Frühfördergruppe auf den Fildern
: Der Rabe Wusel hilft beim Sprechen

Über den Frühförderverbund Filder werden Kinder mit besonderen Bedarfen noch vor dem Schulstart gezielt in einer Kleingruppe unterstützt. Die Treffen finden entweder in Sielmingen oder in Leinfelden statt. Warum sind sie auch für die Eltern wichtig?
Von
Caroline Holowiecki
Stuttgart
Jetzt in der App anhören

Die Sonderpädagoginnen Saskia Scheuer (links, lange Haare) und Teresa Körner leiten die Wuselgruppe und unterstützen die Kinder in Sachen Motorik, Sprachentwicklung oder bei anderen Bedarfen.

/Caroline Holowiecki

Als wäre eine Lawine durch die Tür gerauscht. Die drei Jungs, vier und fünf Jahre alt, stürmen den Raum regelrecht, fangen augenblicklich an, auf dem Boden herumzurutschen, durch den Krabbeltunnel zu kriechen und die improvisierte Rutsche herunterzugleiten. Alles passiert innerhalb von Sekunden – und gleichzeitig. Die nächsten 75 Minuten müssen Saskia Scheuer und Teresa Körner ihre Augen und Ohren überall haben. Denn in der Wuselgruppe, da wuselt es gehörig.

Die Wuselgruppe, kurz für Wahrnehmungs- und Sprachentwicklung, ist eine besondere Frühfördergruppe. Das Angebot richtet sich an etwa drei- bis fünfjährige Kinder mit Förderbedarf, sei es sensorisch, kognitiv, motorisch, beim Lernen oder im Verhalten. Es geht um die Bewegung, um die Sprachentwicklung oder die Konzentration – stets spielerisch. Um das alles zu trainieren, steht ein Raum mit Bausteinen, Gymnastikmatten, Bällen, Spielzeug und mehr zur Verfügung.

Zwei Sonderpädagoginnen leiten die Gruppe

Die Gruppe wird geleitet von den Sonderpädagoginnen Saskia Scheuer aus der Lindach-Förderschule in Stetten und Teresa Körner aus der Pestalozzischule in Sielmingen. Beide Einrichtungen sind sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentren mit Förderschwerpunkt Lernen. Die zwei Expertinnen sind im Frühförderverbund Filder aktiv, der wiederum eng mit diversen Beratungsstellen vernetzt ist und Eltern intensiv begleitet. Getragen wird alles vom staatlichen Schulamt in Nürtingen. Wenn ein Kind also in irgendeiner Weise auffällig ist, können sich die Mütter und Väter melden, und „wir versuchen, mit den Eltern ein Unterstützungssystem aufzubauen“, sagt Teresa Körner. Die Wuselgruppe haben sie und ihre Kollegin aus Stetten sich selbst ausgedacht. „Wir wollten ein konkretes Angebot für Eltern schaffen“, sagt Teresa Körner. „Die wenigen Hilfsangebote sind oft überlaufen“, fügt Saskia Scheuer hinzu.

Der Vorteil bei der Wuselgruppe: Sie ist sehr klein. Maximal sieben Kinder werden hier gleichzeitig gehütet. Das gibt den beiden Leiterinnen die Möglichkeit, sich intensiv auf die Mädchen und Jungen einzulassen und den Eltern gezielt zu berichten. Die Treffen finden mal in Filderstadt, mal in Leinfelden-Echterdingen statt. An diesem Donnerstagnachmittag, dem letzten Treffen vor den Weihnachtsferien, toben die Kinder durch einen Raum der Pestalozzischule. Nach einer Winterpause wird es im Februar im Regenbogenkindergarten in Leinfelden weitergehen.

StZ Kreis Esslingen
Montag - Samstag um 7.00 Uhr
Alles Wichtige aus dem Kreis Esslingen im kompakten Überblick: Von Montag bis Samstag schicken wir Ihnen unseren Newsletter mit den fünf beliebtesten Themen unserer Leserinnen und Leser in Ihr E-Mail-Postfach. So bleiben Sie immer auf dem Laufenden.

Während die Kinder in der Gruppe sind, tauschen sich die Eltern aus

Unterdessen haben es sich im Nebenraum die Eltern der Buben gemütlich gemacht. Ibrahim und Abir, Eheleute aus Syrien, trinken Kaffee und essen Kekse, Maria aus der Ukraine hat sich etwas abseits niedergelassen. Sie paukt auf einen Deutschtest. Auch wenn es heute recht still bleibt im Elternraum: Die Treffen der Erwachsenen gehören explizit zum Konzept der Wuselgruppe. Während die Kinder nebenan singen, spielen oder basteln, können die Eltern sich austauschen. Vielen tut das gut. „Die anderen haben die gleichen Erfahrungen, das ist wichtig“, sagt Ibrahim. Er und seine Frau haben eine regelrechte Odyssee hinter sich. Der eine Sohn hat erst im Alter von vier Jahren begonnen zu sprechen. Warum? Unklar. Untersuchungen im Krankenhaus und beim Kinderarzt, Tests des Gehörs oder des Gehirns blieben laut dem Vater ergebnislos. „Alles war in Ordnung“, sagt er. Marias Sohn hat ebenso Probleme mit der Sprache. „Eltern, die ein Kind mit Förderbedarf haben, fühlen sich oft allein“, sagt Bettina Benzler, die Leiterin der Pestalozzischule.

Während die Erwachsenen erzählen, hat Teresa Körner nebenan ein Glöckchen geläutet. Genug getobt. Die Kinder sollen die Spielsachen aufräumen, denn gleich kommt Wusel zum Einsatz, ein wuscheliger Rabe. Mithilfe der Handpuppe bringt sie die Jungs zum Erzählen. Gemeinsam wird zuvor noch getanzt und gesungen, später holt Saskia Scheuer ein großes Wimmelbuch hervor, anhand dessen die Kinder lachend erzählen – und ganz nebenbei ihre Sprachkenntnisse schulen.

Hilfe für Eltern im Bereich Filder

Zusammenarbeit
Der Frühförderverbund Filder für die Region Filderstadt und Leinfelden-Echterdingen setzt sich zusammen aus der sonderpädagogischen Frühförderung an den sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren mit den Schwerpunkten emotionale und soziale Entwicklung, geistige Entwicklung, körperliche und motorische Entwicklung, Lernen und Sprache sowie der interdisziplinären Frühförderstelle des Landkreises Esslingen mit den Bereichen Ergotherapie, Heilpädagogik, Logopädie, Physiotherapie und Sozialarbeit.

Kontakt
Eltern, die Fragen zum Entwicklungsstand ihres Kindes haben, können sich melden. Für sie gibt es – von der Geburt bis zum Schulbeginn des Kindes kostenfrei – Beratungs- und Förderangebote. Kontakt unter Telefon (07158) 9811825 oder per Mail an fruehfoerderverbund-fi@LRA-ES.de.