Feuerwehr in Filderstadt
: „Mit altem Klump zieht man keinen hinterm Ofen vor“ – in den Wachen brennt’s

Seit Jahren arbeiten die fünf Filderstädter Feuerwehrabteilungen unter widrigen Bedingungen. Alle Gebäude in der Stadt sind veraltet. Kommt jetzt Bewegung in die Sache?
Von
Caroline Holowiecki
Esslingen
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Der Stadtbrandmeister Jochen Thorns (rechts) und der Abteilungskommandant Sven Alt im Feuerwehrhaus Harthausen. In dem Gebäude aus den 70er Jahren werden viele heutige Vorgaben nicht eingehalten.

Caroline Holowiecki

Als Sven Alt den Motor des Löschgruppenfahrzeugs startet, macht sich augenblicklich eine Abgaswolke breit. Sie umhüllt alles, was neben dem Auspuff steht: Rollcontainer, ein Gerät, mit dem Feuerwehrleute nach dem Einsatz ihre Stiefel reinigen können, Feuerlöscher und etliche andere Dinge. „Heute steht das da, morgen etwas anderes“, sagt Jochen Thorns. Und ja, in der Regel halten sich auch Menschen hier im schmalen Gang im Feuerwehrhaus in Harthausen auf.

Eigentlich sollte das nicht so sein, dass Personen sich unmittelbar an den großen Fahrzeugen vorbeidrücken und die Abgase einatmen. Aber es geht nicht anders. Das Gebäude ist zu klein und zu alt.

Gebäude stammen aus den 1970er Jahren

Das Feuerwehrhaus in Harthausen stammt vom Anfang der 70er Jahre. Baulich ist es ein Kind seiner Zeit, heute erfüllt es viele Vorschriften nicht mehr. Jochen Thorns, der Stadtbrandmeister in Filderstadt, zählt auf, wo es brennt: Die Stellplätze der Fahrzeuge sind heute gemäß DIN-Norm zu klein, die Freiwilligen haben deutlich zu wenig Platz, um sich umzuziehen, außerdem wird die vorgeschrieben Schwarz-Weiß-Trennung nicht eingehalten. Sie besagt, dass verrauchte und verrußte Arbeits- getrennt von der Alltagskleidung aufzubewahren ist, damit giftige Stoffe nicht verschleppt werden, faktisch aber ziehen sich Frauen und Männer in Harthausen gemeinsam keinen Meter hinter dem Löschfahrzeug um und legen ihre Privatkleider dort in offene Schränke.

Eine Abgasabsauganlage gibt es nicht, „das ist etwas, was die Feuerwehrleute gesundheitlich belastet“. Laufwege im Gebäude, die die Unfallkasse aus Sicherheitsgründen vorschreibt, können nicht eingehalten werden, Lagerflächen gibt es auch kaum, sodass Utensilien im Flur stehen oder sich auf Schränken türmen. Alarmparkplätze fehlen ebenso. Die Liste könnte fortgeführt werden.

In Plattenhardt und Harthausen sind die Probleme am drängendsten

Fakt ist: Derartige Probleme treffen auf sämtliche fünf Feuerwehrhäuser in Filderstadt zu, sie alle stammen aus den 60ern oder 70ern. Bereits im Feuerwehrbedarfsplan von 2007 und der Fortschreibung von 2018 sind Missstände benannt worden, betont Jochen Thorns. Dort heißt es auch, dass die Probleme in Harthausen und Plattenhardt am drängendsten sind. Erste Grundstücksverhandlungen für Neubauten in Plattenhardt und in Harthausen haben sich jedoch zerschlagen, weil, so erklärt es der Oberbürgermeister Christoph Traub, Verhandlungen gescheitert sind oder der Grundstückszuschnitt doch nicht gepasst hat.

Unlängst wurde ein neuer Suchlauf gestartet. „Derzeit prüfen wir Grundstücksoptionen, die wir mit dem Gemeinderat und der Feuerwehr besprechen“, sagt er, nach der Sommerpause werde man konkrete Verhandlungen führen. Parallel laufen laut Jochen Thorns auch Untersuchungen für die weiteren drei Stadtteile.

Derweil bleibt die Situation in den Magazinen, wie sie ist. „Das frustriert sicherlich. Man macht das Beste draus“, sagt Sven Alt, der Kommandant in Harthausen. Er benutzt den Begriff Mangelverwaltung. Immerhin kleine Verbesserungen stehen an oder wurden umgesetzt. Auf dem Gelände der Feuerwehr in Plattenhardt gibt es eine Interimsgarage – Kosten: eine Viertelmillion Euro –, weil ein Neufahrzeug, das 2024 geliefert wurde, nicht ins alte Magazin passt. Auch in Harthausen muss gedoktert werden. Das jetzige, 22 Jahre alte Löschgruppenfahrzeug passt gerade so durchs Tor, fürs neue, das bereits bestellt wurde, muss das Eingangstor vergrößert werden.

Kein Personalproblem, sondern ein Materialproblem

Jochen Thorns ist voll des Lobes, wenn es um die mehr als 300 Feuerwehrleute in Filderstadt geht, und spricht von der größten ehrenamtlichen Wehr im Landkreis Esslingen. Die Truppe sei außerordentlich leistungsfähig, ein Erreichungsgrad bei den vorgeschriebenen Hilfsfristen von 99 Prozent belege das. Ebenso freuten sich die Abteilungen durch ihre Verankerung in den Stadtteilen über regen Zulauf, „wir haben kein Personalproblem“. Gleichzeitig mahnt er, dass die Infrastruktur stimmen müsse. „Mit altem Klump zieht man keinen hinter dem Ofen hervor.“

In Filderstadt ziehen dunkle Finanzwolken auf. 2026 steht ein neuer Doppelhaushalt an, Stadtspitze und Kämmerei haben den Gemeinderat bereits auf eisernes Sparen eingeschworen. Jochen Thorns hofft, dass bei den Neubauprojekten nicht gespart wird. „Wir können die jetzigen Feuerwehrhäuser nicht weitere 50 Jahre betreiben. Schon bei zehn Jahren habe ich Bauchschmerzen. Wir müssen jetzt ins Doing kommen“, sagt er. Er spricht von einer kommunalen Pflichtaufgabe und betont: „Ich habe volles Vertrauen zum Gemeinderat, dass er die richtigen Entscheidungen trifft.“

Zukunft der Feuerwehr

Anschaffung
Dieser Tage konnten die Feuerwehrabteilungen Bonlanden und Harthausen jeweils ein neues Mehrzweckfahrzeug in Empfang nehmen. Kosten pro Auto: 132 000 Euro. Die neuen Mobile dienen unter anderem dem Zug- oder Einsatzleiter als Führungsfahrzeug, zum Mannschafts- und Materialtransport oder für Erkundungsfahrten.

Spende
Die Vorgängermodelle, jeweils Baujahr 2003, werden in Filderstadts ukrainische Partnerstadt Poltawa versandt, wie der Oberbürgermeister Christoph Traub bei der Übergabe erklärte.

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