Fußball im Fildorado: Nassfröhliches Pokalfinale: So schön ging der VfB Stuttgart baden

Fußball im Fildorado: In Badekleidung war die Fanzugehörigkeit schwer erkennbar.
s BrändliWürden die Bayern eins auf die Leder- oder besser auf die Badehose bekommen? Oder sollte der VfB Stuttgart baden gehen? Im Sport- und Badezentrum Fildorado gab es ein Public Viewing zum DFB-Pokalfinale am Samstagabend. Ohne La Ola. Dafür mit echten Wasserwellen.
Fanschals trug in der Bäderlandschaft natürlich keiner. Es ist ohnehin schwer, bei Menschen in Badekleidung den Lieblingsverein auszumachen. Ein paar Hardcore-Anhänger hatten sich VfB-Trikots übergeworfen. Bayernfans gab es auch. Optisch waren sie nicht zu erkennen. Man musste fragen.

Ein nassfröhliches Public Viewing gab es in Filderstadt.
Foto: Markus BrändliKlaus Siler ist einer. Sein allererstes Fußballspiel als junger Spund, berichtet er, war Bayern München gegen Kaiserslautern. Bayern hatte gewonnen. Natürlich. Was für eine Frage. Aber tritt der Verein nicht manchmal ein wenig arrogant auf? „Wegen der Schlechteren müssen die Guten nicht schlechter werden“, meint er selbstbewusst. „Die Schlechteren sollten besser besser werden.“
Ein VfB-Bayern-Fan kann an diesem Abend gar nicht verlieren
Björn Malig ist auch Bayernfan. Irgendwie. Aber seine Mannschaft der Herzen ist der VfB Stuttgart. Er komme aus dem Osten Deutschlands, aus Brandenburg. Zu Wendezeiten, sagt er, seien die Bayern eben der bekannteste, um nicht zu sagen der einzig bekannte westdeutsche Fußballverein in seiner Heimat gewesen. Das habe ihn geprägt. Nun lebe er aber schon lange in der Region Stuttgart – und das präge eben auch.
Ein VfB-Bayern-Fan. Er kann an jeder Hand für einen anderen Verein die Daumen drücken – und gar nicht verlieren. Er sei Jugendleiter beim SV Bonlanden, sagt er. Sein Verein veranstalte sein internationales Fußballturnier, übernachtet werde teilweise in der benachbarten Sporthalle. Als der VfB ins Pokalfinale gekommen sei, habe es eine Kooperation mit dem Fildorado gegeben – und das Public Viewing sei auf die Beine gestellt worden. Eine gute Idee, meint die 50-jährige Angelika. Zu Hause im heimischen Wohnzimmer wollte sie das Spiel nicht anschauen. Sie sei extra mit Freunden ins Fildorado gekommen: Die könnten sie im Falle einer Niederlage trösten.

Cocktails gab es auch: Der Favorit ist laut dem Serviceteam der Tequila Sunrise.
Foto: Markus BrändliSieg oder Niederlage? Vom Stand mit den Cocktails ist keine der beiden Leinwände, auf denen das Spiel übertragen wird, zu sehen. Für alle Besucher gab es Altersbändchen. Über-18-Jährige bekamen schwarze Armbänder. Was ist ihr Lieblingsdrink? Ein Tequila Sunrise sei der Favorit, sagen mehrere Mitarbeiter der Cocktailbar. Der schmeckt halt nach Sommer, Hitze, Exotik, Ferien, Party, meint Timucin Kul vom Team.
Fußballhymnen als Muntermacher für den VfB Stuttgart
Heiße Drinks für ein heißes Spiel. Leopold schaut es sich nicht an. Vielleicht liegt es daran, dass er eben Beckenbach und nicht Beckenbauer mit Nachnamen heißt. Aber Fußball ist so gar nicht sein Ding. Sein Glück. Als Tontechniker sorgt er dafür, dass der Sound von DJ Baze gut rüberkommt. Arbeiten statt Fußball. Macht ihm nichts aus. Dem DJ schon. Louis, wie er bürgerlich heißt, ist VfB-Fan. Mit einem Auge schiele er vom Plattenteller hin zur Leinwand, und mit Fußballhymnen wolle er seinem Lieblingsverein Beine machen.
Zur Pause sieht es noch gut aus. Unentschieden. 0 : 0. Die Bayern haben den verletzten Manuel Neuer nicht im Tor. Da müsste Stuttgart doch gewinnen, hofft Falko Kopp. Er trägt ein VfB-Trikot und einen seltenen Vornamen. Er sei dem Sänger Falco ewig dankbar, meint er noch: „Er hat meinen Namen bekannt gemacht. Zuvor musste ich ihn immer buchstabieren.“

Plattenteller statt Spiel: DJ Baze sorgte für den heißen Sound bei einem heißen Spiel.
Foto: Markus BrändliBuchstäblich baden geht auch der VfB Stuttgart. 3:0. Lyes Chabane trägt ein T-Shirt des SC Freiburg. Baden und Schwaben stehen auch beim Fußball manchmal in einem gewissen Spannungsverhältnis. Er nicht. Er hat dem VfB die Daumen gedrückt. Warum hat dann das Kind neben ihm ein Bayern-Trikot geschwenkt? Einfache Erklärung. „Das ist nicht meines.“