Oldtimer Fliegertreffen Hahnweide in Kirchheim
: Mit 15 PS der Sonne entgegen

Rund 50 000 Menschen sind am Wochenende zu Europas größtem Oldtimer Fliegertreffen gekommen.
Von
Dr. Ulrich Stolte
Stuttgart
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  • Auf der sogenannten Flight-Line sind die Oldtimer Flugzeuge aufgereiht.

     
  • Rund 50.000 Zuschauer wollten sich das Spektakel auf der Hahnweide nicht entgehen lassen.

    Foto: Michael Steinert
  • Und die Zuschauer bekamen was zu sehen: ...

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  • ... etwa 300 Flugzeuge nahmen an der Show teil.

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  • Bis Sonntagabend können sich die Besucher auf Oldtimer-Flugzeuge freuen.

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  • Das 18. Fliegertreffen auf der Hahnweide ist mit 350 Helfern über die Bühne gegangen.

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  • Beim Fliegertreffen Hahnweide handelt es sich um das größte Oldtimer-Fliegertreffen in Europa.

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  • Die Zuschauer kamen nicht nur wegen des guten Wetters nach Kirchheim gepilgert, ...

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  • ... sondern auch weil sie mit dem Veranstalter den uralten Menschheitstraum vom Fliegen teilen.

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  • Auf der Hahnweide gab es am Wochenende zig Oldtimer-Flugzeuge zu bestaunen.

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  • Bei bestem Spätsommerwetter versammelten sich die rund 50.000 Zuschauer auf dem Flugplatz.

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  • Das Fliegertreffen auf der Hahnweide war wieder ein voller Erfolg.

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  • Fotomotive gab es am Wochenende genug.

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  • Das Fliegertreffen auf der Hahnweide war wieder ein voller Erfolg.

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Kirchheim - Sein Flugzeug wurde nicht gebaut, um Lasten zu tragen oder Personen zu befördern. Die Blériot, Baujahr 1918, die seit mehr als 25 Jahren zum Oldtimer Fliegertreffen nach Kirchheim kommt, wurde auch nicht gebaut, um Bomben abzuwerfen oder Maschinengewehre zu führen. Sie war einzig dazu da, um zu fliegen, den uralten Menschheitstraum in Holz, Eisen und Stoff zu verwandeln und einen Menschen in den Himmel zu heben.

Mikael Carlson heißt dieser Mensch, der die Blériot in einem schwedischen Bauernhof gefunden hat. Wie um alles in der Welt kann man ein Flugzeug in einem Bauernhof finden? „Man kann ein Flugzeug nur auf einem Bauernhof finden“, kontert der Besitzer mit trockenem Humor, „in den Städten hat niemand Platz für ausgediente Sachen und wirft sie weg.“

Man sieht sein kleines Flugzeug kaum in der so genannten Flight-Line am Zaun des Flugfeldes, wo sich die schönsten der rund 300 Flugzeuge präsentieren. Doch wenn inmitten der dichten Menschenmenge, die auf der andren Seite des Zauns wartet, eine gewaltige weiße Rauchwolke hochsteigt, dann weiß man, dass Carlson den Motor angelassen hat. Der Motor hat kein Gaspedal, sondern nur zwei Stellungen: „An und Aus.“ Mit Vollschub startet er, mit Gefühl landet er. Sechs Liter braucht der Motor pro Stunde – Öl, nicht Benzin. Der Motor ist nicht starr eingebaut, sondern dreht sich mit dem Propeller mit. Eine geniale Konstruktion, die dafür sorgt, dass die Zylinder stets gekühlt sind. Weil der Motor sich dreht, ist er auch seine eigene Schwungscheibe. Damit sparte der Konstrukteur Louis Blériot Gewicht. Denn er hatte nur 15 PS zur Verfügung, um Mensch und Maschine in den Himmel zu heben, nicht mehr als ein Moped.

Die Blériot startet, schwebt der Teck entgegen über das Flugfeld und über die insgesamt 50 000 Zuschauer, die sich mit Sonnenschirmen und Klappstühlen in die Wiesen gelegt haben, um den Piloten mit seinem Flugzeug aus Eschenholz und Stoff zu betrachten. Carlson dreht und wendet seinen Flieger wie ein Paradepferd in etwa 50 Metern Höhe. Für ihn so hoch wie der Montblanc. Durch die Hitze und die Thermik ist die Luft so dünn wie in 5000 Metern Höhe. Jetzt wackelt der Flieger mit den Flügeln, die Thermik bringt ihn aus dem Gleichgewicht. Grinsend winkt Mikael Carlson nach unten.

Mit 350 Helfern geht das Fliegertreffen über die Bühne

Der Konstrukteur Louis Blériot stand 1909 mit dem Rücken zur Wand. Seine Firma war fast pleite, er brauchte dringend Kapital. Die britische Zeitung „Daily Mail“ hatte einen Preis ausgesetzt für denjenigen, der als erster über den Ärmelkanal flöge. „Es war ziemlich dumm von ihm, das zu versuchen“, sagt Mikael Carlson. Aber er hatte Glück, nach 37 Minuten kam er wohlbehalten an. Er hatte sein Leben für den Traum vom Fliegen riskiert und hatte Glück. Denn wenn es zu windig wird, kann dieses Flugzeug ohne Seitenleitwerk und Höhenleitwerk nicht mehr fliegen. Mit dem Preisgeld und den nachfolgen Aufträgen konnte er seine Firma retten. 800 Stück wurden von dem Modell gebaut, einige stehen noch in Museen, zwei davon hat Carlson. „Ein Flugzeug ist zum Fliegen da, in einem Museum ist es tot“, sagt er. Eine Stunde kann die Blériot in der Luft bleiben, wenn der Pilot so lange durchhält. Weil der Motor mit 1200 Umdrehungen rotiert, hat er eine offene Schmierung: Das heißt, dem Piloten fliegen in dieser Zeit sechs Liter Öl ins Gesicht. Carlson schmiert seine Maschine mit Rizinusöl statt mit Motorenöl, der Gesundheit willen.

Jetzt steht die Maschine in der Flughalle der Fliegergruppe Wolf Hirth. Unter der Blériot sind Tücher ausgebreitet, das abtropfende Öl bildet schwarze Kleckse darauf. Menschen umringen die Maschine auch noch in der Flughalle, um Fotos zu schießen. Draußen schrauben sich Militärflugzeuge des Zweiten Weltkriegs in den Himmel, eine Spitfire röhrt, eine Messerschmitt 262 kurvt. Die einstigen Gegner sind friedlich vereint bei den Flugvorführungen. Das 18. Fliegertreffen auf der Hahnweide ist mit einer weniger hierarchischen Struktur, einer besseren Aufgabenverteilung und 350 Helfern über die Bühne gegangen. Damit ist es der Fliegergruppe Wolf Hirth gelungen, das größte Oldtimer-Fliegertreffen in Europa zu stemmen. Mit Sicherheit nicht nur, weil das Wetter an allen drei Tagen mitspielte, sondern weil Besucher und Veranstalter diesen uralten Menschheitstraum von Fliegen teilen.

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