Kunstbiennale in Wendlingen
: Wenn Explosionsrammen auf freundliche Einhörner treffen

Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt: Bei der Biennale des Köngener Künstlerkollektivs Haklebunt zeigen rund 50 lokale Künstlerinnen und Künstler ihre Werke.
Von
Kerstin Dannath
Stuttgart
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Viele Künstler nutzten die Möglichkeit, ihre Werke zu zeigen.

kd

Delmag-Explosionsrammen, ein summender Wald aus teils menschlichen Bäumen, Bands wie „Die Nachbarn“ oder „Astra van Nelle und der Lorbeerstorch“ und ganz viel Kunst – vermutlich zum 20. Mal stellte das Köngener Künstlerkollektiv Haklebunt seine alle zwei Jahre stattfindende Schau auf die Beine. Wann es eigentlich mit den zweitägigen Ausstellungsveranstaltungen begonnen hat, bleibt indes ein Rätsel. „Genaueres weiß man nämlich nicht“, schmunzelt Organisator Jochen Maier. Ist aber auch nicht wichtig, denn geschaut wird in die Zukunft – wenn es geht, positiv.

Im „Raum der Zuversicht“ kann Frieden getankt werden

So auch das Motto des diesjährigen Kunst-Happenings: „Tja, bleiben Sie zuversichtlich!“ – ausklamüsert in einem längeren Sit-in im Frühjahr in Maiers Landschaftsgärtnerei mit reichlich Hirnschmalz und einigen kalten Getränken. „Damals sah alles ziemlich düster aus angesichts der politischen Lage mit den ganzen Kriegen und dem Trump’schen Gehabe in den USA“, erklärt Maier – was dem Mitbegründer des Köngener „Vereins gegen unterdrückte Lebensfreude“ und seinen Mitstreitern ordentlich gegen den Strich ging. Das Ergebnis: Im friedlichen Get-together von Künstlern und Freunden im Atelier 32 in der Wertstraße am Wochenende konnte nun etwa im mit freundlichen Einhörnern, Faultieren und sinnstiftenden Zitaten dekorierten „Raum der Zuversicht“ Frieden getankt werden, und auch die Einreichungen des traditionellen Malwettbewerbs „Um den goldenen Pinsel“ drehten sich ums Thema. Daneben nutzen wie immer rund 50 lokale und regionale Künstlerinnen und Künstler die Möglichkeit, ihre Werke zu zeigen – zu sehen waren neben Malerei, Collagen und Zeichnungen auch die schrillen per Kettensäge geschnitzten Holzskulpturen von Andrea Halm, die vor zwei Jahren auch bei der Biennale in Venedig ausgestellt waren.

Im Mittelpunkt standen aber natürlich die „Litops“ genannten Steinskulpturen, die von Maier, Friederike Nordmann und Daniel Dammenmüller geschaffen werden. Mit viel Einfallsreichtum: Da wird ein Stück zerknüllter Maschendrahtzaun kurzerhand zur flotten Haartolle – gekrönt mit frischem Efeu, ausgemusterte Plastikteile werden Ohren und Augen, Metallstangen Arme und Beine. Dazu ein ausgemusterter Tretroller und fertig ist ein freundlicher Steingeselle, der fröhlich vom Hof grüßt. Materialsorgen hat das Künstlertrio keine – Maier stößt als Landschaftsgärtner immer wieder auf riesige Steine oder Metallteile, die nicht mehr gebraucht werden. „Dazu bringen immer öfter Leute Sachen vorbei – etwa alte Fahrräder oder Töpfe“, sagt Maier. Auch an der nötigen Kreativität, die Dinge zu verarbeiten, mangelt es Maier und Co. nicht – eher an Aufstellmöglichkeiten: „Wir haben sogar noch einen kompletten Kreisverkehr in petto“, sagt Maier mit Blick auf ein Haklebunt-Werk bestehend aus ein paar schrägen Vögeln, das seit Jahren einen Köngener Kreisverkehr ziert. Der Name der neuen Installation steht übrigens auch schon: „Gegenverkehr“ soll das aus allerlei fahrenden Objekten bestehende Werk heißen. Man habe schon bei der Gemeinde Köngen nachgefragt, ob sie ein Plätzchen für das Kunstwerk zu Verfügung stellen würde: „Leider kam bislang keine Rückmeldung aus dem Rathaus“, bedauert Maier. Aber das wird ja vielleicht noch: „Da müssen wir eben noch mal nachhaken“ – praktisch frei nach dem Motto „Tja, bleiben Sie zuversichtlich!“

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