Kreis Esslingen
: Kult-Freibad-Kiosk: Wie Ingrid Eisele das Bädle zu ihrem Zuhause machte

Was als provisorische Übernahme geplant war, wurde zur Lebensaufgabe: Ingrid Eisele betreibt seit 20 Jahren den Kiosk im Neuhausener Freibad.
Von
Elisabeth Maier
Stuttgart
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Ihren Kiosk im Freibad Neuhausen betreibt Ingrid Eisele mit viel Liebe. Seit 20 Jahren verwöhnt sie Jung und Alt mit Süßigkeiten, Pommes und sommerlichen Cocktails.

Markus Brändli

Delfin oder Kirsche - das ist am Kiosk des Freibads in Neuhausen oft die Frage. „Die Kinder haben heute die Qual der Wahl“, sagt Ingrid Eisele lachend. Schon bei Fruchtgummis seien die Kleinen wählerisch. Bei ihrem Vater, dem das Bädle in der Entenstraße früher gehörte, sei das anders gewesen. Da gab es nur wenig zum Naschen, etwa Schaumwaffeln oder Lakritze. Seit 20 Jahren betreibt die Neuhausenerin den Kiosk in einer Holzhütte in dem kleinen Freibad mitten im Ortskern.

Anfangs habe sie den Kiosk „nur provisorisch übernehmen wollen“, nachdem ihre Familie das Bad an die Gemeinde Neuhausen verkauft hatte. Dass jetzt 20 Jahre daraus geworden sind, freut die engagierte Betreiberin. Gedacht habe sie das allerdings nicht, sagt sie. Neben Freibad-Klassikern wie Eis, Pommes mit Ketchup und Mayo und Schlecksachen hat sie für ihre Gäste immer wieder Überraschungen parat. Ingrid Eisele, die mit ihren vielen guten Ideen die Fasnet in der Fildergemeinde mit geprägt hat, hat ein Händchen für Genuss.

Ihre neueste Kreation ist ein Spritz mit Grapefruit und Prosecco. Das hat die lebenslustige Frau bei einem ihrer Ausflüge in Stuttgart entdeckt. Leicht abgewandelt, ist die Kreation jetzt neben dem Klassiker Aperol Spritz zu haben. Mit KI hat die digitalaffine Kioskbetreiberin Plakate gemacht, die auf das neue Angebot hinwiesen. „Das geht heute total einfach“, findet Eisele. Der Holzverschlag ihres Kiosks ist voll von bunten Plakaten. Auch Kinderzeichnungen gibt es da zu entdecken. Ihre Familie unterstützt sie bei der Arbeit im Kiosk, die gerade an heißen Tagen ganz schön anstrengend sein kann.

Bademützen waren mal Pflicht: Das Schild hat Ingrid Eisele als KInd für ihren Vater, den Bademeister Josef Eisele, selbst beschriftet. Es hängt bis heute im Bädle aus dem Jahr 1928.

Foto: Markus Brändli

Ingrid Eisele kennt die meisten Badegäste mit Namen, nimmt sich Zeit für einen Plausch. Wenn die Kinder mal über die Stränge schlagen, greift sie auch da ein und bringt sie mit ihrer resoluten Art zur Vernunft. Wenn es ein Problem gibt, spürt die erfahrene Mutter das schnell. „Dann reden wir drüber“, sagt sie. Und schon ist der Konflikt gelöst. Ihr Vater habe als Bademeister „ganz schön durchgegriffen“, erinnert sie sich.

Bei den Bademützen kannte der Bademeister kein Pardon

Das fing schon mit der Pflicht an, Badekappen zu tragen. „Als Kind musste ich ein Schild malen, das auf die Badekappen-Pflicht hinweist“, erinnert sie sich: „Ob Frau, ob Mann - Haare lang - Bademützenzwang.“ Über den abenteuerlichen Reim schmunzelt sie heute. In dem Bad aus dem Jahr 1928 sind viele Erinnerungsstücke zu finden. Gerade ältere Gäste denken gern an die früheren Jahrzehnte zurück.

Im Sommer an den Tischchen im Freibad zu sitzen und einen Sundowner zu genießen, das findet die Chefin des Kiosks auch selbst wunderschön. Auf Vorbestellung gibt es im Freibadkiosk auch ein Frühstück. Mit Brötchen, Ei, Gemüse und Obst lässt sich Eisele für ihre Gäste da immer wieder etwas einfallen. Die Tische neben dem Schwimmbecken sind liebevoll eindeckt. „Wir haben hier viele Stammgäste.“ Die genießen es, an warmen Tagen neben dem Schwimmbecken zu frühstücken und sich über dies und das auszutauschen.

„Wenn es mit Kindern im Freibad ein Problem gibt, reden wir drüber. Und schon ist der Konflikt gelöst.“

Ingrid Eisele, Kioskpächterin in Neuhausen

Sonntags bietet die leidenschaftliche Köchin immer mal wieder ein Essen an. Mal gibt es selbstgemachte Maultaschen, mal Lasagne. Auch da müssen die Gäste vorbestellen. „Jeden Tag würde das unseren Rahmen sprengen“, sagt die Gastronomin, die mit Aushilfen und Familienmitgliedern arbeitet. Selbst an Hitzetagen ist es unter den Bäumen im Bädle schön schattig. Dass das Schwimmbad mit der großen Liegewiese mitten im Ort liegt, ist kaum zu glauben.

Einige Stammgäste kommen aus Stuttgarter Stadtteilen

Einige der treuen Badegäste kommen sogar aus den Stuttgarter Stadtteilen. Angelika Kuhrmann schätzt „die entspannte Atmosphäre“. Das sei ganz anders als in den großen Stuttgarter Bädern. Mit Barbara Schmidt trinkt sie vor dem Schwimmen gerne noch einen Kaffee. „Obwohl das Bad nicht so modern ist wie andere, kommen wir gerne her.“ Viele der Gäste bleiben den ganzen Tag. Sibylle Bengel kommt aus Riedenberg ins Neuhausener Bädle, „weil die Atmosphäre einfach so besonders ist.“

Für Dekoration hat Ingrid Eisele ein feines Händchen. Ihr Kiosk am Beckenrand ist ein kleines Schmuckstück.

Foto: Markus Brändli

Dass die Gemeinde Neuhausen das Freibad ihrer Familie weiter betreibt, freut Ingrid Eisele. „Wir hießen früher immer ‚die Bademeisters'.“ Für eine Kommune sei das natürlich ein finanzieller Kraftakt. Trotz des beträchtlichen Abmangels machten es die Kommunalpolitiker immer wieder möglich, das Schwimmbad weiter zu finanzieren. Tatkräftig hilft da auch der Förderverein. Große Sanierungsarbeiten sind angesichts des knappen Etats allerdings nicht drin. Das stört die Badegäste offenbar wenig. Wenn es an heißen Tagen besonders voll ist in den Becken, finden sie im Schatten der Bäume Platz.

Ihr 20-jähriges Jubiläum feiert Ingrid Eisele am Sonntag, 5. Juli, von 15 bis 20 Uhr mit einem besonderen Event. Da ist nachmittags das sogenannte Kneipensingen angesagt. Schon jetzt freut sich die Pächterin des Kiosks darauf, viele bekannte Gesichter im Bädle zu begrüßen. „Mitsingen ist ein Muss“, sagt Eisele und lacht. Dazu verspricht die jung gebliebene Pächterin eine Pool-Party.

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