„Alarmsignal für Gesellschaft“: Queerer Verein Ludwigsburg gedenkt Opfern des Berliner CSD

In Ludwigsburg gibt es zwar keinen eigenen CSD wie in Stuttgart (rechts), aber die Regenbogenflagge vor dem Rathaus sei ein wichtiges Signal, so der Verein Lisbert.
Stadt Ludwigburg / IMAGO/Andreas Friedrichs- Queerer Verein Lisbert gedenkt Opfern des Vorfalls beim Berliner CSD und zeigt sich betroffen.
- Ein Transporter fuhr am Samstag im Tiergarten in eine Gruppe: eine Tote, mindestens 16 Verletzte.
- Lisbert fordert Schutz von CSDs und queeren Räumen sowie harte Verfolgung von Hasskriminalität.
- Der Verein kritisiert Bundespolitik und warnt vor Entsolidarisierung – klare Haltung sei nötig.
- In Ludwigsburg weht die Regenbogenflagge, Baden-Württemberg führt den Aktionsplan „Für Akzeptanz & gleiche Rechte“ fort.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Der Verein Lisbert Queer Ludwigsburg gedenkt der Opfer des Christopher Street Days in Berlin. Am Samstagabend ist am Rande der Demonstration ein Transporter im Tiergarten in eine Menschengruppe gefahren. Eine Frau starb noch am Tatort, mindestens 16 weitere Menschen wurden verletzt, drei von ihnen schweben in Lebensgefahr. „Unsere Gedanken sind bei den Opfern, ihren Angehörigen und allen, die diese Nacht in Angst erleben mussten“, heißt es in einer Meldung des Vereins.
Die Polizei fahndet nach einem Tatverdächtigen; die Hintergründe und das Motiv der Tat werden ermittelt. Unabhängig vom Ergebnis dieser Ermittlungen treffe die Tat die queere Community ins Mark, heißt es. Sie habe sich an einem Tag ereignet, an dem hunderttausende Menschen beim CSD in Berlin, aber auch in Stuttgart, für Demokratie, Vielfalt und gleiche Rechte auf die Straße gingen. Und sie reihe sich ein in eine Entwicklung, die der Verein seit Jahren mit Sorge beobachte: Die Zahl queerfeindlicher Straftaten hat dieses Jahr einen Höchststand erreicht. Für das Jahr 2025 hat das Bundeskriminalamt fast 2400 queerfeindliche Straftaten registriert, ein Anstieg von rund 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Seit 2010 hat sich die Zahl der erfassten Straftaten in den Bereichen „sexuelle Orientierung“ und „geschlechtsbezogene Diversität“ nahezu verzehnfacht, die Dunkelziffer liegt nach Einschätzung der Behörden weit höher.
Queerfeindlicher Hass aus unterschiedlichen Richtungen
„CSDs, gerade in kleineren Städten und im ländlichen Raum, werden zunehmend bedroht, gestört und angegriffen, häufig aus dem organisierten rechtsextremen Spektrum“, so Lisbert. Queerfeindlicher Hass komme dabei aus unterschiedlichen Richtungen: aus dem Rechtsextremismus ebenso wie aus dem Islamismus und anderen menschenfeindlichen Ideologien. „Was sie eint, ist die Verachtung für die offene Gesellschaft.“ Wer heute sichtbar queer lebt, tue das vielerorts nicht mehr selbstverständlich, sondern mutig. „Das ist ein Alarmsignal für die gesamte Gesellschaft.“

Auf der CSD-Demo in Stuttgart wurde am Samstag demonstriert.
Lichtgut/Ferdinando IannoneDer Verein fordert nun einen wirksamen Schutz von CSDs und queeren Räumen, eine konsequente Erfassung und Verfolgung queerfeindlicher Hasskriminalität, die entschlossene Fortführung und Umsetzung des Aktionsplans „Queer leben“ des Bundes sowie endlich die Ergänzung des Artikels drei im Grundgesetz um den Schutz der sexuellen und geschlechtlichen Identität. Es reiche nicht Betroffenheit zu bekunden. Vor allem aber braucht es eine klare Haltung: Rechtsextremismus, Islamismus und Menschenfeindlichkeit dürften in keiner Form verharmlost oder als legitime Meinung normalisiert werden.
„Politik der Entsolidarisierung“
„Mit Sorge beobachten wir zugleich eine Politik der Entsolidarisierung mit schwachen und randständigen Gruppen“, heißt es weiter in der Mitteilung. Wer Minderheiten zum Sündenbock erkläre, wer Schutzrechte zur Disposition stelle oder gesellschaftliche Debatten auf dem Rücken der Verletzlichsten führe, bereite den Boden, auf dem Hass gedeiht. „Eine solche Politik ist für den sozialen Frieden in diesem Land nicht förderlich, sie gefährdet ihn.“
Lisbert Queer Ludwigsburg
Seit 2024 gibt es in in Ludwigsburg den eingetragenen, gemeinnützigen Verein Lisbert Queer. Ihr Ziel: Die Unterstützung queerer Menschen in Ludwigsburg und das gemeinsame Voranbringen von Ideen. Auf ihrer Webseite informieren die Verantwortlichen über Veranstaltungen wie der offene Treff für queere Personen jeden ersten Donnerstag im Monat.
In Ludwigsburg gehe es anders. Dort wehe vor dem Rathaus die Regenbogenfahne und das Land Baden-Württemberg schreibe seinen Aktionsplan „Für Akzeptanz & gleiche Rechte“ fort. „Diese Zeichen zeigen, dass Akzeptanz politisch gestaltbar ist, wenn der Wille dazu vorhanden ist.“ Genau diesen Willen fordern wir nun von der Bundespolitik ein. „Die Bundespolitik muss den Schutz queerer Menschen endlich zur Priorität machen“, erklärt Jennifer Jordan, Co-Vorstand von Lisbert Queer Ludwigsburg.