Prävention im Kreis Esslingen: Organisation warnt: Mehr Menschen sterben durch Suizid – die meisten sind Männer

Depressionen und tiefe Traurigkeit können Anzeichen für eine Lebenskrise sein.
dpaMehr als 10 000 Menschen in Deutschland sterben jedes Jahr an Suizid – etwa drei Viertel von ihnen sind Männer. Das teilt der Arbeitskreis Leben Nürtingen-Kirchheim (AKL) mit, der Unterstützung in Lebenskrisen anbietet. Laut dem Verein sterben auch im Kreis Esslingen deutlich mehr Männer durch Suizid als Frauen. Deshalb habe man zuletzt den Fokus bei Aufklärung und Prävention verstärkt auf die Hochrisikogruppe der Männer gelegt. Am Welttag der Suizidprävention am Mittwoch, 10. September, beteiligt sich der Arbeitskreis mit einer Aktion in Plochingen an einer landesweiten Kampagne.
So sollen am Mittwoch von 10 bis 14 Uhr am Fischbrunnen in Plochingen so viele T-Shirts ausgelegt werden wie es Suizide im vergangenen Jahr im Landkreis Esslingen gab. Analoge Aktionen sind von anderen Arbeitskreisen unter dem Dach der Landesarbeitsgemeinschaft der Arbeitskreise Leben in Stuttgart, Böblingen, Tübingen und Heilbronn geplant. Damit will man anschaulich darstellen, wie groß die Betroffenheit auch vor Ort ist – schließlich seien bei jedem Suizid nicht nur direkte Angehörige und Freunde betroffen, sondern auch Kolleginnen, Lehrer oder andere Menschen im Umfeld, heißt es vom AKL. Damit reihe sich die Landesarbeitsgemeinschaft nach eigenen Angaben in eine Reihe von Veranstaltungen bundesweit zum Welttag der Suizidprävention ein.
Zahl der Suizide steigt auch im Kreis Esslingen
Seit mehreren Jahren sei wieder ein Anstieg der Zahl der Suizide zu verzeichnen, teilt der AKL mit – zuvor seien die Zahlen von rund 18 000 Suiziden in den 1980er Jahren auf etwa 9000 im Jahr 2019 gesunken. In Anbetracht dieser Entwicklung sei Suizidprävention so wichtig wie seit Langem nicht mehr: „In Deutschland sterben im Jahr mehr Menschen durch Suizid als durch Verkehrsunfälle, Drogen, Mord und HIV zusammen“, so Lena Schmidt vom AKL Nürtingen-Kirchheim. Suizidalität stelle bei den Zehn- bis 25-Jährigen die häufigste Todesursache dar, auch die Generation 60 plus sei eine der Hochrisikogruppen: Mehr als 50 Prozent der Suizide würden von Menschen über 60 Jahren begangen.
Im Kreis Esslingen verstarben laut AKL Nürtingen-Kirchheim im Jahr 2023 insgesamt 54 Personen durch einen Suizid, 2024 waren es 58 Menschen – das entspreche einem Anstieg von sieben Prozent. Auch im Kreis Esslingen sterben deutlich häufiger Männer durch einen Suizid als Frauen: Von den 58 Personen, die im vergangenen Jahr Suizid begingen, waren 39 Männer. Der Unterschied zwischen Männern und Frauen sei historisch sehr konstant und könne weltweit beobachtet werden, heißt es vom AKL.
Mehr Männer als Frauen sterben im Kreis Esslingen durch Suizid
Doch obwohl Männer deutlich häufiger durch einen Suizid sterben als Frauen, nähmen sie seltener Hilfsangebote in Anspruch nehmen und würden auch seltener als gefährdet erkannt, teilt der AKL mit. So kämen etwa 65 Prozent der Anfragen beim AKL Nürtingen-Kirchheim von Frauen und nur rund 35 Prozent von Männern. Im Jahr 2024 standen bei den Beratungen im Kreis Esslingen als Belastungsfelder vor allem die zwischenmenschlichen Beziehungen in der Familie und im nahen Umfeld im Vordergrund, aber auch das Thema psychische Belastungen und Erkrankungen nahm einen hohen Stellenwert ein.
Der Arbeitskreis Leben Nürtingen-Kirchheim engagiert sich nach eigenen Angaben seit 1983 im Landkreis Esslingen für Menschen in Lebenskrisen und bei Suizidalität, ebenso für deren Angehörige und andere Personen in ihrem Umfeld. Er ist einer von insgesamt acht AKL-Vereinen in Baden-Württemberg.