Halloween-Süßigkeiten
: Kinder als Social-Media-Nachahmungstäter?

Nicht nur im Kreis Esslingen wurden Nadeln und andere Fremdkörper in Süßigkeiten gemeldet. Einige Fälle finden nun einen überraschenden Ausgang.
Von
Michael Maier
Filderstadt
Nadel in Halloween-Süßigkeit: Ein Polizeibeamter hält ein mit einer Nadel präpariertes Kaubonbon in der Hand (Bestmögliche Qualität). Ein Vater hatte das Bonbon bei der Halloween-Ausbeute seiner Tochter entdeckt. Aus mehreren Bundesländern gibt es Berichte, dass gefährliche Gegenstände wie Nadeln in Halloween-Süßigkeiten versteckt waren. (zu dpa: «Viele Fälle von präparierten Halloween-Süßigkeiten in Europa»)

Ein Polizeibeamter hält ein mit einer Nadel präpariertes Kaubonbon in der Hand.

Polizei Lippe/dpa
  • Nach Halloween wurden Nadeln und Fremdkörper in Süßigkeiten gemeldet, teils mit Verletzungen.
  • Mehrere Fälle klärten sich auf: Kinder präparierten Süßigkeiten selbst oder erfanden Funde.
  • Eine Zehnjährige folgte einem TikTok-Video und steckte eine Nadel in einen Riegel.
  • Behörden sehen teils keinen Beleg für eine koordinierte „Challenge“ – Prüfungen laufen.
  • Polizei rät: Süßigkeiten gemeinsam prüfen und mit Kindern über Risiken von „Mutproben“ sprechen.

Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.

Ein TikTok-Video habe sie dazu gebracht, eine Nadel in einen Schokoriegel zu stecken, sagte eine Zehnjährige der Polizei. Auch in anderen Orten stellte sich heraus, dass Kinder Süßigkeiten selbst präpariert oder einen Fund erfunden hatten. Was ist über den Einfluss sozialer Medien bekannt?

Gefährlicher Fund im Schokoriegel

Nach Halloween waren Nadeln und andere Fremdkörper in Süßigkeiten gemeldet worden, unter anderem auch in Filderstadt im Kreis Esslingen vor den Toren Stuttgarts. Einige Funde haben sich als gefährlich erwiesen: So verletzte sich in Niedersachsen ein Mädchen an einer Nadel in einem Schokoriegel. Doch nicht jeder gemeldete Fall ging offenbar auf eine unbekannte Person zurück.

Im Rhein-Pfalz-Kreis räumte eine Zehnjährige jetzt ein, selbst eine Nadel in einen Schokoriegel gesteckt zu haben. Sie habe zuvor ein TikTok-Video gesehen und es nachgemacht, teilte die Polizei mit. Der Fall zeigt somit eine konkrete Verbindung zwischen einem Online-Video und einer Handlung. Er belegt jedoch noch nicht, dass hinter den vielen Meldungen eine koordinierte „Challenge“ – also ein Social-Media-Wettbewerb – steckt.

Süßes zu Halloween : Kinder in Kostümen bekommen an einem Hauseingang Süßigkeiten. (Symbobild)  (zu dpa: «Berlin bislang ohne Fälle mit Nadeln in Halloween-Süßem»)

Wurden Süßigkeiten zu Halloween von Kindern mit Nadeln und Nägeln präpariert?

Armin Weigel/dpa

„Mutprobe“ mit Nadeln in Halloween-Süßigkeiten?

Auch in Mittelfranken gestand ein Kind, eine Nadel selbst in einen Schokoriegel gesteckt zu haben. Die Mutter hatte die Süßigkeiten wegen zahlreicher Meldungen in sozialen Medien kontrolliert. Die Polizei bat Eltern anschließend, mit ihren Kindern über Risiken möglicher „Challenges“ und gefährlicher Mutproben zu sprechen.

Esslingen

Alles Wichtige aus dem Kreis Esslingen.

In Thüringen hatte ein neunjähriges Mädchen einen Holzspieß in einen Riegel gesteckt. Aus Bayern wurden weitere Fälle gemeldet, darunter ein Kind, das den Fund einer präparierten Süßigkeit erfunden hatte. Ein Polizeisprecher sagte, das Mädchen habe einem Trend in sozialen Netzwerken folgen wollen. Auch in Österreich stellte sich laut dem Bericht in mehreren Fällen heraus, dass Kinder die Süßigkeiten selbst manipuliert hatten oder einen Fund vortäuschten. Die bislang bekannten Meldungen erlauben indes keine pauschale Erklärung für alle Verdachtsfälle.

Halloween: Gibt es eine „Social-Media-Challenge“?

Die Behörden bewerten die Beweislage unterschiedlich. Das nordrhein-westfälische Landeskriminalamt erklärte, es gebe bislang keine belastbaren Hinweise auf eine koordinierte Vorgehensweise oder eine Social-Media-Challenge. Die Polizei Essen vermutet dagegen, dass Videos aus dem englischsprachigen Raum einzelne Täter angeregt haben könnten. Konkrete Absprachen seien dort bisher nicht belegt. Das LKA Baden-Württemberg prüft ebenfalls mögliche Verbindungen zu sozialen Medien und Chatgruppen, meldete aber vorerst keine belastbaren Erkenntnisse dazu.

Auch die Zahl der Meldungen sagt für sich genommen wenig über einen tatsächlichen Anstieg aus. Das LKA NRW weist darauf hin, dass Süßigkeitenmanipulation in der Kriminalstatistik nicht als eigenes Phänomen erfasst wird. Mehr Aufmerksamkeit kann zudem dazu führen, dass mehr Verdachtsfälle gemeldet werden.

Manipulierte Süßigkeiten und Social Media

Die Polizei rät, gesammelte Süßigkeiten vor dem Verzehr gemeinsam mit Kindern zu kontrollieren. Achten Sie auf beschädigte Verpackungen, Einstichstellen und ungewöhnliche Verformungen. Verdächtige Stücke sollten nicht gegessen werden. Fremdkörper möglichst nicht entfernen, sondern Fund und Verpackung sichern und der Polizei melden. Bei einer Verletzung oder wenn ein spitzer Gegenstand verschluckt worden sein könnte, sollte umgehend medizinische Hilfe geholt werden.

Ebenso sinnvoll ist ein ruhiges Gespräch über Videos, die gefährliche Handlungen zeigen: Was wird darin vorgemacht? Warum könnte das jemand posten? Und was sollte ein Kind tun, wenn es so etwas sieht? Die Polizei empfiehlt, Inhalte altersgerecht einzuordnen und Kinder für mögliche Folgen von Nachahmungsaktionen zu sensibilisieren. Unbestätigte Warnungen in Chats sollten dagegen nicht ungeprüft weiterverbreitet werden: Sie können Ängste verstärken und die Einschätzung einzelner Fälle erschweren.