Ukrainische Filder-Partnerstadt
: Dieses Projekt ist gerade in Kriegszeiten wichtig

Während eine Delegation aus Poltawa auf den Fildern zu Gast ist, gibt es einen neuen Angriff auf die ukrainische Partnerstadt von Ostfildern, Filderstadt und Leinfelden-Echterdingen.
Von
Natalie Kanter
Stuttgart
Jetzt in der App anhören

Drei Volkshochschulen auf den Fildern und zwei Vereine aus Poltawa ziehen bei diesem Projekt einem Strang.

N. Kanter

Laut Medienberichten soll es an diesem Donnerstag einen weiteren Angriff auf die ukrainische Stadt Poltawa gegeben haben. Zwei Menschen sollen dabei ihr Leben verloren haben, elf verletzt worden sein, heißt es darin. Ein Rekrutierungszentrum der Armee soll angegriffen worden sein. Dort und in einem nahen Wohnhaus seien Brände ausgebrochen.

Die Partnerstadt von Filderstadt, Leinfelden-Echterdingen und Ostfildern wird in dem russischen Angriffskrieg nicht mehr verschont. Anfang Februar sollen 14 Menschen, darunter zwei Kinder, bei dem Raketenangriff auf ein Wohnhaus getötet worden sein. 17 Verletzte hatte es damals gegeben. Dennoch ist Poltawa immer noch ein Zufluchtsort für Menschen aus anderen, bombardierten Städten in der Ukraine. „45 000 Binnenflüchtlinge leben in unserer Stadt“, sagt Svitlana Nestulya am Dienstag in den Räumen der Leinfelder VHS . Valentyna Ishenko übersetzt ihre Worte. Untergebracht sind sie in Kindergärten, Hotels, Studentenwohnungen und Containerdörfern. Eine warme Mahlzeit pro Tag und Hygieneartikel werden von der örtlichen Universität und der japanischen Regierung finanziert.

2000 Menschen aus der Ukraine machen mit

Die beiden gehören zu einer Delegation von Frauen, die gerade zu Besuch auf den Fildern sind. Die Frauen haben in Poltawa ein Projekt auf die Beine gestellt, das gerade in Kriegszeiten wichtig ist, wie sie betonen. „Die Menschen können für einen Moment ihre Sorgen vergessen“, sagen sie.

Das Projekt nennt sich Bridges, will also Brücken bauen. Es gehört zum „Urban X-Change Network“ des Deutschen Volkshochschulverbandes International und wird von den Volkshochschulen in Filderstadt, Leinfelden-Echterdingen und Ostfildern sowie dem Adult Education Center der Region Poltawa organisiert. Grenzüberschreitende Beziehungen und Kooperationen in Sachen Bildung und Kultur sollen gefördert werden. Wie das gelingt? Indem in Poltawa und auf den Fildern zur gleichen Zeit Workshops über die Bühne gehen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben sich die erste Stunde via Computer ausgetauscht und sind dann in ihren jeweiligen Orten ans Werk gegangen, erklärt Stephanie Haschka von der VHS Leinfelden-Echterdingen das Konzept.

In Filderstadt wurden Maultaschen gekocht, in Poltawa derweil Halushkas – ukrainische Teigtaschen. Die VHS Ostfildern hat einen Workshop organisiert, in dem Porzellan zerbrochen und wieder zusammengesetzt und „dabei gelernt wurde, dass aus Zerbrochenem etwas Neues entstehen kann“, sagt Anne Rist von der VHS Ostfildern.

Auf Initiative der VHS Leinfelden-Echterdingen haben sich deutsche und ukrainische Erwachsene mit deutschen Märchen und der ukrainischen Nationalliteratur befasst. 2000 Menschen aus der Ukraine haben an diesem Austausch teilgenommen. Auch für ukrainische Geflüchtete, die gerade in den deutschen Partnerstädten leben, sei das Projekt sehr wichtig gewesen, sagt Marianne Brunke von der Filderstädter VHS.

„Zu Beginn des Krieges wurde Poltawa nicht angegriffen“, sagt Svitlana Nestulya. Diese Situation habe sich verändert. Dennoch zieht es die Frauen nach ihrem Filder-Besuch zurück in ihre Heimat. „Wir haben dort unsere Familie und unseren Job. Wir lieben unser Land und kämpfen für unsere Unabhängigkeit und unsere Freiheit.“

StZ Kreis Esslingen
Montag - Samstag um 7.00 Uhr
Alles Wichtige aus dem Kreis Esslingen im kompakten Überblick: Von Montag bis Samstag schicken wir Ihnen unseren Newsletter mit den fünf beliebtesten Themen unserer Leserinnen und Leser in Ihr E-Mail-Postfach. So bleiben Sie immer auf dem Laufenden.