Kritik an Bezahlregeln: Esslinger Wirt: „Die Anfeindungen muss man aushalten“

Salvatore Marrazzo vor dem „Accanto“.
Markus BrändliEinschüchtern lässt sich Salvatore Marrazzo nicht. Die Ansage, dass in seinem Esslinger Restaurant Rechnungen nur noch dann gesplittet werden dürfen, wenn dies vor der Bestellung angekündigt wird, hält er aufrecht – trotz teils heftiger Kritik und manch rassistischer Anfeindung. Er habe gute Gründe für seine Entscheidung, sagt der Betreiber des italienischen Restaurants Accanto.
Marrazzo ist ein gefragter Gesprächspartner, seit er vor Kurzem ankündigte, Rechnungen bei der Bezahlung nicht mehr aufsplitten zu wollen – sofern dies nicht rechtzeitig angekündigt werde. Nachdem Medien landauf, landab darüber berichtet haben, erreichen den Gastwirt unzählige Nachrichten und zahllose Kommentare in den Sozialen Medien. Nicht alle davon sind positiv.
Rassistische Anfeindungen gegen Esslinger Gastwirt
Neben Kritik an dem Vorstoß selbst, den manche als mangelnden Service bezeichnen, haben Marrazzo auch rassistische Anfeindungen erreicht. „Für viele hier bin ich ja ein Ausländer, dabei komme ich aus Göppingen“, erklärt der Italoschwabe. Kommentare, dass man hier in Deutschland und nicht in Italien sei oder er doch zurück nach Italien gehen könne, wenn es ihm hier nicht gefalle, lässt Marrazzo an sich abprallen. „Die Anfeindungen muss man aushalten“, sagt er. „Meine Entscheidung steht.“
Anlass für die neuen Bezahlregeln in seinem Restaurant seien zwei Vorfälle in jüngster Zeit gewesen, erzählt Marrazzo. An einem Freitagabend, an dem sein Lokal rappelvoll gewesen sei, hätten fünf Gäste an einem Tisch getrennt bezahlen wollen. „Dann ging die Diskussion los, wer wie viel Wein und wie viel Wasser getrunken hat“, so Marrazzo. Sein Kellner sei aus Höflichkeit natürlich am Tisch geblieben, dadurch aber viel zu lange als Servicekraft für die anderen Gäste ausgefallen. Und am Ende seien immer noch ein Wasser und ein Espresso offen gewesen, die keiner der Gäste zahlen wollte.
Unangenehme Situation beim Kassieren in Esslinger Lokal

In der Speisekarte informiert Marrazzo, dass es nicht möglich sei, Rechnungen aufzuteilen.
Foto: Markus BrändliNoch gravierender sei eine Situation einige Tage zuvor gewesen, als eine größere Gruppe ebenfalls getrennt zahlte und dann noch 200 Euro offen waren. „Was machst du in so einem Fall?“, fragt Marrazzo. Denn das sei für alle unangenehm: Für die Gäste, für den Kellner und für ihn als Wirt ebenfalls. Letztlich habe er eine Person aus der Gruppe beiseite genommen und die Sache mit ihr geklärt, aber das habe nach 20 Minuten für das getrennte Kassieren noch einmal mindestens zehn Minuten gekostet – und das bei vollbesetztem Lokal.
Letztlich seien diese Vorfälle der Tropfen gewesen, der das Fass zum Überlaufen brachte. „Bei einer Nachbesprechung an dem Abend haben meine Mitarbeiter gesagt, dass sie diese Diskussionen nicht mehr wollen“, sagt Marrazzo. Sie verlören dadurch viel zu viel Zeit, die ihnen dann fehle, um etwa einen guten Weinservice anzubieten. „Deshalb haben wir gesagt: Jetzt reicht es“, erklärt der Gastwirt.
Anders als es teils kolportiert worden sei, sei das getrennte Bezahlen in seinem Restaurant jetzt keineswegs verboten, betont Marrazzo. „Man kann getrennt zahlen, wenn man es vor der Bestellung ankündigt, das ist kein Problem.“ Denn dann laufe alles geordnet ab und man könne unangenehme Situationen vermeiden. Das sehe offenbar auch der Großteil seiner Gäste so: Sicher 90 Prozent der Reaktionen auf diesen Vorstoß seien positiv, sagt Marrazzo.
