Jede Menge Trubel in Leonberg und Gerlingen
: Was den Gerlinger Bürgermeister wirklich schreckt

Beim pulsierenden Straßenfest kokettiert Dirk Oestringer mit den Tücken eines Fassanstichs. In Leonberg gibt es ein fröhliches Familienfest in der Maybachstraße.
Von
Thomas K. Slotwinski
Gerlingen/Leonberg
Fassanstich: Gerlingen - Straßenfest auf dem Rathausplatz und in der Hauptstraße mit Fassanstich

„Kann ich loslegen?“: Der Gerlinger Bürgermeister Dirk Oestringer (li.) und der neue Chef des Straßenfestvorstands, David Rometsch, sind bereit für den Fassanstich.

Simon Granville
  • Gerlinger Straßenfest eröffnet: Oestringer zapft mit einem Schlag, Jubel am Rathausplatz.
  • Schützen gaben zuvor mehrere Schüsse ab – der Bürgermeister zeigte sich zunächst nervös.
  • Generationswechsel: Siggi Hahn erhält Bürgermedaille in Bronze und tritt kürzer.
  • Neuer Chef ist David Rometsch, aktiv bei Freefood und im Jugendcafé Konfus.
  • Leonberg Maybachfest lockt Familien, Betriebe melden Andrang und neue Kontakte.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Dirk Oestringer plagt vor allem eine Sorge: dass der Bürgermeister mehr Schläge braucht als die Gerlinger Schützen Schüsse. Denn mit beiden Handlungen wird traditionell das Gerlinger Straßenfest eröffnet. Die Schützen legen vor: Viermal kracht es am Samstagnachmittag auf dem gut gefüllten Rathausplatz. Oestringer, der schon auf der Bühne neben dem Bierfass steht, schaut kritisch: Das könnte knapp werden. Erst als drei weitere Schüsse so manchen Festbesucher aufschrecken, entspannt sich die Miene des Bürgermeisters. Unter sieben Schlägen: Das sollte drin sein.

Doch eine gewisse Nervosität kann er nicht ablegen, vielleicht auch wegen der großen Anzahl gezückter Kameras und Handys sowie allerlei prominenter Beobachter, die zum Festauftakt nach Gerlingen gekommen sind. „Kann ich loslegen?“, fragt der Rathauschef in die Runde. Nach aufmunternden Zurufen schlägt der Bürgermeister zu: einmal. „Reicht das?“ Siggi Hahn, Urgestein des Straßenfestvorstands, hält einen Krug unter den Zapfhahn, dreht auf, und siehe da: Der Gerstensaft fließt. Allgemeiner Jubel, Oestringer grinst und verteilt hernach eifrig gefüllte Humpen an die Interessenten. Er dürfte sich damit im Altkreis Leonberg an die Spitze der Fassanstecher geschlagen haben.

Minister Bilger zieht es in die Heimat

Der gelungene Auftakt ist nicht der einzige Grund zur Freude. Gilt es doch, einen Generationswechsel zu verkünden. Siggi Hahn, der 13 Jahre das Straßenfest an vorderster Stelle organisiert hat, zieht sich in die zweite Reihe zurück. Für seinen unermüdlichen Einsatz, auch im Vorstand des FC Gerlingen, verleiht ihm Oestringer die Bürgermedaille der Stadt in Bronze. Wie sehr die Arbeit Hahns bei den Menschen geschätzt wird, zeigt der große Applaus,  den er bekommt.

Auch der neue Mann an der Spitze des Straßenfestvorstands würdigt den Einsatz seines Vorgängers: „Ich hab’ dich gestern noch unter einem Getränkewagen liegen gesehen“, meint David Rometsch. „Das sieht mir nicht nach kürzer treten aus.“ Rometsch ist in der Gerlinger Vereinsszene kein Unbekannter. Bisher war er zweiter Mann im Straßenfestvorstand, außerdem engagiert er sich bei „Freefood“, einem Verein, der Lebensmittel vor der Tonne retten will. Beim Jugendcafé „Konfus“ ist er auch noch aktiv.

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Fassanstich: Gerlingen - Straßenfest auf dem Rathausplatz und in der Hauptstraße mit Fassanstich

Nicht nur für 13 Jahre an der Spitze des Straßenfestvorstands bekommt Siggi Hahn (rechts) von Bürgermeister Dirk Oestringer die Bürgermedaille in Bronze.

Simon Granville

Welchen hohen Stellenwert das Gerlinger Straßenfest genießt, zeigt schon die, man muss es so nennen, Eröffnungszeremonie. Unter den Klängen des Musikvereins Stadtkapelle ziehen die Honoratioren der Stadt, angeführt vom Bürgermeister, durch die Hauptstraße zum Rathausplatz, vorbei an den Ständen der örtlichen Vereine, an denen es von Bratwurst bis Gyros ein breites kulinarisches Angebot gab.

Mit dabei sind die früheren Bürgermeister Albrecht Sellner und Tobias Brenner, der ehemalige  Europaabgeordnete und jetzige Vorsitzende des Regionalverbandes, Rainer Wieland, der in Gerlingen wohnt, und seine Nachfolgerin in Brüssel, Andrea Wechsler. Aber auch Steffen Bilger hat sich Zeit genommen, um in seinem Heimatwahlkreis mitzufeiern. Trotz frischer Ministerwürden, engem Terminkalender  selbst am Wochenende und Turbulenzen in der Bundes‑CDU gibt sich der neue Chef des Verkehrsressorts beim Straßenfest-Auftakt gewohnt locker und nahbar. Für ihn bestimmt eine willkommene Abwechslung vom Berliner Politikbetrieb.

Großen Andrang verzeichnen die Gewerbetreibenden in der Maybachstraße, die bereits zum vierten Mal zum großen Maybachfest einladen. Besonders Familien haben zwischen Poststraße und Reinhold-Vöster-Straße ihren Spaß – sei es beim Unterzugsunternehmen Wermuth, wo die jungen Gäste ihre Treffsicherheit ausprobieren können, oder bei der großen Hüpfburg von Reifen-Geiger. Auch die Streetbunnys, jene Motorradfahrer, die sich für kranke und benachteiligte Kinder engagieren, sind beim Maybachfest für die gute Sache unterwegs, wie schon eine Woche zuvor bei Glemseck 101.

Maybachstrassenfest: Leonberg - Maybachstraßenfest

Reger Betrieb herrschte auch beim Maybachfest in Leonberg.

Simon Granville

Für die älteren Besucher, die womöglich schon das eine oder andere Zipperlein plagt,  präsentiert das Reha-Zentrum Pro Vitesse ein besonderes Gerät: „Galileo“ hat – vereinfacht ausgedrückt – einen vibrierenden Boden, auf dem, je nach Geschwindigkeit, der menschliche Körper in besondere Schwingungen versetzt wird. Die Physiotherapeutin Britta Wollmerl nimmt den Wagemutigen nicht nur die Bedenken vor der ungewohnten Maschinerie, sondern vollzieht auch gleich ein paar praktische Übungen auf rüttelndem Untergrund. Danach fühlt sich zumindest die Testperson von der Zeitung deutlich leichter.

Nach solchen sportlichen Ausflügen ist es gut, dass die Aktiven vom SV Leonberg/Eltingen Würste und jene vom 1. Karnevalsverein Leonberg Kuchen parat haben. Und für die Betriebe in der Maybachstraße hat sich der Aufwand ebenso gelohnt. „Wir freuen uns, dass wir besonders so vielen Familien ein paar schöne Stunden bereiten können“, resümiert der Mitorganisator Dennis Maurizio zufrieden. Und fürs Geschäft ist's auch nicht verkehrt: „Wir konnten etliche interessante Kundenkontakte knüpfen“, meint der Chef des Renovierungsfachbetriebs Nevo.