Stricken als Entschleunigung
: Generation Z und die Wolle: Wie die Corona-Pandemie mich zum Stricken brachte

Es begann mit einem Pullover und einem Satz Stricknadeln aus der Kindheit. Was im Lockdown als Zeitvertreib für unsere Autorin begann, entwickelte sich zu einem Hobby.
Von
Yelin Türk
Esslingen
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Während der Pandemie suchte mancher Trost im Backen, andere fanden ihn beim Stricken.

Christiane Eisler / transit

Wir schreiben das Jahr 2020. Ich bin noch Studentin. Es ist Oktober, ich wohne seit etwas mehr als einem Jahr in Mannheim. Seit März habe ich plötzlich viel mehr Freizeit als gewohnt – aus bekannten Gründen. Als ein Mitglied der Generation Z habe ich natürlich Konten auf allen möglichen Sozialen Medien. Dort sehe ich, wie andere Menschen ihren Alltag im Lockdown gestalten.

Im Netz wird fleißig Bananen- oder Sauerteigbrot gebacken. Andere zaubern jeden Tag immer besser aussehende Gerichte oder malen ein Meisterwerk nach dem anderen. Und dann sehe ich ihn zum ersten Mal: Eine junge Frau hält ihn stolz in die Kamera, den schönsten Strickpullover, den ich jemals gesehen habe. Sie erzählt, dass sie ihn selber gestrickt hat und dass sie ja eigentlich noch gar nicht so lange strickt. Ich beschließe, es auch mal zu versuchen. Vielleicht kann ich dann irgendwann auch einen so schönen Pullover stolz in irgendeine Kamera halten.

Stricknadeln im alten Kinderzimmer

Eine erste Internetrecherche ergibt, dass man zum Stricken eigentlich nur drei Dinge braucht: Stricknadeln, Garn und eine Anleitung. Die Nadeln gibt es in verschiedenen Stärken und man muss darauf achten, dass das verwendete Garn zu der jeweiligen Stärke passt. Als ich das nächste Mal meine Eltern besuche, durchsuche ich mein altes Kinderzimmer.

Vor Jahren, als ich noch viel jünger war, saß ich oft neben meiner Großmutter und sah ihr beim Stricken zu, während sie mir in einer Mischung aus Kurdisch und gebrochenem Türkisch erklärte, wie man Socken strickt. Eines Tages schenkte sie mir, mit meinen neuen Socken, ein Paar Stricknadeln. „Zum Üben“, sagte sie. 2020 fand ich die Stricknadeln schließlich tief in einer Schublade, die mit verschiedenen Schreibwaren gefüllt war.

Tipps und Tricks aus dem Internet

Ich recherchiere weiter, lese Blogeinträge von Strickexperten und schaue mehr Videos zum Thema. Für Anfänger soll sich mitteldickes Garn mit einer Nadelstärke von 3,50 bis sechs Millimetern besonders eignen. Bei dieser Dicke seien die Maschen leichter zu erkennen und überprüfen als bei dünnerem Garn. Im Internet bestelle ich mir später drei Garnbanderolen. Ich bezahle jeweils rund sechs Euro für 50 Gramm Garn aus Schurwolle. Für ein richtiges Projekt wird die Menge nicht reichen, ich möchte erst mal üben.

Ich finde ein Video, dass verspricht Stricken für Anfänger zu erklären, folge den Anweisungen und schaffe es tatsächlich eine kleine Maschenprobe zu stricken. Viel zu voreilig beschließe ich an diesem Tag, einen Schal zu stricken. Ich bestelle mir mehr Garn und stricke in den nächsten zwei Monaten einen Schal. Er ist viel zu lang und an manchen Stellen breiter als an anderen, doch als ich ihn meiner Großmutter zeige, sehe ich an ihrem Lächeln, dass das gar nicht so schlimm ist. Inzwischen, fünf Jahre später, bin ich besser geworden. Im Jahr stricke und verschenke ich mehrere Schals. Einen Pullover habe ich noch nicht gestrickt.

Lokale Händler unterstützen

Gerade in den kälteren Jahreszeiten ist Stricken ein gemütliches Hobby, das im stressigen Alltag dabei hilft abzuschalten. Informationen und Anleitungen können Anfänger auch heute noch unkompliziert im Internet finden. Da die Corona-Pandemie inzwischen zum Glück vorbei ist, ist es lohnenswert, Nadeln und Garn von lokalen Händlern zu kaufen. Zum Beispiel in Barbaras Scherrerei in Esslingen (Hafenmarkt 5) oder bei Gomitolo in Berkheim (Kronenstraße 10).

Wie teuer Stricken als Hobby wird, hängt von mehreren Faktoren ab. Größere Projekte brauchen mehr Garn und sind dadurch teurer. Manche Garne bestehen aus hochwertigerem Material, wie Merino- oder Alpakawolle. Diese können pro Garnbanderole schon einmal mehr als zehn Euro kosten. Es gibt wiederum auch Garne aus synthetischen Stoffen, die für viel weniger Geld zu ergattern sind. Wie viel Geld man ausgibt, ist also auch einem selbst überlassen.

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