Kreis Esslingen
: Das Ehrenamt wird zur Ehrensache im Kreis Esslingen

Im Kreis Esslingen wird ein Preis für Ehrenamtler ausgelobt. Zwei Menschen, die sich für diesen Preis engagieren, geben Auskunft, warum sie das tun.
Von
Johannes Maria Fischer
Stuttgart
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Die Stadt Esslingen wie der gesamte Kreis leben auch von ihrer Naturschönheit, die den Menschen vieles gibt. Das Zusammenleben aber funktioniert oftmals nur deshalb so intensiv, weil Menschen sich gegenseitig unterstützen. Das geschieht oft ehrenamtlich.

Roberto Bulgrin

In diesem Jahr wird es wieder Gewinnerinnen und Gewinner eines Ehrenamtspreises im Landkreis Esslingen geben. Ziel: Er soll das Engagement in Gesundheit und Pflege stärken. Ausgeschrieben wird er von unserer Zeitung, gemeinsam mit dem Landkreis, der Stiftung der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen und den benachbarten Tageszeitungen Nürtinger Zeitung und Teckbote.

Im Interview erläutern der Landrat des Kreises Esslingen Marcel Musolf und der Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen Burkhard Wittmacher, ihre Motive, den Ehrenamtspreis zu vergeben.

Im Landkreis Esslingen werden 2026 ehrenamtliche Helfer in Gesundheit und Pflege ausgezeichnet. Warum das Thema Gesundheit?

Marcel Musolf: Vornweg ist es mir wichtig zu betonen, dass jedes Ehrenamt einen gleich hohen Stellenwert hat. Deshalb richten wir den Fokus des Ehrenamtspreises in jeder Runde bewusst neu aus. In diesem Jahr haben wir uns für den Bereich Gesundheit und Pflege entschieden, da das Ehrenamt in diesem Bereich unmittelbar dort ansetzt, wo Menschen leider am verletzlichsten sind und Unterstützung am dringendsten benötigen. In kaum einem anderen Feld zeigt sich so deutlich, wie sehr freiwilliges Engagement Lebensqualität verbessern kann. Ehrenamtliche schenken Zeit, Zuwendung und menschliche Nähe – im Alltag professioneller Versorgung oft nicht leistbar, aber für das Wohlbefinden der Menschen entscheidend.

Gleichzeitig steht das Gesundheits- und Pflegesystem vor großen Herausforderungen: eine alternde Gesellschaft, steigender Unterstützungsbedarf und Fachkräftemangel. Ehrenamtliches Engagement kann diese strukturellen Aufgaben nicht ersetzen, aber es kann sie sinnvoll ergänzen. Besonders wertvoll ist, dass Ehrenamt im Gesundheits- und Pflegebereich Brücken baut – zwischen Generationen, zwischen Menschen mit und ohne Unterstützungsbedarf und zwischen professionellen Diensten sowie der Zivilgesellschaft. Dadurch entsteht ein Miteinander, das nicht nur einzelnen Menschen hilft, sondern den sozialen Zusammenhalt im gesamten Landkreis stärkt.

Die Kreissparkasse stellt 40.000 Euro Preisgeld zur Verfügung. Welche Wirkung versprechen Sie sich von dieser Förderung?

Burkhard Wittmacher: Mit dem Preisgeld in Höhe von 40.000 Euro möchte die Stiftung der Kreissparkasse danke sagen und zugleich Handlungsspielräume eröffnen. Die Preisgelder können helfen, bestehende Initiativen weiterzuentwickeln, neue Angebote aufzubauen, Materialien oder Qualifizierungen zu finanzieren oder ehrenamtliche Strukturen zu stabilisieren. Zugleich senden wir mit dieser Fördersumme ein klares Signal: Dieses Engagement der Ehrenamtlichen ist moralisch wertvoll und gleichzeitig gesellschaftlich so bedeutsam, dass es auch materiell unterstützt wird.

Nach vier Jahren Pause gibt es ein neues Konzept. Können Sie es uns in Kürze erläutern?

Marcel Musolf: Bis zum 21. Juni besteht die Möglichkeit, Vorschläge einzureichen. Die Redaktionen von Esslinger Zeitung, Nürtinger Zeitung und Teckbote wählen aus den Vorschlägen aus ihrem Verbreitungsgebiet jeweils drei Bewerbungen für den Ehrenamtspreis aus. Die insgesamt neun ausgewählten Personen bzw. Gruppen erhalten jeweils 3.000 Euro als Anerkennung und werden zu einem Filmdreh eingeladen. Drei davon werden zusätzlich mit einem Publikumspreis ausgezeichnet – er wird über eine öffentliche Online-Abstimmung ermittelt.

Der Landrat des Kreises Esslingen, Marcel Musolf (links), und Burkhard Wittmacher, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen freuen sich auf Bewerbungen zum Ehrenamtspreis.

Foto: Fotoatelier Ebinger

Die Verleihung der Preise erfolgt im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung unter dem Motto „EhrenSache – Ein Abend für das Ehrenamt“. „EhrenSache“ ist aus dem Wunsch entstanden, das Ehrenamt im Landkreis noch stärker sichtbar zu machen und über den Ehrenamtspreis hinaus zu würdigen. Mit diesem Format schaffen wir einen zusätzlichen Raum, in dem freiwilliges Engagement vorgestellt, gestärkt und weitergedacht wird. Im Laufe der Zeit werden hier weitere Angebote und Formate präsentiert, die das Ehrenamt im Landkreis in all seiner Vielfalt unterstützen und in den Fokus rücken.

Herr Wittmacher, Sie sind Vorstandsvorsitzender eines Finanzinstituts und müssen im wahrsten Sinne des Wortes aufs Geld schauen. Im Ehrenamt spielt Geld eine untergeordnete Rolle – zumindest für die Ehrenamtler, die sich engagieren. Wie verbindet die Kreissparkasse diese beiden Welten?

Burkhard Wittmacher: Der Kreissparkasse geht es dann gut, wenn es den Menschen im Landkreis gut geht. Wir sehen es als zentralen Bestandteil unseres öffentlichen Auftrags, uns gesellschaftlich zu engagieren. So fördern unsere Stiftungen gezielt soziale Initiativen, Vereine und Institutionen, um das Gemeinwohl und den Zusammenhalt zu stärken und eine bessere Lebensqualität für die Menschen vor Ort zu erreichen. Der Ehrenamtspreis ist eines unserer vielen Projekte, das darauf einzahlt.

Soziologen stellen eine fortschreitende gesellschaftliche Ausdifferenzierung fest, einige sprechen gar von Spaltungen. Sehen Sie das auch so und wenn das so ist, könnte das Ehrenamt ein Kitt sein, der die auseinanderstrebenden Teile zusammenhält?

Burkhard Wittmacher: In der Tat, ehrenamtliches Engagement ist ein sozialer Kitt. Es bringt Menschen zusammen, schafft Vertrauen untereinander und stärkt die Widerstandsfähigkeit einer Gesellschaft – gerade auch dann, wenn sie Gefahr läuft, auseinanderzudriften. Jeder einzelne Beitrag kann positive Veränderungen auslösen und bereichert das Leben in unserem Landkreis.

Die Kassen der Kommunen leeren sich, viele Dinge werden die Städte und Gemeinden nicht mehr tun können. Kommt in dieser Situation dem Ehrenamt eine noch größere Bedeutung zu als es sowieso schon hat?

Marcel Musolf: Die finanzielle Lage der Gemeinden, Städte und des Landkreises ist zweifellos mehr als angespannt. Wenn wir in der kommunalen Familie bestimmte Aufgaben schlicht nicht mehr im bisherigen Umfang leisten können, stellt sich generell die Frage, was wir uns als Gesellschaft leisten können und wollen. Welchen Beitrag kann jede und jeder Einzelne für das Gemeinwohl beitragen und sich entsprechend der eigenen Möglichkeiten – egal in welchem gesellschaftlichen Bereich - engagieren?

Gleichzeitig darf das Ehrenamt nicht als Lückenbüßer für staatliche Verantwortung verstanden werden. Öffentliche Daseinsvorsorge bleibt Aufgabe des Staates und seiner Kommunen. Was das Ehrenamt jedoch leisten kann – und schon heute leistet – ist etwas anderes: Es stiftet Gemeinschaft, schafft Nähe, bringt Menschen zusammen und prägt im Übrigen nach meiner Erfahrung für das ganze Leben. Es ergänzt insbesondere im Gesundheits- und Pflegebereich professionelle Strukturen dort, wo menschliche Zuwendung, Zeit und persönliches Engagement den entscheidenden Unterschied machen. Die Bedeutung des Ehrenamts entsteht nicht aus Not heraus, sondern aus der Stärke unserer Zivilgesellschaft. Das Ehrenamt zeigt, wie viel Zusammenhalt in unserem Landkreis steckt – und auf die vielen engagierten Menschen können wir stolz sein.

Gegenseitige Hilfe und die Unterstützung der Schwächeren - Senioren, Kinder, Kranke, Sterbende - gehören zum Menschsein. Die Hilfe kostet Geduld und Energie - und dennoch gibt es immer wieder Menschen, die ehrenamtlich anderen Menschen helfen.

Foto: Oliver Berg/dpa

Für den Preis können sich Ehrenamtliche nicht selbst bewerben, sondern werden von Patinnen oder Paten vorgeschlagen. Warum ist das so?

Marcel Musolf: Der Gedanke dahinter ist einfach: Wer sich engagiert, tut das aus Überzeugung – nicht, um ausgezeichnet zu werden. Durch das Vorschlagsprinzip rücken wir diejenigen in den Mittelpunkt, die oft gar nicht im Rampenlicht stehen wollen, deren Einsatz aber von anderen als besonders wertvoll wahrgenommen wird.

Patinnen und Paten können somit aufzeigen, wie viel Zeit, Herzblut und Verantwortung bestimmte Personen übernehmen. Ein Vorschlag ist deshalb immer auch ein Zeichen der Wertschätzung aus der Gemeinschaft heraus. So stellen wir sicher, dass der Ehrenamtspreis nicht nur Engagement würdigt, sondern auch die Verbundenheit und Anerkennung sichtbar macht, die im Landkreis für unsere Ehrenamtlichen spürbar ist.

Bald ist Einsendeschluss. Das wäre jetzt ein guter Moment, Menschen zu motivieren, jemanden vorzuschlagen. Wie fällt Ihre Motivationsrede aus

Burkhard Wittmacher: Ich würde sagen: Wer in Ihrem Umfeld engagiert sich für Gesundheit und Pflege und macht dadurch unsere Welt ein wenig besser? Wer setzt Zeit und Energie ein, um Lebensqualität, Teilhabe und Würde zu sichern? Nominieren Sie heute diese Menschen für den Ehrenamtspreis – denn sie verdienen Dank und die Gewissheit, dass ihr Wirken unsere Gesellschaft stärkt. Wir alle haben was davon!

Ehrenamtliche im Landkreis Esslingen gesucht: Jetzt Pate werden!

Bewerbungen
Für den Preis können sich Ehrenamtliche nicht selbst bewerben, sondern werden von Patinnen oder Paten aus der Bevölkerung vorgeschlagen. Die Bewerbungsphase endet am 21. Juni 2026. Am 3. November wird es in einem größeren Rahmen die Ehrungen geben. Bewerbungen und weitere Informationen unter www.landkreis-esslingen.de/ehrensache

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