Kirchheim im Kreis Esslingen
: Eine Zukunft für das Kommunale Kino? – „Unsere letzte realistische Chance“

Der Verein Kommunales Kino Kirchheim (Kreis Esslingen) will das ehemalige Stadtkino wiederbeleben. Es sei die letzte Chance auf eine Spielstätte, sagt der Vorstand.
Von
Elke Hauptmann
Esslingen
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Das ehemalige Stadtkino in der Kirchheimer Innenstadt steht leer.

Ines Rudel

Filme flimmern im Stadtkino schon seit langem nicht mehr über die Leinwand. Doch nun gibt es konkrete Pläne für eine Wiederbelebung des Lichtspieltheaters durch den Verein Kommunales Kino (Koki) Kirchheim. „Das ist unsere letzte realistische Chance auf eine Spielstätte“, sagt der Vereinsvorsitzende Günter Hörcher in aller Deutlichkeit.

Lange hatten die Kino-Enthusiasten dafür gekämpft, einen Vorführbetrieb im 2023 stillgelegten „Tyroler“ zu etablieren. Das Kino am Postplatz – das letzte von einstmals sechs in der rund 43 000 Einwohner zählenden Großen Kreisstadt verbliebenen – ist laut Hörcher noch komplett eingerichtet und die Technik wäre sofort einsatzbereit. Doch der Traum platzte im Dezember 2024 mit der Absage aus dem Rathaus. Die Stadt hätte zwingend in den Brandschutz investieren müssen. Um die teuren Auflagen zu erfüllen, ist aber kein Geld in der Kasse.

Blick ins Innere des ehemaligen Stadtkinos Kirchheim.

Foto: privat

Stadt Kirchheim ist an einer Nachnutzung des Kinos interessiert

„So rückte das ehemalige Stadtkino in den Fokus“, berichtet Hörcher. „Die Leinwand ist ja noch vorhanden.“ Sonst allerdings nicht mehr viel. Mit der Insolvenz des Betreibers 2007 endete der Vorführbetrieb, seit 2011 wurde das Filmtheater von der Kirchheimer Gastro-Ikone Michael Holz als Eventlocation betrieben. Er starb im vergangenen Februar, seither steht das Gebäude in der Max-Eyth-Straße leer. Es gehört der Stadt. Und die ist laut Hörcher sehr an einer Nachnutzung interessiert – zumindest so lange, bis sich die Pläne für eine Neugestaltung des gesamten Quartiers an der Lauter umsetzen lassen.

Wie das Stadtkino mit neuem Leben gefüllt werden kann, darüber hat sich der 70 Mitglieder zählende Verein viele Gedanken gemacht. „Ursprünglich verfolgten wir die Idee, die Empore mit 50 bis 60 Plätzen für unser Koki umzubauen“, berichtet Hörcher. Das hätte mit etwa 80 000 Euro zu Buche geschlagen. Eine Investition, die die Stadt als Eigentümer des Gebäudes nicht aufbringen kann. Mit Verweis auf die schlechte Kassenlage erteilte sie auch diesen Plänen jüngst eine Abfuhr.

Der Umbau des Kirchheimer Stadtkinos könnte 16 000 Euro kosten

Doch Not macht bekanntlich erfinderisch. Eine neue Idee entstand. „Unser Plan ist jetzt: Wir nutzen den großen Saal des ehemaligen Stadtkinos ohne die Empore“, teilt Hörcher mit. Die Kapazität von einst – immerhin rund 400 Plätze – wäre für ein Kommunales Kino ohnehin überdimensioniert. Ein weiterer Vorteil dieser Lösung sei, dass die marode Außentreppe, die als zweiter Fluchtweg fungiert, nicht saniert werden müsste.

Mit minimalem Aufwand soll das Stadtkino für etwa 90 Zuschauer hergerichtet werden – unter anderem mit den Stühlen und der Vorführtechnik aus den ehemaligen Kinos Tyroler und Central, die man dem einstigen Betreiber abkaufen könnte, so Hörcher. Die Familie Frech stehe dem Verein als Mitglied engagiert zur Seite. Für den Erwerb und den Einbau würden einmalig rund 16 000 Euro benötigt. Zu stemmen wären dann noch die jährlichen Betriebskosten. Und die könnten durch das Heizen im Winter beträchtlich ausfallen, räumt der Koki-Vorstand mit gewisser Sorge ein.

Den Betrieb des Kommunalen Kinos muss der Verein aus eigener Kraft stemmen

Dennoch sind die Vereinsmitglieder fest entschlossen, die Pläne für das Kommunale Kino im Stadtkino voranzutreiben. Bei der Mitgliederversammlung in dieser Woche gab es dafür ein klares Votum. Dabei sind sie sich dessen bewusst, dass sie nicht auf Mittel der Stadt hoffen dürfen. Den Betrieb des Kommunalen Kinos müssen sie aus eigener Kraft finanzieren – mit Eigenleistungen sowie Einnahmen und Spenden.

Das Werbeschild des Kinos hängt noch am Eingang in der Max-Eyth-Straße.

Foto: Ines Rudel

„Die Bereitschaft dazu ist vorhanden“, freut sich Hörcher. Er ist überzeugt: Die bisherige Resonanz spiegle den Wunsch der Kirchheimer und umliegender Gemeinden nach einer cineastischen Begegnungsstätte wider. Auf eine Befragung im vergangenen Jahr hin habe man viele Rückmeldungen von potenziellen Spendern erhalten – die Summe belaufe sich auf „einen höheren vierstelligen Betrag“, so der Vereinsvorsitzende. „Eine finanzielle Unterstützung aus der Bürgerstiftung für unsere Erstanschaffungen würde uns auch sehr helfen.“ Ein Antrag sei bereits gestellt.

Im Idealfall könnten im Kommunalen Kino Ende des Jahres anspruchsvolle Filme gezeigt werden

Freilich: Noch liegt das Geld nicht auf dem Vereinskonto. Und ein weiterer wichtiger Punkt ist offen: „Wir bräuchten unbedingt Mietfreiheit“, sagt Hörcher. Aber er zeigt sich zuversichtlich, denn: „Von städtischer Seite wurde uns signalisiert, dass uns das Stadtkino kostengünstig zur Verfügung gestellt werden könnte.“ Die Verhandlungen darüber finden am 31. Juli statt. „Dann sehen wir weiter.“

Im Idealfall, so Hörcher, könnte der Kinobetrieb vielleicht schon Ende des Jahres starten. „Wir wollen an drei Abenden in der Woche – von Freitag bis Sonntag – zwei anspruchsvolle Filme zeigen, die von unserer Programm-Arbeitsgruppe ausgewählt werden“, erläutert er das Konzept. Zudem seien Kooperationen mit Schulen und Vereinen geplant, die den Saal für ihre Veranstaltungen buchen können.

Das Kinojahr 2024

Spielstätten
Nach Angaben der Filmförderungsanstalt (FFA) gab es im vergangenen Jahr bundesweit 1722 Kinos (2023: 1744) mit 4842 Leinwänden (4901) an 951 Standorten (947). Insgesamt gab es 738 235 Sitzplätze (2023: 748 955). Den 72 Schließungen in 2024 stehen 50 Neu- und Wiedereröffnungen gegenüber. Die Zahl der Kinounternehmen sank um 3 auf 1211.

Ticketverkäufe
Insgesamt wurden laut FFA rund 90 Millionen Kinotickets in Deutschland verkauft. Häuser mit ein bis drei Sälen (insgesamt 1265) gingen mit einem durchschnittlichen Ticketplus von vier Prozent aus dem Jahr. Größere Kinos ab vier Leinwände bilanzierten im Mittel hingegen ein Minus von acht Prozent. Im Schnitt kostete die Kinokarte 9,64 Euro.

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