Esslinger Zukunftsprojekt: 25 Jahre Planung: Der Endspurt im neuen Neckaruferpark läuft

Die Arbeiten an der seit 25 Jahren geplanten neuen Erholungsfläche zwischen Neckar und Bahngleisen gehen voran – Ende des Jahres will die Stadt Esslingen fertig sein.
Roberto BulgrinWunder dauern zuweilen etwas länger, doch im besten Fall lohnt sich das Warten: Bereits seit einem Vierteljahrhundert denkt man in Esslingen über einen Park entlang des Neckars nach. Anfangs stand der Erholungsgedanke im Vordergrund, doch mittlerweile gewinnen auch klimatische Aspekte an Bedeutung. Seit Oktober 2023 treibt das städtische Grünflächenamt die Bauarbeiten am neuen Neckaruferpark voran. Nun ist das Ziel greifbar nah: Wenn vollends alles nach Plan läuft, soll die etwa zwei Hektar große Erholungsfläche bis zum Jahresende fertig sein.
Die lang gestreckte Parkanlage beginnt etwa auf Höhe des Pliensauturms und erstreckt sich neckarabwärts bis zum Hechtkopf, wo der Rossneckar in den Neckar mündet. Bevor die Stadt mit ihren Planungen für einen Neckaruferpark beginnen konnte, musste sie zunächst den schmalen Geländestreifen zwischen dem Neckar und den Gleisanlagen von der Deutschen Bahn kaufen.
Viele Ideen für ein überzeugendes Konzept

Für Niels Ruthardt (links) und Andreas Hanikel ist der Neckaruferpark ein Herzensanliegen.
Foto: Roberto BulgrinErst als der Kaufvertrag 2018 unter Dach und Fach war, konnten die Planer an die Arbeit gehen. Ihre Aufgabe war herausfordernd, weil das Areal nur maximal 40 Meter breit ist und eine teils schwierige Topografie aufweist. „Da waren viele unkonventionelle Ideen nötig, um ein überzeugendes Konzept zu entwickeln“, sagt Niels Ruthardt, der Leiter der Planungsabteilung im städtischen Grünflächenamt. Und auch die Bürgerschaft durfte in speziellen Beteiligungsformaten Wünsche und Ideen formulieren.
Bei ihren Planungen für den Neckaruferpark hatte die Stadt auch die Neue Weststadt im Blick. Jenseits der Gleisanlagen Richtung Innenstadt ist in den vergangenen Jahren ein neues Wohnviertel entstanden, das sich in den nächsten Jahren durch die Bebauung des Stadtwerke- und des Schlachthausreals weiter entwickeln soll. Allzu großzügig sind die Freiräume dort nicht bemessen – was aus den groß angekündigten, bislang aber noch nicht konkretisierten Plänen für einen neuen Stadtplatz wird, steht in den Sternen. Zudem entsteht in der Weststadt ein neuer Hochschulstandort. Das macht eine Erholungsfläche jenseits der Gleise in direkter Nähe zum Fluss noch wertvoller für ein Stadtquartier, in dem Grün gewiss nicht die dominierende Farbe ist.
Nachhaltiger Beitrag zur Esslinger Stadtentwicklung

Nah am Wasser gebaut ist dieser Steg.
Foto: Roberto BulgrinErklärtes Ziel der Stadt ist es, den Neckaruferpark „zu einem attraktiven und lebenswerten Ort für die Esslinger Bevölkerung zu gestalten“ und mit der rund zwei Hektar großen Erholungsfläche mitten in der Stadt „nachhaltigen Entwicklung des Quartiers ‚Neue Weststadt’ beizutragen“. Zudem sieht man im Rathaus „die Notwendigkeit, innerstädtische Quartiere an die Auswirkungen des Klimawandels, wie sommerliche Hitzebelastung und niederschlagsarme Trockenperioden, anzupassen“.
Im Neckaruferpark wechseln sich naturnahe Wiesen mit Rasenflächen ab. Neu gepflanzte Bäume und eine gezielte Bewässerung sollen für Erfrischung an heißen Tagen sorgen, wobei Nachhaltigkeit ein wichtiger Aspekt war: Ein eigens gebohrter Brunnen liefert Grundwasser auf ressourcenschonende Weise. Ausgehobene Fundamentreste wurden vor Ort zerkleinert und als Wegunterbau verwendet. Erdaushub aus der Hainbachrenaturierung formt das Gelände, während Wurzelstrünke gefällter Bäume als Lebensraum für Tiere erhalten bleiben. Und die naturnahe Gestaltung fördert zusätzlich die Artenvielfalt – etwa durch Natursteinmauern und artenreiche Wiesen. Manche Bereiche sind eher beruhigt, andere laden ein, aktiv zu werden. „Wir haben viel dafür getan, den Park attraktiv zu machen“, verspricht Projektleiter Andreas Hanikel. Und er ist überzeugt, dass das ankommen wird.
„Ein ganz wichtiges Vorhaben für Esslingen“

Der Stadtbalkon zählt zu den Fixpunkten im neuen Neckaruferpark.
Foto: Roberto BulgrinNoch wird im neuen Neckaruferpark an allen Ecken und Ende gearbeitet. Vieles ist bereits fertig, manche Arbeiten liegen in den letzten Zügen, einiges ist noch auf der Liste, um dem Park den letzten Schliff zu geben. Bis zum Jahresende soll alles fertig sein. Wer mit Niels Ruthardt und Andreas Hanikel durch den neuen Neckaruferpark geht, der spürt, dass die neue Erholungsfläche für beide ein Herzensanliegen ist. Und nicht nur ihnen, sondern auch den Planern, die das Konzept mit vielen originellen Ideen garniert haben. „Das ist für die Stadt ein ganz wichtiges Vorhaben“, ist Ruthardt sicher. Und er ist wie sein Kollege Hanikel überzeugt, dass man das Bestmögliche aus den vorhandenen Rahmenbedingungen gemacht hat. Wobei beide durchaus noch weiteres Entwicklungspotenzial sehen: Sollte sich etwa die Bahn je von ihrem dortigen Stellwerk trennen, wäre zum Beispiel eine Gastronomie denkbar, die noch mehr Aufenthaltsqualität schaffen und den Park vor allem in den Abendstunden zusätzlich beleben könnte.
Fixpunkte im Neckaruferpark
Pliensauturm
Der Neubau der Pliensaubrücke über dem Neckar bietet der Stadt die Möglichkeit, den Bereich rund um den Pliensauturm neu zu gestalten und die verlorene Steigung am Turm zurückzubauen.
Stadtbalkon
Am südlichen Ausgang der Bahnhofsunterführung ragt ein Terrassendeck über den Fluss und schafft einen offenen Aufenthaltsbereich. Eine Treppe verbindet den Stadtbalkon mit der oberen Ebene.
Neckarplateau
Westlich des ehemaligen Stellwerks soll ein Plateau entstehen und an eine große Freitreppe anschließen. Das Gelände wird auf einer Länge von 50 Metern moderat terrassiert. Auf Höhe des oberen Fuß- und Radwegs wird es eine Fläche für Sport- und Bewegungsangebote geben. Sitzstufen laden zum Verweilen ein. Der Hang wird für eine Röhrenrutschbahn genutzt. Über Naturholzstämme und Kletternetze kommen Kinder wieder nach oben.
Naturufer
Richtung Mettingen wird das Flussufer naturnah gestaltet, um unterschiedliche Lebensbedingungen für Flora und Fauna zu bieten. Entlang des Flachwassers verläuft ein Steg, der einen Blick auf das Naturufer und den Fluss eröffnet. Eine Balancierstrecke und eine Liegewiese stehen für Spaß und Entspannung.
Hechtkopf
Am Zufluss des Rossneckars in den Neckar wird ein attraktiver Aufenthaltsbereich geschaffen. Hier werden sich Sitz- und Liegemöglichkeiten sowie eine wunderbare Aussicht auf den Neckar finden. Eine flache Kiesbettzunge ermöglicht einen direkten Zugang zum Wasser. Über eine Fußgängerbrücke über den Rossneckar erreicht man die Weststadt.