Kinderbetreuung in L.-E.: Hoffnung in der Kita-Krise

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Stuttgarter ZeitungFür Bürgermeister Carl-Gustav Kalbfell ist diese Botschaft eine sehr gute: Jedes Kind bekommt einen Betreuungsplatz, die Warteliste in Leinfelden-Echterdingen scheint abgebaut zu sein. Die Kita-Krise ist aber auch in dieser Stadt noch nicht ganz vom Tisch. Denn noch immer sind die Öffnungszeiten in einzelnen Kitas verkürzt. Nicht jede Familie bekommt einen Platz zu Öffnungszeiten, welche die Familie eigentlich benötigen würde, um Beruf und Familie gut vereinbaren zu können. „Dass alle Familien einen Platz bekommen haben, war dieses Jahr vorrangig“, schreibt der Bürgermeister dazu unserer Zeitung. „Dennoch werden wir uns weiter anstrengen, die Öffnungszeiten weiter auszudehnen.“
Aber der Reihe nach: Für das im Herbst beginnende Kindergartenjahr kann – Stand jetzt – der Bedarf an Betreuungsplätzen für Kinder unter drei Jahren sowie für Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren voraussichtlich vollständig gedeckt werden. So ist es in dem Papier nachzulesen, das die Stadtverwaltung für den jüngsten Sozialausschuss vorbereitet hatte. Dort wurde die Prognose zur Kinderbetreuung bis in die Jahre 2027/28 vorgestellt. „Es zeigt sich eine deutlich verbesserte Betreuungssituation“, hatte Sabine Baudoux, die zuständige Abteilungsleiterin gesagt. Es gebe aber auch Familien, die noch Wünsche offen haben, sowie einzelne Kitas mit Schräglagen. „Es sei möglich, dass Ganztagesanfragen nur durch Plätze mit reduzierten Öffnungszeiten bedient werden können“, ist nachzulesen. Und auch: „In einzelnen Einrichtungen kann es vorübergehend zu Engpässen kommen.“
Sechs Tage Notbetreuung in einem Monat
Eltern müssen sich auch immer wieder kurzfristig darauf einstellen, ihr Kind früher abzuholen. So hat ein Vater der Elterninitiative KitaströphLE geschrieben: „In diesem Monat hatten wir bereits an sechs Tagen Notbetreuung“. Die städtische Kita hatte an diesen Tagen nur bis 14 Uhr, anstatt bis 16 Uhr geöffnet. „Hätten nicht genügend Eltern freiwillig ihr Kinder komplett Zuhause gelassen, hätte der Kindergarten einzelnen Eltern die Betreuung ganz verweigern müssen.“ Laut Bürgermeister Kalbfell werde in dieser Einrichtung grundsätzlich eine Betreuungszeit bis 16 Uhr angeboten. Nur im Ausnahmefall – beispielsweise einer Kombination von Dauererkrankungen und Krankheitswellen – greife die Stadt auf den Notfallplan zurück.
Eltern, deren Kinder eine kirchliche Einrichtung besuchen, berichten unserer Zeitung von einem ständigen Personalnotstand und stark eingeschränkten Öffnungszeiten. Sie würden so maximal an ihre Belastungsgrenzen stoßen. Schwierig war die Situation seit September vergangenen Jahres im Musberger Emil-Kübler-Kinderhaus, bestätigt Birgit Eißler, pädagogische Leiterin der Kita-Geschäftsstelle des Kirchenbezirks Bernhausen, unserer Zeitung. „Tatsächlich mussten wir im Zuge personeller Veränderungen die Öffnungszeiten der Einrichtung vorübergehend auf 30 Wochenstunden anpassen“, schreibt sie auf Anfrage. Seit Ostern werde – bedingt durch Krankheitsausfälle – der Freitag im Wechselmodell angeboten. Will heißen jede Kindergruppe könne an diesem Tag nur alle zwei Wochen betreut werden. Durch Aufstockung und Einsatz externer Fachkräfte konnte aber zumindest ein zusätzlicher Nachmittag für die Kindergartenkinder sicher gestellt werden, erklärt Birgit Eißler. „Darüber hinaus stellen wir den Eltern die Räumlichkeiten der Kita am Nachmittag für eine elternorganisierte Betreuung zur Verfügung“, sagt sie.
Neues Personal für das Kinderhaus
Inzwischen konnte der Kirchenbezirk als Träger weiteres Personal gewinnen: Vom Juni an werden die beiden Krippengruppen wieder im Umfang von 30 Stunden betreut. Eine neue Vollzeitkraft werde zum September ihren Dienst antreten. Ein Bewerbungsverfahren zur noch vakanten Leitungsstelle laufe. „Sobald diese Position besetzt ist, streben wir an, zu den ursprünglichen Öffnungszeiten mit einer Nachmittagsbetreuung zurückzukehren“, betont Eißler. Sollte dies kurzfristig nicht möglich sein, habe die Stadt eine Übergangslösung in Kooperation mit den Maltesern zur Nachmittagsbetreuung im Emil-Kübler-Kinderhaus zugesichert.
Die Malteser bieten Spielgruppen am Nachmittag an. Der Elternbeirat des städtischen Goldwiesenkinderhauses habe in Abstimmung mit der Kitaleitung und den Eltern angeboten, die dort eigentlich vorgesehene Maltesergruppe umzuwidmen, erklärt Bürgermeister Kalbfell.
Auch durch die Eröffnung neuer Einrichtungen hat sich die Betreuungssituation in Leinfelden-Echterdingen verbessert, informiert die Stadt. Im Leinfelder Neubaugebiet hat die Kita Kleine Schelme der Johanniter ihren Betrieb aufgenommen. Im Stadtteil Stetten sind die Kitas St. Gabriel und Wunderwelt an den Start gegangen. Anfang 2026 soll in Echterdingen am Stangenkreisel die Kita Farbenkreisel eröffnen. Auch in Leinfelden, Oberaichen und Stetten sei ein Ausbau von Betreuungsplätzen vorgesehen.
Entscheidung zur neuen Kita-Gebühr steht an
Öffnungszeiten
Zwei städtische Kindertagesstätten haben laut Bürgermeister Carl-Gustav Kalbfell bis 14 Uhr geöffnet. Bei zwei weiteren Einrichtungen der Stadt sei die Betreuungszeit bis 15 Uhr garantiert. Neun andere städtische Kitas könnten derweil mittlerweile wieder eine Öffnungszeit bis 16 Uhr anbieten, teilt er mit.
Gebühr
Der Gemeinderat von Leinfelden-Echterdingen wird am Dienstag, 27. Mai, von 18 Uhr an im Panoramasaal der Filderhalle tagen. In der Sitzung wird auch über die neue Kita-Gebühr abgestimmt. Es soll künftig eine einheitliche Preisstruktur mit festem Stundensatz für alle Wochenmodelle geben. Bis dato variiert der Stundensatz, je nachdem, wie viele Stunden das Kind pro Woche betreut wird. Familien mit Kleinkindern sollen künftig durchschnittlich 12,7 Prozent mehr bezahlen. Bei den Kindergartenkindern, also allen über drei Jahren, wird die Gebühr durchschnittlich um 7,2 Prozent nach oben gehen.
