Kirchen zu verkaufen: Sparkurs bei der Evangelischen Gemeinde Kirchheim

Die Thomaskirche samt Pfarrhaus und Gemeinderäumen soll den Plänen zufolge aufgegeben werden.
Markus BrändliDie evangelische Gesamtkirchengemeinde Kirchheim will sich in den kommenden Jahren aus baulichen Gründen von einigen Immobilien trennen. Von den 27 Gebäuden im aktuellen Bestand dürfte künftig nur noch etwa die Hälfte benötigt werden.
Dem neuen Immobilienkonzept zufolge – es ist das dritte nach 2012 und 2018 – sollen die Thomaskirche sowie die Matthäuskirche im Stadtteil Lindorf samt den jeweiligen Pfarrhäusern und Gemeinderäumen, das Gemeindehaus Schafhof, das Pfarrhaus Beim Siechenkirchle und das als Jugendhaus genutzte Gebäude Ziegelstraße 35 aufgegeben werden.
Kirche verliert seit Jahren Gemeindemitglieder – und damit Einnahmen
Dieser schmerzhafte Einschnitt sei notwendig, weil sich die Rahmenbedingungen in den vergangenen Jahren drastisch verändert haben, erläutern die beiden Vorsitzenden des Gesamtkirchengemeinderates, Nina Fischer und Dekan Christian Tsalos, in einer Informationsbroschüre. Die evangelische Kirche in Kirchheim verliere durch den demographischen Wandel und durch Austritte seit Jahrzehnten kontinuierlich Mitglieder: Deren Zahl habe sich von 18 870 im Jahr 1969 auf aktuell rund 9500 halbiert – und damit gingen auch die Kirchensteuereinnahmen zurück.
Die evangelische Landeskirche in Württemberg reagiere auf die Entwicklungen „mit harten, aber durchaus realistischen Vorgaben“, heißt es in dem Papier. So wurden Pfarrstellen bereits schrittweise reduziert. Langfristig würden in Kirchheim nur noch drei oder vier Pfarrhäuser benötigt – je nachdem, ob sich der zukünftige Dekanatssitz in Kirchheim oder in Nürtingen befinden werde. Die Zusammenlegung sei bereits beschlossene Sache.
Viele Pfarrhäuser sind in die Jahre gekommen und Sanierungen teuer
Zudem sollen alle Gemeinden bis 2040 klimaneutral unterwegs sein. „Das ist vorrangig eine Gebäudefrage“, heißt es in dem Infoschreiben. Die Immobilien müssen dafür modernen energetischen Anforderungen entsprechen. Doch viele Pfarrhäuser und Gemeindezentren der evangelischen Gesamtkirchengemeinde Kirchheim seien in die Jahre gekommen, größere Investitionen stünden an, die Unterhaltskosten seien hoch.

Auch die Matthäuskirche im Ortsteil Lindorf steht auf der Liste der Immobilien, von denen sich die Gesamtkirchengemeinde trennen will.
Foto: Markus BrändliDie beiden Vorsitzenden betonen: „Gebäude sind wichtig. Sie stiften Identität.“ Zugleich räumen sie ehrlich ein: „Gebäude müssen wir uns leisten können, und zwar langfristig. In den kirchlichen Haushalten müssen aber vor allem auch Mittel für Personal, Gemeindeleben, Projekte da sein. Mit zusätzlichen Vermietungen ist das nicht zu stemmen.“
Historische Kirchengebäude bleiben auf jeden Fall erhalten
Erklärter Wille des Gesamtkirchengemeinderates ist es, dass sich dort, wo Immobilien abgegeben werden, auch weiterhin kirchliche Gruppen vor Ort treffen können. Dann eben in anderen Räumlichkeiten. Angestrebt werden Kooperationen mit der Stadt oder auch mit der katholischen Kirche. Andernorts sollen Gebäude für eine zukünftige, intensivere Nutzung entsprechend umgebaut werden. So soll beispielsweise die Auferstehungskirche zur Jugend- und Eventkirche werden. Erhalten bleiben auf jeden Fall auch die Christuskirche, die Martinskirche, die Johanneskirche und die Friedhofskapelle.
Noch ist das Immobilienkonzept lediglich ein Entwurf, der zur Diskussion steht. Fischer und Tsalos bitten die Gemeindemitglieder, diesen Weg mitzutragen. „Das ist viel verlangt“, räumen sie ein. Aber eben auch notwendig: „Mit dem sprichwörtlichem Kirchturmdenken stünden wir uns nur selbst im Weg.“ Beschlossen werden soll das Gesamtkonzept möglichst noch vor der Kirchenwahl am 30.November dieses Jahres.