Verkehr in Leinfelden-Echterdingen
: Rathauschef entschuldigt sich: „Wissen, wie sehr die Verkehrssituation belastet“

Anders als befürchtet, ist der Bau einer Entlastungsstraße für Leinfelden-Echterdingen nicht vom Tisch. Die Stadt muss bei der Verkehrsplanung dennoch Prioritäten setzen.
Von
Natalie Kanter
Stuttgart
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Stau gehört zum Echterdinger Ortskern wie die Butter zum Brot. Das soll künftig anders werden.

Natalie Kanter

Wird nun doch keine Entlastungsstraße für Leinfelden-Echterdingen gebaut? Werden diese Pläne vielleicht sogar ganz beerdigt? Diese Fragen hatten die Gewerbetreibenden in den vergangenen Tagen stark beunruhigt. Unternehmer waren richtig sauer. Daniel Ludin, Vorsitzender der örtlichen Industrie- und Wirtschaftsvereinigung, berichtet von „einem Shit-Storm“, der ihn nach der Diskussion im Technischen Ausschuss erreicht hat. Im Namen der örtlichen Unternehmen und Betriebe hat er in der jüngsten Gemeinderatssitzung deutliche Worte gewählt.

Daniel Ludin hob die Bedeutung einer leistungsfähigen Infrastruktur für den Wirtschaftsstandort hervor. „Eine direkte, moderne und belastbare Straßenanbindung an die Autobahn A8 ist ein entscheidendes Kriterium.“ Bestehende Verkehrsrouten stießen schon längst an ihre Kapazitätsgrenzen: Staus, Engstellen und Ausweichverkehr führten zu unzumutbaren Belastungen, welche die Betriebsabläufe negativ beeinträchtigen und den Standort im Vergleich zu anderen Kommunen schwächen.

Er wollte wissen: „Wie kommen die vielen Ein-, und Auspendler zügig an ihren Arbeitsplatz, die weder mit dem ÖPNV noch mit dem Rad anfahren können?“ Es mache ihn fassungslos, dass nach 40 Jahren der Planung noch immer nicht über die grundsätzliche Umsetzung der Verkehrsanbindung diskutiert worden ist. Eine Entlastungsstraße sei in vielen Gesprächen in Aussicht gestellt worden. Ein erneutes Aussetzen dieser Infrastrukturmaßnahme könne bedeuten, dass alteingesessene Betriebe den Standort verlassen.

Offener Brief an den Oberbürgermeister

Wolfgang Faßbender, der Vorsitzende des Bundes der Selbstständigen, hatte sich mit einem offenen Brief an Oberbürgermeister Otto Ruppaner gewandt. „Die Nord-Süd-Straße ist schon lange notwendig, um die Hauptstraße in Echterdingen zu entlasten, das Industriegebiet in Leinfelden zu erschließen“, heißt es darin. Auch das neue Wohngebiet Schelmenäcker würde von dieser Straße profitieren.

Zum besseren Verständnis: Zunächst hatte es danach ausgesehen, als ob die Stadtverwaltung die Pläne für den Bau der sogenannten Nord-Süd-Straße und der Nordspange Unteraichen zugunsten der Weiterführung der Stadtbahnlinie U5 nach Echterdingen auf die ganz lange Bank schieben will. Und das obwohl die Stadt bereits Ingenieurbüros mit diesen Plänen beauftragt hat und diese dann hätte entschädigen müssen.

Oberbürgermeister Ruppaner hat die Sitzung genutzt, sich bei den Unternehmern, die „uns als Stadt seit Jahrzehnten verbunden sind“ zu entschuldigen, ein paar Dinge klarzustellen und das neue Vorgehen vorzustellen, für das es seitens des Gemeinderates dann auch grünes Licht gab. „Wir alle wissen, wie sehr die Verkehrssituation unsere Stadt belastet“, sagte er. Es sei nie die Absicht der Verwaltung gewesen, die Projekte U5-Verlängerung nach Echterdingen und Verwirklichung der Nord-Süd-Straße gegeneinander auszuspielen. Beide Projekte verfolgten das gleiche Ziel: die Entlastung der Stadt, die Stärkung des Wirtschaftsstandorts und die Verbesserung der Lebensqualität in den Ortskernen. Aufgrund der finanziellen Situation der Stadt könne keines der großen Projekte unmittelbar umgesetzt werden. Allerdings sei es fahrlässig, die U5-Verlängerung nicht weiter zu planen. Denn sollten sich in ein paar Jahren die Rahmenbedingungen wieder verbessert haben, wäre es ein schweres Versäumnis ohne belastbare Planungen dazustehen und so weitere Jahre zu verlieren.

Will heißen: Die Verlängerung der Stadtbahnlinie U5 bis nach Echterdingen soll weiter vorangetrieben werden. Die Stadträte sprachen sich dafür aus, entsprechende Verhandlungen mit der Stuttgarter Straßenbahn AG aufzunehmen. Grünes Licht gab es auch für die Idee einer Ostanbindung der Max-Lang-Straße an die Leinfelder Straße. Diese Henkellösung wäre eine gute Lösung für den zweiten Bauabschnitt der Nord-Süd-Verbindung. Diese Straße könne auch als Folgemaßnahme der U5 gelten und sei damit förderfähig. Anders als der bisher vorgesehene Bauabschnitt mit einem aufwendigen Trog- und Brückenbauwerk, das allein 22 Millionen Euro kosten würde. Diese Pläne sollen nicht weiter verfolgt werden.

Der erste Bauabschnitt der Nord-Süd-Straße, der von der Maybachstraße zur Max-Lang-Straße führen soll, sei weiter ein sinnvoller Baustein für die Erschließung des Leinfelder Gewerbegebietes, erklärte Otto Ruppaner weiter. Er erinnerte daran, dass der Gemeinderat den städtebaulichen Wettbewerb „Leinfelden Mitte“ auf den Weg gebracht hat. Die Ergebnisse dieses Wettbewerbs sollten aber erst abgewartet werden, bevor die Planungen wieder aufgenommen werden. Gleiches gelte auch für Daten und Erkenntnisse aus dem beauftragten Klimamobilitätsplan.

Im Januar will der Oberbürgermeister dies auch Vertretern der Wirtschaft „in einem ausführlichen Termin“ erörtern. Die Wogen sollen geglättet werden. Die Verwaltungsspitze verspricht fortan mit einer besseren Kommunikation über ihre Vorhaben ins Rennen zu gehen. Auch Daniel Ludin hält das für einen guten Weg. Im Sinne der örtlichen Unternehmen forderte er mehr Verbindlichkeit und eine klare Terminierung ein, mit der die Betriebe arbeiten können.

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