Jahresprogramm der Esslinger Villa Merkel: Kunst für die Sinne und fürs Hirn

Der Galeriechef Sebastian Schmitt zeigt Kunst in interkulturellen Kontexten.
Roberto BulgrinWomit füttert man hungrige Geister? Auf jeden Fall mit Geistesnahrung. Zum Beispiel mit Kunst, die naturgemäß sinnlich ist, gerade damit den Betrachterinnen und Betrachtern aber auch was fürs Hirn gibt. So sättigt die Künstlerin Serena Ferrario die Publikumsgeister mit Zeichnungen, Videos und Objekten, die sie zu Rauminstallationen fügt. „Hungry Ghosts“ heißt sinnigerweise ihre Ausstellung und eröffnet am 1. März die diesjährige Saison der Städtischen Galerie Esslingen in der Villa Merkel. Aber nicht allein.

Gegenwartskunst im historischen Domizil: die Esslinger Villa Merkel.
Foto: Städtische Galerie EsslingenHerkunft, Prägung, Selbstbestimmung: Es geht um Interkulturelles
Auch Serena Ferrario geht es um Interkulturelles. In der Nähe von Mailand geboren, wuchs sie in Deutschland und Italien auf. Ihre Mutter ist Rumänin, ihr Vater Italiener. Persönliche Themen wie Zugehörigkeit, Prägung und Selbstbestimmung verbindet sie mit gesellschaftlichen Befunden. Dabei bedient sie sich in Videos und Soundcollagen dokumentarischer Mittel, die „Lebenswelten jenseits von Klischees einfangen“, heißt es in der Ankündigung: Strände mit Müllbergen, Gespräche mit einer italienischen Freundin, Bilder von religiösen Umzügen ergeben komplexe, oft widersprüchliche Situationsbeschreibungen. Zu sehen sind die Arbeiten vom 1. März bis 9. Juni.
In der ersten vollständig unter seiner Ägide geplanten Saison lässt Schmitt, seit Herbst 2023 als Nachfolger von Andreas Baur im Amt, ab 10. Juli eine Gruppenausstellung folgen. In „(K)eine Pause: Ausruhen im digitalen Zeitalter“ sondieren Künstlerinnen und Künstler die Spannung zwischen Work-Life-Balance, Selbstoptimierung und digitaler Omnipräsenz, stellen aber auch die Relation her zu den an soziale Ränder Gedrängten: zu Menschen auf der Flucht oder in prekären Beschäftigungsverhältnissen. Die Ausstellung dauert bis 5. Oktober.
Vom 24. Oktober bis 23. November präsentieren, wie jedes Jahr, Meisterschülerinnen und -schüler der Stuttgarter Kunstakademie ihre Werke. Vom 9. November bis 25. Januar 2026 werden in zwei Räumen Arbeiten auf Papier von Rolf Nesch gezeigt, dem Oberesslinger Klassiker der Moderne, der 1933 vor den Nazis nach Norwegen floh und 1975 in Oslo starb. Parallel zeigt das Kunstmuseum Stuttgart Druckgrafiken und Reliefs von Nesch. Den Jahresabschluss macht ab 6. Dezember die traditionelle Gastausstellung des Kunstvereins Esslingen, kuratiert von Christian Gögger und diesmal dem 2022 gestorbenen Esslinger Minimal-Artisten Richard Merkle gewidmet (6. Dezember bis 25. Januar 2026).
Auftakt Mit der Doppelausstellung von Serena Ferrario und Ramazan Can beginnt am Samstag, 1. März, um 17 Uhr die neue Ausstellungssaison in der Villa Merkel in Esslingen. Zu sehen ist die von einem Veranstaltungsprogramm begleitete Schau bis 9. Juni.