Prozess im Kreis Esslingen: Sprachlehrerin erwürgt – War Eifersucht das Motiv?

Vor dem Landgericht hat der Mordprozess gegen einen 38-Jährigen begonnen. Er soll eine Lehrerin getötet haben.
Bernd Weißbrod/dpaSie wollte ihr selbstbestimmtes Leben nicht aufgeben – das hat eine Frau aus Nürtingen wohl mit dem Leben bezahlt. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart macht den 38-jährigen Schüler für den gewaltsamen Tod der Lehrerin verantwortlich. Seit Donnerstag steht der aus dem Iran stammende Mann wegen Mordes vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts. Laut Anklage soll er am späten Abend des 19. Oktobers 2024 die 66-Jährige in ihrer Wohnung aus Eifersucht mit beiden Händen erwürgt haben. Der Angeklagte habe die Tat aus „niedrigen Beweggründen“ begangen, so Staatsanwalt Christian Wanjelik. Als sich die Frau wehrte, soll er ihr außerdem in die linke Wange und in den Unterarm gebissen haben.
Der Prozessauftakt fand unter großem Medieninteresse statt. Der nervös wirkende Angeklagte, der mit Handschellen und in komplett blauer Anstaltskleidung in den Gerichtssaal geführt wurde, äußerte sich nicht. Über seinen Anwalt ließ er jedoch mitteilen, dass er an einem der nächsten Termine Angaben zu seiner Person und zu den Tatvorwürfen machen werde. Der Prozess wird am 10. Juli fortgesetzt.
Angeklagter soll die Leiche in den Neckar bei Nürtingen geworfen haben
Der Anklageschrift zufolge lernten sich der 38-Jährige und die Geschädigte im Juli 2024 bei einem Sprachkurs kennen und gingen eine intime Beziehung ein. Die Frau war seit Jahren ehrenamtlich an der Nürtinger Volkshochschule als Dozentin tätig, um Geflüchteten Deutsch beizubringen. Der Angeklagte sei in der Beziehung „erheblich eifersüchtig“ gewesen, so der Staatsanwalt, und soll nicht akzeptiert haben, dass die Frau ihre Unabhängigkeit und den Kontakt zu anderen Männern nicht aufgeben wollte.
Angeklagter googelt die Arbeitsweise der Polizei bei Tötungsdelikten
Dies soll am Tatabend erneut Anlass für einen Streit gewesen sein, in dessen Verlauf sich der Angeklagte entschlossen haben soll, die Frau zu töten. „Er wollte die von ihm unterstellte Untreue nicht akzeptieren“, so Staatsanwalt Wanjelik. Den eingewickelten Leichnam soll der Angeklagte mit Gegenständen der Frau von einer Aussichtsplattform in den Neckar geworfen haben. Er habe gehofft, dass die Tote mit der Strömung fortgetrieben werde. Dann soll er sich für mögliche Ermittlungen präpariert und nachts auf seinem Handy über die Arbeitsweise der Polizei recherchiert haben.

Der Prozess um eine getötete Sprachlehrerin hat am Donnerstag begonnen.
Foto: picture alliance/dpaEin Passant hatte am späten Nachmittag des 20. Oktober in der Nürtinger Altstadt die im Fluss treibende Leiche entdeckt und die Polizei verständigt. Die alleinstehende 66-Jährige soll in der Nähe des Fundorts gewohnt haben. Wenige Tage nach der Tat wurde der damals 37-Jährige in einer Flüchtlingsunterkunft in Oberboihingen festgenommen. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft.
Getötete Sprachlehrerin – Zeuge machte sich Sorgen um die Frau
„Sie war lieb, nett, hilfsbereit und hat vielen bei der Integration geholfen“, sagte ein Bekannter des Opfers im Zeugenstand. Er kam 2015 als Flüchtling nach Deutschland und lernte so die Sprachlehrerin kennen. Mit ihr stand er vor allem telefonisch und über soziale Medien in engem freundschaftlichem Kontakt. Den Angeklagten habe er nie getroffen, so der Zeuge.
Er und eine andere Bekannte hätten sich wegen des neuen Freundes aber Sorgen um die 66-Jährige gemacht. „Sie sollte vorsichtig sein“, schrieben sich die beiden in einem Chat, der wie zahlreiche andere in der Verhandlung vorgelesen wurde. Ihnen sei vieles komisch vorgekommen. So habe die Frau beispielsweise Telefonate beendet oder nicht zurückgerufen. Dies habe sie mit der Eifersucht ihres Partners begründet. Auch habe der Angeklagte ihm im Namen der Frau doppeldeutige Nachrichten geschickt, möglicherweise, um seine Reaktion zu testen.
