Schulen im Kreis Esslingen: Birnstock spricht von „Skandal um Geisterlehrer“

Fachkräfte fehlen: 1440 Lehrerstellen sind im Land noch unbesetzt.
Julian Stratenschulte/dpaSchüler kommen zum Unterricht – doch da ist keiner, der sie unterrichten kann. Kein unrealistisches Szenario: 1440 Lehrerstellen seien im Land zwar unbesetzt, aber dennoch im Stellenplan hinterlegt, rechnet der Nürtinger FDP-Landtagsabgeordnete Dennis Birnstock vor. Die Landesregierung hoffe, die Vakanzen bis Schuljahresbeginn füllen zu können – das aber sei schwer umsetzbar. Auch an Schulen im Kreis Esslingen herrsche Lehrermangel.
Von einem „Skandal“ spricht der Liberale. Die grün-schwarze Landesregierung wisse gar nicht, welchen Schulen die unbesetzten Stellen zugeordnet wären. Ja, die Verantwortlichen könnten noch nicht einmal sagen, „wie viele dieser Geisterlehrer eigentlich im Landkreis Esslingen eingesetzt werden sollten und damit aktuell fehlen.“

Keine Schulart erreicht im Kreis Esslingen laut Dennis Birnstock einen ausreichenden Versorgungsgrad an Lehrern.
Foto: Marijan Murat/dpaDer Politiker sieht Probleme auf die Schulen zukommen. Für eine „auskömmliche Besetzung“, die auch Krankheiten und andere Abwesenheiten berücksichtige, müsse der Versorgungsgrad bei gut 110 Prozent liegen: „Das erreicht aktuell leider keine Schulart im Landkreis.“ Bei Grund-, Haupt- und Werkrealschulen liege der Versorgungsgrad bei 98,5 Prozent. Die Realschulen kämen auf 97,7 Prozent, die Gemeinschaftsschulen auf 97,2 Prozent, die Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren auf 86,8 Prozent. Am besten schneiden seinem Ranking zu Folge die Gymnasien mit 104,5 Prozent und die Beruflichen Schulen mit 99,8 Prozent ab.
Der Ruf nach Lehrkräften ist für Birnstock keine „alte Leier“
Angesichts dieser Zahlen schrillen bei Dennis Birnstock alle Alarmglocken: Die offenen Lehrerstellen sollten schnellstmöglich und zielgerichtet besetzt werden. Ein ehrgeiziges Vorhaben aus seiner Sicht. Ob die Einstellungen bis September oder Oktober zu erreichen seien, sei wegen der Kurzfristigkeit des Verfahrens und des Fehlens von Personal zweifelhaft.
Eine breit angelegte Einstellungsoffensive ist daher das Gegenrezept von Dennis Birnstock zur Lehrerunterversorgung. Schließlich müssten auch anstehende Pensionierungen aufgefangen werden. Rahmenbedingungen für Lehrkräfte müssten verbessert und sie sollten von nicht-pädagogischen Aufgaben entlastet werden: „Auch die Wertschätzung für die Arbeit unserer Lehrerinnen und Lehrer gehört dazu, und da verbietet es sich, den Ruf nach mehr Lehrkräften als ‚alte Leier‘ abzutun, wie es unser Ministerpräsident in der Vergangenheit getan hat.“