Immer wieder Ärger in Eislingen: Zwist wegen Adler geht in eine neue Runde

Erst im Jahr 2011 aufgenommen, und auch schon wieder ein Bild aus besseren Zeiten. Und mit jedem weiteren Jahr droht das Gasthaus Adler mehr und mehr zu verfallen
Rudel/ArchivEislingen - Der Streit wegen eines der bekanntesten Eislinger Gebäude hört nicht auf. Immer wieder geraten Adolf Holzherr, der Erbe des Wirtshauses Adler , und die Stadt im Ringen um eine Entwicklung des ehemaligen Brauereigeländes mitten in der Stadt aneinander. Mal reißt der durchaus eigenwillige Eigentümer aus Wut über die Mahnungen der Stadt einen baufälligen Balkon kurzerhand ab. Dann fühlt er sich wieder ausgebootet, wenn es um Bauabsichten geht. Zuletzt hat er zwölf Monate lang darum gerungen, eine Baugenehmigung für ein Getränkelager auf dem Areal zu bekommen. „Diese wurde mir jetzt ohne Einschränkungen vom Regierungspräsidium erteilt“, erklärt Holzherr.
Ist die Erhaltungssatzung eine Retourkutsche?
Was nun im Gemeinderat in der jüngsten Sitzung beschlossen wurde, hält er daher für eine bloße Retourkutsche. Dort wurde eine Erhaltungssatzung für das historische Adlergebäude an der Place d’Oyonnax erlassen. Er sei nicht gefragt worden, so Holzherr. Man habe den Eigentümer mehrfach angeschrieben, aber keine Antwort erhalten, sagt die Stadtverwaltung.
Dass die Stadt mit dem Eigentümer im beiderseitigen Ringen um die Erhaltung des historischen Gebäudes wieder ins Gespräch kommt, scheint damit wenig wahrscheinlich. Immerhin darf Holzherr nun ohne Einwilligung der Stadt keine Veränderung oder Nutzungsänderungen am Gebäude mehr durchführen. Andererseits müssen ihm nach Auskunft der Stadtverwaltung für Sanierungen auch Zuschüsse im Sanierungsgebiet ermöglicht werden.
Das Gebäude stammt aus dem Jahr 1899
Dass der Adler erhalten bleiben soll, ist auch der Wunsch der Bürger, die im sogenannten Innenstadtforum über die Entwicklung der City diskutiert haben. Immerhin reicht dessen Historie bis ins Jahr 1493 zurück, wobei das erste Wirtshaus dort 1750 errichtet wurde. Das heutige Backsteingebäude wurde allerdings erst 1899 gebaut. Im Jahr 1971 stellte die Brauerei ihre Produktion ein. Adolf Holzherr betreibt auf dem Gelände einen Getränkehandel. Die Erhaltungssatzung erachtet die Stadt unter anderem auch deshalb für nötig, weil der Eigentümer in den letzten Jahren nichts in das Gebäude investiert hat und man den weiteren Verfall fürchtet.
Die Pizzeria zieht in den nahen Marstall um
Zwar ist die Wirtschaft schon seit mehr als 30 Jahren an die Familie D’Onofrio verpachtet. Diese hat aber den Pachtvertrag gekündigt. Die Pizzeria wechselt in den Marstall auf der anderen Seite der Place d’Oyonnax. Der Umzug hätte allerdings bereits im vergangenen April stattfinden sollen. Doch die Renovierungs- und Modernisierungsarbeiten im Marstall, der sich in städtischem Besitz befindet, haben sich um Monate verzögert. Nun ist die Neueröffnung des Marstalls mit den neuen Pächtern für Januar oder Februar geplant. „Ich habe meinen Pächtern keine Steine in den Weg gelegt und den Vertrag immer wieder verlängert“, erklärt Adolf Holzherr.
Allerdings ärgere er sich darüber, dass es die Stadt nicht hinbekomme, den Marstall rechtzeitig zu sanieren, und er sich deshalb nicht auf die Suche nach Nachmietern für den Adler machen könne. Für Holzherr ist das im übrigen nur ein weiterer Beleg dafür, dass man lieber nichts mit der Stadt gemeinsam tun sollte.