Abschied einer Institution: Dorfmarkt schließt nach 134 Jahren – Nachfolge mit neuem Konzept

Maria Montalbano, Sigrid Schütz und Karin Rosswog waren Teil des Teams im Dorfmarkt Schütz, den es seit 134 an dieser Stelle in der Hauptstraße gab.
Martin Kalb- Der Dorfmarkt Schütz in Unterriexingen schloss Ende September nach 134 Jahren.
- Sigrid Schütz führte das Geschäft seit 28 Jahren und setzte stark auf Regionalität.
- Nach Umbau startet am 18. November ein 24/7-Selbstbedienungsladen von Edeka.
- Die Fläche sinkt auf 150 Quadratmeter – vormittags ist weiterhin Personal vor Ort.
- Schütz behält den Hol- und Bringdienst bei und will mittwochs einkaufen kommen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Tränen fließen nicht bei Sigrid Schütz an diesem Vormittag, dennoch werden ihre Augen immer wieder feucht. Schließlich endete Ende September mit dem Aus des Dorfmarkts eine 134-jährige Geschichte der Nahversorgung im Markgröninger Teilort Unterriexingen. „Eigentlich wollte ich noch zwei Jahre dranhängen“, sagt die 68-Jährige, „aber dann hat Herr Sieber mir ein Angebot über die Fortführung des Ladens mit einem anderen Konzept gemacht, welches ich interessant fand“.
An den letzten Tagen vor der Schließung waren die Regale noch gut gefüllt, auch wenn hier und da eine Lücke klaffte. Sigrid Schütz sortierte noch Obst ein, Äpfel vom Talhof in Erligheim und Bananen aus Ecuador. Auch Stammkunde Siegfried Scholz war noch einmal da. „Do, Siggi, I hab wiedr dei ,Royal Gala’ kriegt, nemm se noh glei.“ Man kannte sich im Lädle, man schätzte sich. Man freute sich und litt miteinander, wenn es mal nicht so eben lief.
Sigrid Schütz, die den Laden vor 28 Jahren von ihrer Mutter übernommen hatte, war wichtig, dass zwischen Regalen und Kühltheken auch immer Platz für Kommunikation war, davon zeugen die beiden „Erzählbänkle“, die mitten im Laden stehen. Der Dorfladen Schütz war eine Institution im Dorf und hat vier Generationen heranwachsen sehen. 1892 gegründet, war er zunächst lange Jahre ein ein Gemischtwarengeschäft, in dem es neben Lebensmitteln auch Essig aus Fässern gab und Mehl aus großen Säcken geschaufelt wurde.
Die Regionalität war immer wichtig
Doch das Angebot wuchs immer weiter, selbst Textilien gab es, Kurzwaren und Schreibwaren. Immer wieder wurde die Ladenfläche erweitert, das Haus mit dem nebenstehenden alten Rathaus vereint und letztmalig 1985 umgebaut auf die heutige Größe von 250 Quadratmeter Fläche. 1998, Mutter Maria ging es gesundheitlich nicht gut, wollte Schütz für den Übergang den Laden übernehmen, bis dann ihre Schwester Karin dazustoßen sollte. Schließlich war diese ausgebildete Einzelhandelskauffrau und sie selbst branchenfremd Webmeisterin. Doch ihre Schwester entschied sich kurzerhand für die Familie, sodass Sigrid Schütz, damals 40-Jährig, dann doch in den Lebensmittelhandel einstieg, unterstützt von ihrer Mutter, die lange noch hochbetagt mit 90 Jahren im Lädle mithalf.
„Ich habe die ganzen Jahre viel Freude an meiner Arbeit gehabt, meine Kunden sind mir ans Herz gewachsen“, sagt sie, als sie zum letzten Mal Zahncremetuben einräumte, denn eine kleine Auswahl von Kosmetika gehörte ebenfalls zum Sortiment. „Ich habe immer darauf geachtet, dass wir eine möglichst breite Produktpalette anbieten, auch Kurz- und Schreibwaren gehören dazu, ebenso wie Backwaren vom Bäcker Fessler aus Vaihingen.“
Überhaupt war es ihr immer wichtig, neben den gängigen Artikeln auch vor allem regionale Dinge anzubieten – gerade wie die Backwaren, das Obst, aber auch Gemüse, Honig, Wein und Mehl aus der unmittelbaren Umgebung. Es gab auch Dinge, die die Kunden nachfragten, die nicht fest im Sortiment waren. „Wenn es ging, habe ich das dann immer extra bestellt, das gehörte für mich wie selbstverständlich zu einem guten Service dazu.“
Hol- und Bringdienst soll erhalten bleiben
Ebenso wie der Hol- und Bringdienst für betagte oder in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkte Unterriexinger, den sie übrigens beibehalten möchte. Schütz hätte noch gerne zwei Jahre drangehängt, um dann mit 70 endlich mehr Zeit für ihren Ehemann zu haben, „mein Arbeitstag ging meist von 7 in der Früh bis abends gegen 22 Uhr“.
Doch dann wurde Sven Sieber von Edeka Hoffmann & Sieber auf den Dorfmarkt aufmerksam und schlug ihr vor, aus diesem einen 24/7-Laden mit Selbstbedienung rund um die Uhr zu machen. Allerdings wird sich die Fläche um 100 auf dann noch 150 Quadratmeter verringern, so wollen es die rechtlichen Vorgaben für diesen Ladentypus, der sich am Stuttgarter Flughafen schon bewährt hat.
Nach dem Umbau soll dann die Nahversorgung im Herzen der Gemeinde am 18. November neu durchstarten. Personal wird es weiterhin geben, zumindest vormittags, und so werden mit Maria Montalbano und Karin Rosswog auch künftig zwei der treuen „Schütz-Seelen“ die Regale auffüllen. Lediglich Sigrid Schütz wird es langsamer angehen lassen und immer, so hat sie es zumindest vor, mittwochs zum Einkaufen vorbeischauen – und auch den Hol- und Bringservice weiterhin ehrenamtlich anbieten.
