Festival in Esslingen: Dieselstraße: Parkplatz wird zur Konzertarena

Der sonst so schmucklose Parkplatz vor dem Kulturzentrum zeigt ungeahntes Flair.
privatGerade in schwierigen Zeiten beweist die Kultur, wie erfinderisch sie sein kann. Weil Veranstaltungen im Coronajahr 2020 im Saal kaum möglich und auch im Freien oft nur unter großen Auflagen erlaubt waren, hat das Esslinger Kulturzentrum Dieselstraße damals mit dem „Parklücke“-Festival ein Format entwickelt, das beim Publikum so gut ankam, dass daraus eine feste Einrichtung wurde. Und so wird sich der sonst eher unscheinbare Parkplatz vor dem Haus in der Pliensauvorstadt vom 9. bis 20. Juli wieder in ein stimmungsvolles Festivalgelände verwandeln: Zum sechsten Mal soll die „Parklücke“ zum lebendigen Treffpunkt für Musik, Begegnung und kulturelle Vielfalt werden.
Ein junges ehrenamtliches Team hatte das Festival damals mit Dieselstraßen-Mitarbeiter Matthias Fugel auf den Weg gebracht. „Vor allem für eine jüngere Generation von Helferinnen und Helfern aus dem Umfeld der Dieselstraße war dieser ‚leere’ Raum eine willkommene Gelegenheit, sich dem Haus anzunähern und aktiv einzubringen“, sagt Fugel. „Gemeinsam stellen sie das Festival nun im sechsten Jahr mit viel Herzblut auf die Beine.“ Die Architektur des Hauses bietet ideale Voraussetzungen: Das Foyer lässt sich nach außen öffnen, der angrenzende Parkplatz wird zur Festivalfläche.
Nicht-kommerzielles Angebot für Esslingen

Mit viel Liebe zum Detail gestalten die Ehrenamtler den Hof der Dieselstraße.
Foto: privatAlle Veranstaltungen im Programm sind kostenlos zugänglich, Besucherinnen und Besucher können spontan und ohne Konsumzwang vorbeischauen. „Unser Ziel ist ein niedrigschwelliges, nicht-kommerzielles Kulturangebot für Esslingen und die Region“, sagt Matthias Fugel. Und er hat nicht nur dank der stetig wachsenden Zahl von Gästen aus der Nachbarschaft beobachtet: „Das macht neugierig – auf das laufende Programm, auf das Haus selbst und hoffentlich auch über das Festival hinaus. Das Publikum erlebt den Ort neu und entdeckt seinen besonderen Charme.“ Wie in den Vorjahren rechnet Fugel insgesamt wieder mit etwa 1300 Besucherinnen und Besuchern.
Anspruch des „Parklücke“-Teams ist es, Popkultur in ihrer ganzen Bandbreite abzubilden, ohne sich stilistisch einzuengen. Das musikalische Spektrum reicht von klassischem Pop über Indie und Reggae bis hin zu elektronischer Musik. Neben regionalen Bands kommen bewusst auch Geheimtipps und aufstrebende Künstlerinnen und Künstler zum Zug, die das Potenzial haben, die großen Bühnen von morgen zu bespielen. „Dass unser Konzept aufgeht, zeigen Beispiele wie Betterov, My Ugly Clementine oder Orbit“, sagt Fugel. „Sie alle standen früh auf der ‚Parklücke’-Bühne. Heute füllen sie große Hallen. Das macht uns stolz und bestärkt uns in unserem Ansatz.“
Erfolgreiche Generalprobe beim Schwörfest

Die Singer-Songwriterin Mel D eröffnet am 9. Juli das Programm.
Foto: Noémi Ottilia SzaboEin wichtiger Aspekt ist die Gleichberechtigung auf und hinter der Bühne, die sich auch in der Zusammenstellung der Künstlerinnen und Künstler zeigt. Und auch Kinder und Familien finden ihren Platz im Programm. Einen Vorgeschmack auf das Festival gab es am Wochenende bereits beim Schwörfest in der Stadtmitte. „Das lief schon mal sehr, sehr gut“, freut sich Matthias Fugel. „Bei Superwetter haben sich vor der Bühne am Rathausplatz viele Menschen versammelt, die Stimmung war wirklich schön.“ Nun geht es am Mittwoch, 9. Juli, um 20 Uhr im Hof des Kulturzentrums in der Pliensauvorstadt mit der Singer-Songwriterin Mel D und der Band clrls weiter.
Ein Kraftakt ist das Festival auch aus finanzieller Sicht: Trotz diverser Anträge gab es diesmal keine Projektförderung. „Da der Dieselstraße und ihrem Publikum das Parklücke-Festival aber als Angebot sehr wichtig ist und da sich hier eine neue Generation von Dieselsträßlerinnen und -sträßlern bei Publikum und Organisationsteam wiederfindet, haben wir eine Möglichkeit gefunden, das Festival aus unseren laufenden Mitteln zu finanzieren“, verrät Matthias Fugel.