Stadtarchivar von Filderstadt: Der Mann, der alles weiß

Am 6. November 2025 wird der Stadtarchivar und Geschichtsfan Nikolaus Back 65.
Caroline HolowieckiBilder lehnen an der Wand, auf Tischen stapeln sich Bücher, Akten und Boxen, Umzugskisten stehen im Raum. Es wirkt, als sei gerade jemand eingezogen. Dabei hat hier im ersten Stock des Filderstädter Stadtarchivs seit bald 40 Jahren die immer gleiche Person ihren Arbeitsplatz: Nikolaus Back. Seit 1987 ist er der Stadtarchivar. Zig Bücher hat er in der Zeit geschrieben, insbesondere zu erwähnen sind die 27 Bände der Filderstädter Schriftenreihe. Es sind dicke Wälzer, die etliche Themen der Stadtgeschichte beleuchten, von den Brunnen über die Filderbahn bis zum Flughafen.
„Mit der Idee zur Schriftenreihe bin ich schon angetreten“, erinnert er sich. Viel Arbeit steckt jeweils drin. „Das mit den Büchern kann man nicht in 40 Stunden machen“, sagt er. Seine Hobbys – das Geigespielen im Filum-Sinfonieorchester und das Singen im Chor der Stadtverwaltung – schaffen einen Ausgleich. Und natürlich die Familie, die Ehefrau und die zwei erwachsene Kinder.
Ein leidenschaftlicher Sammler mit langem Atem
Der Sielminger ist ein leidenschaftlicher Sammler mit einem extra langen Atem. Um Material fürs Archiv herzuschaffen, klappert er Wahlkampfstände von Parteien ab, besucht Privatpersonen, um sie zu befragen oder Unterlagen zu sichten, oder Postkartenbörsen – „inzwischen habe ich das Allermeiste“. Gelernt ist eben gelernt.
An der Fachhochschule hat er einst die Ausbildung zum Archivar absolviert, seinen ersten Job hatte er im Staatsarchiv in Ludwigsburg, bevor er 1987 auf die Stelle in Filderstadt stieß. In der Anzeige stand etwas vom Arbeiten in einer alten Kapelle, „das war schon reizvoll“. Eben diese Sielminger Kapelle, das heutige Archiv, hat Nikolaus Back später unter die Lupe nehmen lassen. Er holt ein Tütchen mit Holzstücken hervor; Bohrkerne, die über eine Jahresringuntersuchung zutage gefördert haben, dass das Gebäude aus dem Jahr 1526 stammt. Zusätzlich hat Nikolaus Back Akten gewälzt. „Wir haben bestimmt 60, 70 Häuser in Filderstadt auf diese Weise datiert. Das trägt zu neueren Erkenntnissen über die Stadtgeschichte bei“, sagt er.
Vieles, was man heute über Filderstadt weiß, hat Nikolaus Back zusammengetragen – und für die Nachwelt gesichert. „Ich hoffe, dass ich viel Grundlagenforschung hinterlassen habe.“
Das Archiv ist das Gedächtnis einer Stadt, und beeindruckend ist auch Backs eigenes Gedächtnis. Namen und Wohnadressen nennt er aus dem Effeff, Jahreszahlen sprudeln bei ihm mit Leichtigkeit. „Geschichte hat mich immer sehr interessiert“, sagt er achselzuckend, in den 90ern, da war er schon eine Weile Archivar in Filderstadt, hat Nikolaus Back daher auch noch mal ein berufsbegleitendes Geschichtsstudium draufgesattelt. „Das wollte ich unbedingt“, sagt er rückblickend. Den Doktor hat er 2011 über die Ereignisse der Revolution von 1848/49 im ländlichen Württemberg gemacht.
Mancher mag so was trocken finden, Nikolaus Back aber geht auf im Wühlen, Forschen und Zusammenfügen von Puzzlestücken. Als Filderstädter Archivar durfte er oft Neuland betreten. „Das Besondere ist, dass es keine gewachsene Stadt ist“, sagt er. Die Stadt ist 1975 aus fünf Dörfern entstanden, die Quellenlage sei anfangs schlecht gewesen. „Dorfgeschichte ist hochspannend. Das Interessanteste ist, wenn man schriftliche Quellen mit persönlichen Erfahrungsberichten kombinieren kann.“
Nikolaus Back genießt hohes Ansehen, viele im Ort schwärmen von seinem Wissen, das er mitunter auch bei Führungen preisgibt. Quasi jede und jeder in der Stadt kennt ihn, und das ist etwas, was er sich erarbeiten musste. Aufgewachsen ist er nämlich nicht in Filderstadt, sondern in Gerlingen. „Es ist ein Unterschied, wenn man nicht alle aus der Schule kennt.“
In Filderstadt wächst die Nervosität. Viele fragen: Was machen wir mal ohne Niko Back? Am 6. November wird er 65. Bis April 2027 macht er noch, dann wird das mit den Umzugskisten im Stadtarchiv Wirklichkeit. Nikolaus Back winkt ab. „Ich denke, niemand ist unersetzbar.“ Der Abschied ist noch eine Weile hin, aber fest steht: Es wird eine enorme Umstellung – für Vereine, die Verwaltung, die Bürgerschaft und für Nikolaus Back selbst. „Ich übe schon“, sagt er lächelnd. Die Leitung des Museums, die er seit 2002 innehatte, hat er bereits abgegeben. Ende 2026 soll sein 28. und letztes Buch in der Filderstädter Schriftenreihe erscheinen, eine Nachbearbeitung zum historischen Stadt-Rundgang. Eines habe er sich geschworen: Gegenüber der Nachfolgerin und dem Nachfolger werde er sich zurückhalten. Nikolaus Back lächelt wieder. „Außer ich werde gefragt.“
Tag der offenen Tür im Stadtarchiv
Tag der Kultur
Am 9. November feiert Filderstadt den Tag der Kultur. Zu diesem Anlass werden Kunstschaffende sowie Kultureinrichtungen ihre Türen öffnen, um ihre Werke und ihre Arbeit der Öffentlichkeit zu präsentieren. Die Veranstaltung findet zwischen 13 und 18 Uhr bei freiem Eintritt statt. Außerdem plant der DGHI, der Gewerbe- und Handelsverein, in Bonlanden einen verkaufsoffenen Sonntag mit Bewirtung durch den örtlichen Musikverein und einem Kinderprogramm im Bonländer Zentrum.