Esslinger Literaturtage: Begegnungen auf Augenhöhe für junge Leseratten

Manfred Theisen weiß, wie er sein junges Publikum erreicht.
Roberto BulgrinMan kann die Freude am Lesen gar nicht früh genug wecken. Deshalb legen die Macherinnen und Macher der Esslinger Lesart seit jeher großen Wert darauf, Kindern und Jugendlichen den Weg zur Literatur zu ebnen. Selbst in einem guten Buch zu schmökern, kann Lust auf mehr machen. Noch weitaus reizvoller kann es jedoch sein, wenn prominente Autorinnen und Autoren ihre Bücher höchstpersönlich vorstellen. Gelegenheit dazu gibt es während der Lesart nicht nur in öffentlichen Lesungen für Kinder und Jugendliche, sondern auch bei Besuchen der literarischen Gäste in Schulen und Kindergärten.
Bettina Langenheim, die das Nachwuchs-Programm seit dem ersten Festival plant und organisiert, hat im Lauf der Jahre zahlreiche Kontakte zu Autoren und Verlagen geknüpft. Viele große Namen hat sie seither bereits in Esslingen präsentiert, und viele Kinder- und Jugendbuch-Autoren kommen immer wieder gern zur Lesart. Dass in diesem Jahr eine Familienlesung das Festival eröffnet, ist der beste Beleg dafür, dass der Nachwuchs bei der Lesart besonders hoch im Kurs steht.
Der Vater des Sams gibt sich die Ehre

Paul Maar kommt immer wieder gern zur Lesart.
Foto: Markus BrändliZu Gast ist in der Eröffnungsveranstaltung an diesem Sonntag der bekannte Kinderbuch-Autor Paul Maar, der Esslingen seit vielen Jahren verbunden ist. Der geistige Vater des Sams, jenes ebenso vorlauten wie liebenswerten Fantasiewesens mit den roten Haaren, der Rüsselnase und blauen Wunschpunkten im Gesicht, war einst Hausautor an der Württembergischen Landesbühne, und er war auch schon bei der Lesart zu Gast. Diesmal kommt er mit seinem „schiefen Märchen-Trio“ – und mit seinen Geschichten vom „Mini-Sams“. Und Bettina Langenheim verspricht „eine Lesung der Extraklasse, die man noch lange im Gedächtnis behalten wird ob ihrer wunderbaren Mischung aus inspiriertem, witzigem Vortrag und unterhaltsamer Musik“.
Kinder ab drei Jahren fragt Nikola Huppertz in ihrem gleichnamigen Buch: „Wie war’s heute?“ Die Antwort fällt vielen gar nicht mal so leicht, weil jeder Tag anders und voller Überraschungen sein kann. Der kleine Eike muss ganz schön nachdenken, als er seinem Vater erzählen will, was er im Kindergarten erlebt hat. Und am Ende staunt nicht nur er, sondern auch das Publikum über all die Erlebnisse und Gefühle, die in einem einzigen Tag stecken.
Kleine Geschichten von großen Themen

Uticha Marmon weiß, was Kinder gerne lesen.
Foto: Gabi WaldmannUticha Marmon liest für junge Leser ab neun Jahren aus ihrem Kinderbuch „Frieda, Nikki und die Grenzkuh“. Darin erzählt sie von einem kleinen Dorf, durch das sich aus unerfindlichen Gründen eine Grenze zieht. Als mitten auf der Grenze ein Kälbchen zur Welt kommt, müssen sich die verfeindeten Dorf-Hälften zusammenraufen. Und diese Geschichte gibt Uticha Marmon Gelegenheit, von großen Themen wie Frieden, Krieg, Besitzansprüchen und Geheimnissen scharfsinnig und unterhaltsam zu erzählen.
Manfred Theisen war schon häufiger bei der Lesart zu Gast. Viele schätzen ihn ob seiner Fähigkeit, schwierige Themen anschaulich zu präsentieren. In seinem neuen Jugendbuch „Escape“ (ab 14 Jahren) geht es Theisen um kein geringeres Thema als die Demokratie und die Gefahren, denen sie ausgesetzt sein kann. Am Beispiel einer Schulklasse, die sich auf ein riskantes Spiel einlässt, wird deutlich, was passieren kann, wenn die Grundwerte unserer Demokratie fallen können.
Ein Mirabellenbaum erzählt
Ein ganz besonderes Erlebnis erwartet das junge Publikum, wenn Cezary Harasimowicz aus „Mirabelka – Ein Mirabellenbaum erzählt Geschichte“ (ab zehn Jahren) liest. Der Autor lässt das jüdische Leben in Warschau lebendig werden – den Wohlstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts ebenso wie die Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg und den Holocaust.

Lesen macht Kindern Laune.
Foto: Sebastian Gollnow/dpaZum Abschluss des Kinder- und Jugendprogramms der Lesart 2025 erzählt die Autorin Felicitas Horstschäfer im Koki mit ihrem gleichnamigen Kinderbuch (ab acht Jahren) „Die ganze Wahrheit über das Lügen“. „Ein buntes, abwechslungsreiches Sachbuch, das mit Lust und Witz auf viele Grauzonen schaut“, verspricht Bettina Langenheim.