Familienstück in der WLB
: Esslinger Landesbühne spielt vor Weihnachten „Räuber Hotzenplotz“

Die Regisseurin Konstanze Kappenstein inszeniert an der Esslinger WLB Otfried Preußlers Klassiker als vorweihnachtliches Familienstück. Das erwartet die Zuschauer.
Von
Martin Mezger
Esslingen
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Da geht’s rund (von links): Michaela Henze als Großmutter, Nicky Taran als Kasperl, Felix Caspar Krause als Räuber Hotzenplotz, Felix Albers als Seppel und Paula Dehner als Wachtmeister Dimpfelmoser.

Björn Klein

Was gibt es Schöneres, als Kaffee zu mahlen und sich die Vorfreude auf den Koffeinschub mit einer Lieblingsmelodie zu versüßen? Deshalb haben Kasperl und sein Freund Seppel der Großmutter so eine musikalische Kaffeemühle geschenkt. Doch als sie vom bitterbösen Räuber Hotzenplotz geklaut wird, dreht sich nicht mehr nur die Kaffeemühle, sondern alles um sie. Und die Esslinger Landesbühne dreht sich mit.

„Eigentlich müsste das Stück ,Die Kaffeemühle’ heißen“, sagt die Regisseurin Konstanze Kappenstein, die im Esslinger Schauspielhaus das vorweihnachtliche Familienstück nach Otfried Preußlers Kinderbuchklassiker vom Räuber Hotzenplotz inszeniert. Ausstatterin Carla Friedrich entwarf dazu ein Bühnenbild, das sie mit einer „Spieluhr“ vergleicht: Ein sich drehender Kistenstapel definiert die wechselnden Schauplätze, taugt aber auch für rasante Verfolgungsjagden.

WLB-Regisseurin: „Hotzenplotz ist nicht nur böse, die Großmutter ziemlich cool“

Gedreht wird auch an den Erwartungshaltungen des Publikums ab sechs Jahren. Nicht so weit, dass die Erkennbarkeit gefährdet wird, sagt Regisseurin Kappenstein. Aber doch so, dass die Figuren in einer anderes, vieldeutigeres Licht rücken: „Hotzenplotz und der Zauberer Zwackelmann sind nicht nur böse, Kasperl ist nicht nur der Held, die Großmutter nicht nur die Oma, sondern ziemlich cool.“

Der große böse Zauberer Petrosilius Zwackelmann (Julian Häuser) ist gar nicht immer so groß und böse.

Foto: Björn Klein

Das holzschnittartige Gut-Böse-Schema des Kasperletheaters versteht Kappenstein in ihrer Inszenierung nur als Genre-Zitat – ähnlich wie die Kasperletheaterbühne auf der Bühne, die, so Bühnenbildnerin Friedrich, „eine Pforte in diese Phantasiewelt darstellt“.

Aber was herbeizitiert wird, ist nur der Einstieg, nicht das Ganze am Stück. „Wir wollen den Figuren mehr Tiefe geben, sie vieldeutiger und mehrdimensionaler erscheinen lassen“, sagt die Regisseurin. Diese Mehrdimensionalität steckt aus ihrer Sicht in einer Erfahrung: der des Scheiterns. Aber eines Scheiterns, das keine Schaden-, eher eine Erkenntnisfreude auslöst. Nämlich Freude über die Erkenntnis, „dass Menschen Fehler machen“, wie die Dramaturgin Melina Hüttner sagt, diese Fehler aber neue Perspektiven öffnen können und die Einsicht: Man darf auch Schwäche zeigen.

Esslinger Familienstück: Hotzenplotz hat kindliche Seiten und verdient Trost“

Was an erster Stelle dem Räuber Hotzenplotz schwer fällt – weil er halt ein richtig böser Räuber sein muss, aber in Wahrheit nicht ist. „Er hat eigentlich viele kindliche Seiten. Man kann ihn auch lieb haben“, sagt Kappenstein. Statt Handschellen verdient er aus Sicht der Regisseurin Trost und Zuspruch. Die schöne gute Fee ist auch mal garstig und hässlich. Und Kasperl hadert durchaus mit dem Macho-Ideal, immer der Held sein zu müssen. Gespielt wird er von der Schauspielerin Nicky Taran. „Die Zuschauer sollen selbst entscheiden, ob er männlich, weiblich oder keins von beiden ist“, sagt Kappenstein.

Was also lernen Kasperl, Seppel, Räuber und Gendarm in der Schule des Scheiterns? Sollen ist nicht Wollen. Manchmal ist es befreiend, sich von Erwartungen an sich selbst – auch den eigenen – freizumachen. Und lustiger ist es sowieso, zumindest auf der Bühne, verspricht das Produktionsteam. Apropos Erwartungshaltung: Das junge Publikum hat vielleicht gar keine mehr. Oder eine durch die Display-Ästhetik völlig veränderte. „Eine Schulklasse beim Probenbesuch“, erzählt Melina Hüttner, „kannte das Buch und den Stoff überhaupt nicht. Sie glaubten, die Kasperletheaterfiguren seien Roboter.“

Die Premiere beginnt an diesem Samstag, 22. November, um 15 Uhr im Esslinger Schauspielhaus. Die nächsten Vorstellungen folgen am 6., 14., 21. und 26. Dezember sowie am 10. Januar.

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