Nach den Querelen vom Vorjahr
: Ehrenamtsabend auf der Esslinger Burg ist wieder gesetzt

Es ist guter Brauch, dass die Stadt Esslingen Ehrenamtler ins Kino auf der Burg einlädt. 2024 hatte die Stadt eine Ausnahme gemacht und sich Ärger eingehandelt.
Von
Alexander Maier
Esslingen
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Für viele Esslingerinnen und Esslinger ist der Ehrenamtsabend im Kino auf der Burg ein Zeichen der Anerkennung.

Horst Rudel

Die Esslinger Burg wird vom 31. Juli bis zum 9. August wieder zum Filmpalast unterm Sternenzelt – möglich macht es das Open-Air-Filmfestival des Kommunalen Kinos.

Eigentlich geht es schon einen Tag früher auf Esslingens Höhen los, wenn die Stadt am 30. Juli ehrenamtlich Engagierte zu einer exklusiven Vorstellung ins Kino auf der Burg einlädt. Seit vielen Jahren erweist die Stadt jedes Jahr zur Sommerzeit all jenen die Ehre, die sich übers Jahr uneigennützig in Esslingen für andere Menschen einsetzen. Die Dissonanzen des vergangenen Jahres sind allerdings bei vielen Ehrenamtlern noch nicht ganz vergessen. Um ihren Haushalt zu entlasten, hatte die Stadt Esslingen 2024 den Ehrenamtsabend kurzerhand gestrichen. Erst als sich viel Unverständnis und lautstarker Protest regten, hatte der Oberbürgermeister eingelenkt. Diesmal soll es keine Misstöne geben.

Klar ist schon jetzt, dass sich ehrenamtlich Engagierte am Mittwoch, 30. Juli, auf den Film „Der Buchspazierer“ freuen dürfen. Carsten Henns gleichnamiger Roman, der im Handumdrehen zum Bestseller wurde und die Vorlage für Ngo The Chaus Verfilmung lieferte, erzählt die Geschichte des alten Buchhändlers Carl Kollhoff (Christoph Maria Herbst). Tag für Tag steht er im Hinterzimmer eines Buchladens und packt sorgfältig Bücher in Papier ein, um sie zu den Stammkunden zu bringen.

Ein Kino-Hit fürs Esslinger Ehrenamt

Christoph Maria Herbst zeigt sich in „Der Buchspazierer“ von einer etwas anderen Seite.

Foto: Studiocanal/Wolfgang Ennenbach

Bücher sind das größte Glück des wortkargen alten Mannes, der ansonsten jeglichen Kontakt zu anderen Menschen scheut. Auf einem seiner Rundgänge heftet sich unversehens die neunjährige Schascha (Yuna Bennett) an seine Fersen. Widerwillig lässt sich Carl auf das kesse Mädchen ein, das ihn fortan auf seinen Botengängen begleitet – für sie ist er der „Buchspazierer“. Schnell gewinnt Schascha auch die Herzen von Carls treuen Stammkunden und wirbelt nicht nur deren Leben gehörig durcheinander, sondern bringt auch Carl dazu, aus seiner eigenen Welt auszubrechen und sich zu öffnen ...

Exklusives Kino auf der Burg für Ehrenamtliche aus Esslingen

Dass „Der Buchspazierer“ ausdrücklich nur für ehrenamtlich Engagierte gezeigt wird und im Programm des Kinos auf der Burg kein weiteres Mal zu sehen sein wird, macht die Veranstaltung noch exklusiver. Ende der kommenden Woche wird die Stadt an ehrenamtlich Engagierte Einladungen verschicken und ihnen zugleich einen Link für die Kartenbestellung via Internet zukommen lassen. Wer dabei sein möchte, muss sich anmelden – einfach kommen und dabei sein, kann man nicht.

Ärger vom Vorjahr ist nicht vergessen

An der Cinebar können die Ehrenamtler mit einem kühlen Drink anstoßen.

Foto: Horst Rudel

Seit 2001 ist es guter Brauch, dass der Oberbürgermeister ehrenamtlich Engagierte zu einem gemeinsamen Kinoabend auf die Burg einlädt. Doch im vergangenen Jahr ließ die Stadt Vereine und Organisationen wissen: „Wirtschaftliche und organisatorische Gründe haben nun leider dazu geführt, dass wir den Ehrenamtsabend in der bisherigen Form nicht weiterführen können.“ Als Beitrag zur Haushaltskonsolidierung hatte das Büro des Oberbürgermeisters vorgeschlagen, 12 600 Euro durch die Streichung des Zuschusses für den Ehrenamtsabend einzusparen. Von einem Verzicht auf die Veranstaltung war zunächst nicht die Rede gewesen. Vielmehr wollte die Stadt den Ehrenamtsabend zunächst über Sponsoren finanzieren lassen. Doch plötzlich hieß es im Rathaus, dass statt einer exklusiven Großveranstaltung nur noch 30 mal zwei Freikarten unter Engagierten verlost werden sollten.

Erst nach einem Sturm der Entrüstung hatte die Stadt damals eingelenkt. Ein Ehrenamtsabend ließ sich damals auf die Schnelle nicht mehr stemmen, doch immerhin stellte die Stadt 2000 Freikarten für die erste Vorstellung des Festivals bereit. „Wir waren falsch unterwegs“, bat OB Matthias Klopfer damals um Nachsicht und versprach: „Solange ich Oberbürgermeister bin, wird das Geld für den Ehrenamtsabend in Zukunft immer im Haushalt stehen.“ Am 30. Juni möchte die Stadtverwaltung Wort halten.

Infos zum Kino auf der Burg

Auftakt
 Einen Tag nach dem Ehrenamtsabend steigt am Donnerstag, 31. Juli, der offizielle Festival-Auftakt mit Peter Cattaneos Film „Der Pinguin meines Lebens“. Die Geschichte spielt 1976 in Buenos Aires, wo der englische Lehrer Tom Michell inmitten politischer Unruhen auf einen verletzten Pinguin trifft, den er „Juan Salvador“ nennt.

Publikum
Bis zu 3000 Gäste können jeden Abend das Esslinger Freiluftkino genießen – auf bequemen Hochlehnern oder auf der Wiese liegend. Vor jeder Vorstellung gibt es Livemusik passend zum jeweiligen Film.

Tickets
 Eintrittskarten für das Kino auf der Burg kosten 13,50 Euro, ermäßigt 10,50 Euro. Der Vorverkauf beginnt am 1. Juli – Tickets gibt es im Internet bei Kinoheld, bei Provinzbuch in der Küferstraße und (solange der Vorrat reicht) an der Abendkasse.

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