Müllprobleme im Kreis Esslingen
: Müllsammler aus Esslingen sammelt 100 000 Zigarettenstummel pro Jahr

Der Umweltschützer Sven Teufel aus Aichwald sammelt pro Jahr bis zu 100 000 Zigarettenstummel auf. Eine Firma recycelt den gefährlichen Abfall.
Von
Elisabeth Maier
Esslingen

Sven Teufel sammelt Kippen im großen Behälter. Mit Aufklebern wird über die schädlichen Folgen dieses Mülls informiert.

Markus Brändli

Die Veranstaltung Flammenden Sterne im Scharnhauser Park ist ein international beachtetes Feuerwerksfestival und begeistert Tausende. Danach heißt es aufräumen. Mehr als 200 Zigarettenkippen sammelte Anwohner Florian Fricke ein – und das, obwohl die Veranstalter den Platz bereits geräumt und den Müll entsorgt hatten. „Am besten ist es, wenn solcher Müll erst gar nicht entsteht“, findet Sven Teufel, der in Aichwald das Bildungszentrum ZuZule leitet. Besonders ärgerlich sei es aber, wenn die achtlos entsorgten Kippen mit der Zeit im Boden festgetreten werden.

Kippen unter Grasbüscheln oder in der Erde zu finden, ist überhaupt manchmal gar nicht leicht. Fricke hätte sich gewünscht, dass die Veranstalter den Platz so aufräumen, dass der Platz ganz sauber ist. Dass Zigarettenstummel im Stadtraum ein großes Problem sind, gibt Umweltaktivist Sven Teufel zu bedenken. „Wir müssen die Raucherinnen und Raucher dazu bewegen, dass sie ihre Kippen einsammeln und dann selbst entsorgen.“ In seinem Umweltzentrum ZuZule in Schanbach – der Begriff steht für „Zusammen Zukunft leben“ – informieren Teufel und seine Frau Cornelia Mangold über Möglichkeiten, wie man die Kippen umweltfreundlich beseitigen und wieder in den Wertstoffkreislauf zurückführen kann.

Kippen vergiften das Grundwasser

In den Räumen mit einem Second-Hand-Laden in der Aichschießer Straße 2 steht ein großer, durchsichtiger Eimer. „Das ist für Veranstaltungen gedacht.“ Auf dem Zylinder sind Informationen nachzulesen, welchen Schaden Kippen in der Umwelt anrichten. „Ein weggeworfener Zigarettenstummel kann vierzig Liter Wasser vergiften“, sagt Cornelia Mangold. Daneben liegen Taschenaschenbecher. Von der Plastikdose bis zum länglichen Behälter, der an ein Reagenzglas erinnert, ist die Vielfalt groß.

Schlimm findet es Mangold, wenn Menschen auf Spielplätzen rauchen. Denn wenn Kleinkinder am Tabak kauen, kann das tödlich enden. Auch für Haustiere sind die Stummel gefährlich. Nikotin ist ein starkes Nervengift.„Es geht darum, Raucher zu sensibilisieren und auf diese Gefahren aufmerksam zu machen“, sagt Sven Teufel. Bei den Nachhaltigkeitscoachings, die er mit seiner Frau in Schulen und bei Firmen gibt, ist die Entsorgung von Kippen daher ein großes Thema. Das Ehepaar sammelt rund 100 000 Kippen im Jahr auf.

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Mehr als 500 Kippen sind in dem Eimer gesammelt.

Foto: Markus Brändli

Dass diese oft achtlos weggeworfen werden, liegt nach Teufels Ansicht auch daran, „dass die Raucher keine Möglichkeit haben, sie richtig zu entsorgen.“ In ihrem Wohnort auf dem Schurwald sucht das Paar deshalb Paten, die leere Tetrapacks an Bushaltestellen aufhängen. „Da kann man die Stummel hineinwerfen“, sagt Cornelia Mangold. Die engagierten Menschen können die Kippen dann ins ZuZule bringen.

Fehlten bei den Flammenden Sternen Aschenbecher?

Das Problem fehlender Aschenbecher sieht Teufel auch bei Großveranstaltungen wie den Flammenden Sternen. Dass die Veranstalter von der MCE Ideenschmiede Taschenaschenbecher angeboten haben, sei „ein guter Anfang“. Allerdings geht das Teufel nicht weit genug. „Die muss man offensiv bewerben.“ Auch die Schutzgebühr von zwei Euro könnte manche Raucher abgeschreckt haben. An den Getränkeständen waren die Taschenascher zwar zu haben, allerdings kam die Werbung dafür bei vielen Gästen offenbar nicht an.

Beim Stuttgarter Lichterfestival Mitte Juli der Stadtwerke auf dem Killesberg mit rund 25 000 Besuchern wurden Taschenaschenbecher am Infostand gegenüber dem Tal der Rosen kostenlos ausgegeben. Damit habe man gute Erfahrungen gemacht, sagt Stefanie Hirrle, die Pressesprecherin des Veranstalters. Um den Höhenpark sauber zu halten, entwickeln die Veranstalter ihr Nachhaltigkeitskonzept seit Jahren konsequent weiter.

Conny Mangold und Sven Teufel machen Werbung fürs Sammeln von Kippen.

Foto: Markus Brändli

Wenn Sven Teufel spazieren geht, sammelt er Zigarettenstummel ein. Das hat der Familienvater auch im Urlaub gemacht. Zwar werfen viele den lästigen Müll einfach weg. „Aber Kippen sind ein wertvoller Rohstoff“, ist der Umweltschützer überzeugt. Er arbeitet mit der Firma Toba Circle zusammen, die ihren Sitz in Bietigheim-Bissingen hat.

Firma recycelt weggeworfene Kippen

Das Unternehmen vertreibt wetterfeste Sammelbehälter für ausgerauchte Zigaretten, die im öffentlichen Raum für Sauberkeit sorgen sollen. Aber auch kleine Taschenascher hat das Unternehmen im Angebot. „Wenn Raucher diese Alternative angeboten bekommen, denken sie leichter um“, ist Teufel überzeugt. Toba Circle verwertet die Kippen dann weiter und stellt aus den Bestandteilen zum Beispiel Kunststoffprodukte her.

Bei großen Events sieht Sven Teufel die Veranstalter in der Pflicht, Behälter für die Entsorgung bereit zu halten. Aber auch im öffentlichen Raum sollten die Kommunen Anreize schaffen. „Dann landen die Kippen erst gar nicht auf der grünen Wiese.“

Aktionen gegen das Müllproblem

Putzaktionen
Die Aichwald-Putzete findet am Samstag, 13. September, im Stadtgebiet Aichwald statt. Um 10 Uhr begrüßt Bürgermeister Andreas Jarolim die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Dann werden die Putzutensilien ausgegeben. Danach schwärmen die Müllsammler in alle Ortsteile aus. Um 12.30 Uhr ist der gemütliche Ausklang mit Brezeln und Getränken am Rathaus in Schanbach geplant. Am Sonntag, 21. September, findet in Esslingen der World-Cleanup-Day statt. Treffpunkt ist in der Maille. Beide Aktionen organisieren Sven Teufel und Conny Mangold. Anmeldung: ZuZule@mail.de

Information
Das Bildungszentrum ZuZule in Schanbach bietet Veranstaltungen rund um das Thema Umweltschutz und Nachhaltigkeit an. Außerdem veranstalten Teufel und Mangold Schulungen, Events und Projekttage für Firmen, Schulen und Kindergärten.