Wohlfühlen in der Esslinger Innenstadt: Wird auf dem Schwätzbänkle wirklich geschwätzt?

Terrain für Talks auch für Judith Grober und Felix Liehner: Das „Schwätzbänkle“ an der Inneren Brücke hat sich laut einer Auskunft der Stadt Esslingen bewährt.
Roberto BulgrinDas große Schweigen hat noch nicht eingesetzt. Im Juni 2022 hatte Esslingens Oberbürgermeister Matthias Klopfer ein „Schwätzbänkle“ auf der Inneren Brücke bei der Kapelle zwischen Tee Gschwendner und Tom Tailor eingeweiht. Es sollte, so hatte die Stadtverwaltung vor über zwei Jahren mitgeteilt, zu einer Anlaufstelle werden und Menschen dazu einladen, Platz zu nehmen und ganz ohne Verpflichtung oder Vorbereitung miteinander ins Gespräch zu kommen. Dieses extra geschaffene Terrain für Talks haben die Esslingerinnen und Esslinger auch genutzt. Laut der Stadtverwaltung wird das „Schwätzbänkle“ gut angenommen.
Ob bestimmte Gesprächsstoffe wie Fußball, Klatsch, Gesundheit oder Religion bevorzugt auf der Sitzgelegenheit besprochen werden, kann Matthias Scheider nicht sagen. Abseits solcher möglicher Konversationsfavoriten aber, so teilt der kommissarische Leiter des städtischen Grünflächenamtes mit, sei „das ,Schwätzbänkle’ in der Innenstadt ein niederschwelliges Gesprächsangebot für unsere Bürgerinnen und Bürger“. An dem stark frequentierten und gut erreichbaren Ort auf der Inneren Brücke sei es ein Treffpunkt für Menschen auf der Suche nach Gesprächspartnern.
Kein „Bank-Überfall“
Und offensichtlich gehen ihnen die Worte dabei nicht aus: „Das ,Schwätzbänkle’ hat sich sehr wohl bewährt – wie übrigens jede Sitzgelegenheit, die wir als Stadt Esslingen aufstellen“, sagt Matthias Scheider. Wenn Teams des Grünflächenamtes an der Inneren Brücke vorbeikämen, sei das Bänkchen nahezu immer besetzt. „Bank-Überfälle“ hat es bisher nicht gegeben: Fälle von Vandalismus sind Scheider nicht bekannt.
Das „Schwätzbänkle“ soll etwas Besonderes bleiben. Es ist ein Einzelkind geblieben, hat aber sehr viele Stiefgeschwister bekommen. Ein weiteres „Schwätzbänkle“ hat die Stadt Esslingen laut Matthias Scheider zwar nicht aufgestellt – wohl aber etwa 45 zusätzliche Sitzbänke. Sie seien während der vergangenen beiden Jahre im gesamten Stadtgebiet installiert worden. Als jüngste Maßnahmen nennt der kommissarische Amtsleiter den fünf Meter langen Sitzbalken unter der Mettinger Brücke, der früheren Hanns-Martin-Schleyer-Brücke, oder die Sitzbänke an der Bushaltestelle in der Kiesstraße: „Auf diesen können sich unsere Bürgerinnen und Bürger treffen, schwätzen, ausruhen, vespern oder einfach schöne Augenblicke genießen.“ Weitere Sitzgelegenheiten sollen hinzu kommen: „Wir werden im gesamten Stadtgebiet weitere Sitzbänke für Menschen aller Altersgruppen und in verschiedenster Bauart aufstellen.“
Erfolgreiches Banken-Sponsoring
Gespräche werden hier also nicht auf die lange Bank geschoben. Finanziert werden die Bänke im Stadtgebiet vom städtischen Grünflächenamt: „Aus der Aktion „Stifte einen Lieblingsplatz“ gingen weitere 30 Standorte hervor, „an denen engagierte Bürger eine Bank gestiftet haben“, erklärt Matthias Scheider. Diese Aktion war Anfang 2023 gestartet worden und ist inzwischen beendet. Bürger konnten dabei über ein Online-Portal mitteilen, wo sie in Esslingen eine Bank vermissen und an welchem Standort eine Sitzgelegenheit aufgestellt werden sollte. Auch die Möglichkeit des Sponsorings für einen Bank-Standort wurde im Rahmen der Initiative gegeben.