv beeinflussen.“

Die Karte hat einen Vorteil: Würde man die Informationen über die neuen Regeln nur mündlich weitergeben, wäre es kaum möglich, die seit Jahrzehnten etablierten Verhaltensweisen zu durchbrechen, heißt es. Deshalb erhalten Patienten nun weiß auf grün entsprechende Informationen. „Sie können uns vertrauen, dass sie sich korrekt verhalten“, sagt Torsten Schröder. Wie der Chefarzt betont, zeigen die Medius Kliniken mit dieser Neuerung, „dass selbst kleine Anpassungen eine große Wirkung auf das Wohl unserer Patientinnen und Patienten haben können“. Die ersten Erfahrungen mit dem neuen Nüchternheitssystem seien positiv: Fast alle seien „froh, dass dieses belastende Thema endlich der Vergangenheit angehört“.

Die Medius Kliniken streben eigenem Bekunden nach an, dass etwa 98 bis 99 Prozent der OP-Patienten eine grüne Karte erhalten. Für Notfälle und bauchchirurgische Eingriffe gelten weiterhin spezielle Anweisungen.

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