Sammelkarten aus Bempflingen
: Senkrechtstart: Junger Mann eröffnet Laden für Pokémonkarten & Co

Seit Juni verkauft Fabian Krestel in seinem Laden in Bempflingen und im Internet Sammelkarten. Der Markt ist riesig. Sogar Fußballprofis zählt er zu seinen Kunden.
Von
Tim Kirstein
Esslingen
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Ob Einzelkarten oder sogenannte Booster-Päckchen: Bei Fabian Krestel werden Sammler fündig.

Kirstein

Mit dem Taschengeld zum Kiosk um die Ecke laufen, ein Päckchen kaufen und hoffen, dass die eine noch fehlende Karte für das Sammelalbum darin ist. Sammelkarten gehörten und gehören für viele fest zur Jugend. Doch heutzutage gibt es auch immer mehr Erwachsene, die die bunten Kärtchen leidenschaftlich sammeln. „Der Hype um Sammelkarten ist gerade am höchsten Punkt jemals“, beobachtet Fabian Krestel. Im Leben des 25-Jährigen dreht sich fast alles um die Karten. Ende Juni eröffnete er in der Lindenstraße in Bempflingen seinen Laden „Fainful Cards“. Seitdem kann er sich vor Kunden kaum retten.

Dass er einmal sein Geld mit einem Laden für Sammelkarten verdienen würde, das war nicht immer abzusehen, sagt Krestel. Jedoch sei für ihn früh klar gewesen, dass Onlinehandel und Sammelkarten aussichtsreiche Branchen seien, sagt der gelernte Industriemechaniker. Deshalb ist er so auch ins Sammelkarten-Geschäft gestartet. Seit über zwei Jahren bietet er die Karten auch online zum Verkauf an.

Dort läuft der Handel meist über Auktionsplattformen. „Da bieten sich dann auch mal ein paar Millionäre gegenseitig hoch“, sagt Krestel. Denn stark limitierte und signierte Sammelkarten in gutem Zustand können gerne mal für den Preis eines Sportwagens den Besitzer wechseln. Für viele passionierte Sammler mit dem nötigen Kleingeld gehe es am Ende nur darum, die gewünschte Karte zu besitzen, erklärt Krestel. Aber auch als Wertanlage würden die Sammelkarten teilweise genutzt werden.

In seinem Laden in Bempflingen geht es etwas bodenständiger zu. Die seltensten Karten – immerhin werden auch hier Preise von mehreren Hundert Euro erreicht – sind in Vitrinen ausgestellt. In den Regalen daneben gibt es auch klassische Kartenpäckchen, sogenannte Booster, und diverses Merchandise wie Modellfiguren oder Pokémon-Shampoo. Der Hauptfokus der Kunden liege jedoch auf den Karten. „In anderen Ländern wie in Japan ist die Nachfrage nach Merchandise riesig, hier in Deutschland ist sie nicht ganz so stark“, sagt Krestel.

Fünf Nachmittage in der Woche steht der 25-Jährige hinter der Ladentheke, berät Kunden, kauft, verkauft oder tauscht Karten. Nebenbei muss er stets die aktuellen Marktpreise auf dem Handy checken. Denn der Sammelkartenmarkt ist ebenso wie der Aktienmarkt anfällig für Schwankungen. Wurde eine stark limitierte und damit wertvolle Karte aus einem Päckchen gezogen, könne es passieren, dass der Preis der restlichen Päckchen der Serie weltweit fällt, weil die Aussicht, diese Karte zu ziehen, nun geringer sei, erzählt Krestel.

Nach Ladenschluss geht es für ihn dann meist noch weiter. Bei Livestreams filmt sich Krestel beim Öffnen von Kartenpäckchen. Die Karten können die Zuschauer dann direkt über die Webseite erwerben. Beim Livestreaming gehe es für ihn aber nicht nur um den Verkauf, sondern auch um die Unterhaltung, erzählt Krestel. „Ich mache da immer ein bisschen eine Show draus.“ Gerade als Käufer müsse man sich beim Onlinekauf von Karten jedoch wie bei allem immer ein wenig zügeln, sagt er weiter. „Es ist etwas anderes als in den Laden zu gehen. Es verlockt dazu, schnell viel zu kaufen.“

Die gekauften Karten können sich die Zuschauer zuschicken lassen oder direkt vor Ort im Laden abholen. „Das ist natürlich eine optimale Kundenbindung“, sagt Krestel. Viele seiner Kunden würden seine Streams schauen und deshalb auch auf den Laden aufmerksam werden. In Krestels Sammelkartenladen gibt es nicht „den“ Kunden. „Von Kindern bis zum 50-jährigen Sammler ist alles dabei“, erklärt Krestel.

Hochspekulativer Markt

Natürlich gebe es die Spieler, die mit ihrer Pokémonkartensammlung auf Turniere gehen. Die Sammler würden jedoch den Großteil der Käufer ausmachen. Bei einem teils hochspekulativen Markt und Preisen ab fünf Euro pro Päckchen ist das Hobby allerdings für eine Gruppe immer weniger zugänglich: „Für Kinder ist es mittlerweile fast unbezahlbar. Die Preise machen es schwierig, die Karten mit dem eigenen Taschengeld zu bezahlen“, so Krestel.

Auch einige Fußballprofis, beispielsweise Spieler vom VfB Stuttgart oder dem SC Paderborn, darf Krestel zu seinen Kunden zählen. Mit manchen verbinden ihn heute sogar Freundschaften. „Da wurde ich dann auch schon ins Stadion eingeladen, und wir haben gemeinsam live Kartenpäckchen geöffnet“, erzählt er.

Geschichte des Sammelkarten-Fiebers

Millionenschwer
Im August wurde eine von den Basketball-Profis Kobe Bryant und Michael Jordan signierte Sammelkarte mit eingearbeiteten Trikotstücken der beiden Spieler für knapp 13 Millionen US-Dollar verkauft.

Wertbestimmung
Bei Sammelkarten entscheiden viele verschiedene Faktoren über den Wert der Karte. Gerade bei Sportkarten ist der Seltenheitsgrad entscheidend, denn es gibt manche Karten, von denen weltweit nur ein Exemplar existiert. Aber auch die Druckqualität und der Zustand der Karte können entscheidend sein.

Geschichte
Schon im 19. Jahrhundert legten Unternehmen ihren Produkten kleine Karten mit verschiedenen Werbemotiven bei. Die ersten Sportsammelkarten zeigten in den USA der 1860er-Jahre Bilder von Baseballteams.

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