Theater in Filderstadt: Filderstadt feiert sich selbst als Theater

Probenszene aus der Ratsrunde zum Thema Stadtgründung
Eberhard WeinmannSo haben sich die Macher das Theater mit Bürgerbeteiligung vorgestellt: Einige Flüchtlinge aus Syrien haben sich gemeldet, um daran teilzunehmen. Ein Mann hat ein Lied komponiert über Filderstadt, das er selbst auf der akustischen Gitarre vorträgt. Und dann gibt es noch die inzwischen gut hundert Bürger, alt und jung, die in einer der Szenen mitwirken, tanzend, sprechend oder singend.
Dieses Bürgertheater entsteht gerade zum Stadtjubiläum 50 Jahre Filderstadt mit dem eigentümlichen Titel „BeHaSiBoPl“. Das ist die Zusammenfügung der Gemeindenamen Bernhausen, Harthausen, Sielmingen, Bonlanden und Plattenhardt. In der Gründungsphase von einst hat man sich dann doch geeinigt auf das griffigere Filderstadt. Die Theaterleute aber lieben das auffälligere BeHaSiBoPl. Und das Theater Lindenhof mit Sitz in Melchingen auf der Schwäbischen Alb arbeitet jetzt mit voller Kraft daran, das Theaterstück zum Jubiläum von Filderstadt auf die Bühne zu bringen oder besser: auf die Bühnen, denn realisiert wird ein Stationentheater, das an mehreren Orten in Filderstadt rund um die Filharmonie spielt.
Selbstbewusste Stadtteile
Und bevor die Aufführungen vom 11. bis zum 20. Juli stattfinden, war es jetzt mal an der Zeit, dieses Projekt ganz offiziell der Öffentlichkeit vorzustellen. „Filderstadt feiert sich selbst“, lobte Oberbürgermeister Christoph Traub das Projekt und ergänzt: „Die fünf Stadtteile sind miteinander sehr verschmolzen, aber sie sind auch von einem hohen Selbstbewusstsein geprägt.“ So gebe es eben alles in Filderstadt gleich fünffach: die Bäder, die Schulen, die Kinderbetreuungen, die Sporteinrichtungen. Doch für die Kultur gebe es einen zentralen Ort: die Filharmonie. „Das war das erste wirkliche Gemeinschaftsprojekt“, so Traub, das auf dem Gelände der einstigen Krauthalle als Vorläufer entstanden sei.
Demonstranten werden gesucht
In dem Theaterstück wird unter anderem die Musikschule Filum bespielt sowie das Gelände vor der Realschule. Auch der historische Ort der einstigen Krauthalle, das Vorgängergebäude der Filharmonie, wird zumindest spielerisch wieder zum Leben erweckt. Denn natürlich ist das Fildergebiet ohne Kraut als allgegenwärtige Nutz- und Kulturpflanze nicht denkbar. Und der Flughafen gehört als Streitobjekt genauso dazu. Viel Musik wird dazu erklingen, auch Tanz gibt es in den verschiedensten Formen.
Und die Besucher der Aufführungen können auch mitmachen: „Auch die Proteste rund um den Flughafen spielen eine Rolle“, so die Regisseurin Claudia Rüll Calame-Rosset vom Theater Lindenhof, „und dazu benötigen wir natürlich auch einige Demonstranten.“ Und die werden aus dem Publikum akquiriert. Das ist eben das Schöne an dieser Art von Theater: Man kann hier zahlreiche Details ausschmücken. Die Regisseurin beschreibt dazu den großen Bogen: „Die Anfänge der Fildern liegen ja 5000 Jahre zurück. Das lag an dem sehr fruchtbaren Lößboden, der attraktiv war für eine Ansiedlung der Menschen. Das zeigen wir an diesem Theaterabend. Aber wir haben auch eine Zeitmaschine, die über die gegenwärtige Lage hinausschaut.“
Spannendes aus dem Stadtarchiv
Im Mittelpunkt steht freilich der Erfahrungszeitraum der Menschen von heute. Dazu gehört etwa der gewaltige wirtschaftliche Aufschwung des Fildergebiets seit den Nachkriegsjahren, der Zuzug vieler Menschen, die vor dem Krieg geflohen sind. Der schwäbische Zungenschlag war irgendwann nicht mehr der einzige auf den Fildern, hat sich aber dennoch behauptet.
Dazu gibt es nun Zeitzeugen, dazu gibt es auch Dokumente im Stadtarchiv. „Es ist ein Glücksfall, dass es da einen Archivar gibt wie Nikolaus Back“, so die Regisseurin, „er kennt die wirklich spannenden Stellen, und er hat dazu auch noch ein sehr gutes theatralisches Verständnis.“ Das haben auch schon die ersten Probeneindrücke in den vergangenen Wochen gezeigt: In den Bürgermeisterszenen, in denen sehr kontrovers über die Gründung von Filderstadt diskutiert wird, steckt viel kabarettistisches Potenzial.
Damit der große theatralische Bogen bewahrt bleibt, dafür zeichnet das Theater Lindenhof verantwortlich. „Solche partizipativen Theaterprojekte machen wir schon sehr lange“, so der Intendant Stefan Hallmayer. Die Lindenhöfler sind zwar in einem kleinen Dorf auf der Alb zu Hause, aber sie sind der Region verpflichtet, die meisten Aufführungen spielen sie außerhalb ihres Stammhauses. Filderstadt gehört zu den Orten, die sie seit gut 30 Jahren regelmäßig bespielen.
Stationentheater zum Jubiläum
Termine und Preise
Die Uraufführung ist am 11. Juli um 20 Uhr. Die weiteren Aufführungen sind am 12., 13., 18. und 19. Juli jeweils um 20 Uhr, am 20. Juli um 18 Uhr. Eine öffentliche Probe findet statt am 9. Juli um 20 Uhr. Die Karten kosten je 10 Euro, ermäßigt 5 Euro, der Vorverkauf beginnt am 5. Mai.
Drinnen und draußen
Die Aufführung dauert etwa zwei Stunden. Da sowohl drinnen als auch draußen gespielt wird, finden die Aufführungen auch bei kühlem Wetter oder leichtem Regen statt. Das Publikum sollte sich darauf einstellen, allerdings auf Schirme verzichten. Die Zugänge sind eingeschränkt barrierefrei.
Das Theater
Das Theater Lindenhof mit Sitz in Melchingen auf der Schwäbischen Alb ist seit drei Jahrzehnten ein gefragter Kulturpartner der Stadt Filderstadt. Regelmäßig gastiert das Theater Lindenhof mit aktuellen Schauspielproduktionen in der Stadt, ist aber als Regionaltheater auch in vielen anderen Städten und Gemeinden im Umland unterwegs. Jedes Jahr finden im Sommer vergleichbare Theaterspaziergänge statt wie jetzt in Filderstadt, Jubiläen vor Ort sind dafür ein willkommener Anlass.