Auf Besuch in Marbach
: Marinesoldaten in der Schillerstadt

Matrosen der Fregatte Baden-Württemberg besuchen Marbach, sind beeindruckt und sprechen über die „Zeitenwende“.
Von
Georg Linsenmann
Ludwigsburg
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Matrosen in Ausgehuniform: Ein Premierenbesuch in Marbach

/Avanti/Ralf Poller

Dass Matrosen durch die Schillerstadt spazieren, nicht im Gleichschritt, aber doch als geordnete Truppe in Ausgeh-Uniform, das kommt auch nicht alle Tage vor. Genau genommen war es sogar eine Premiere. Von den 24 Mitgliedern der Besatzung der Fregatte „Baden-Württemberg“ jedenfalls hatte zuvor noch niemand Marbach besucht. Kein Wunder, sind sie sonst doch auf den Weltmeeren zuhause. Oder in Bremerhaven, wo die Fregatte derzeit für den Schichtwechsel vor Anker liegt.

Und eben diese Zwischenzeit hat sie nun ins Land des Namensgebers der Fregatte geführt. Das wiederum hat einen lokalen Hintergrund, denn die Einladung erfolgte durch den Freundeskreis der BW-Fregatte, der 2011 von Dirk Bolte aus Steinheim gegründet wurde, der weiterhin als Vorsitzender fungiert und die Abordnung nun begleitete.

Nicht mehr nur Folklore

Die steife und leicht frostige Brise, die der Gruppe auf dem Weg zum Rathaus entgegenblies, konnte die sichtbar gute Laune nicht schmälern. Schließlich sind sie „draußen auf hoher See“ noch ganz anderes gewohnt.

Hätte ein solcher Marinebesuch vor wenigen Jahren einen Hauch von Folklore gehabt, wurde im Bürgersaal deutlich, dass nun auch hier eine „Zeitenwende“ angebrochen ist. Zumal die Fregatte BW kürzlich sogar im Fokus der Weltpolitik lag, als sie auf dem Weg nach Japan gegen den Willen der Volksrepublik China die Taiwanstraße durchfuhr. Internationales Gewässer, das von China aber wegen dessen Anspruch auf die Nachbarrepublik nicht mehr ohne weiteres als solches akzeptiert wird. Prompt wurde die Durchfahrt schon im Vorfeld als „unfreundliche Aktion“ gebrandmarkt.

Die Frage in die Runde, ob in der Mannschaft eventuell „Muffensausen“ aufgekommen sei, erntete zunächst Schweigen. Nicht verlegen um eine Antwort war aber Fregattenkapitän Sascha Huth. Im Prinzip sei das „wie Kreuzen in der Nordsee“ gewesen, „wir haben auch bei dieser Fahrt schlicht unsere Aufgabe erfüllt“. Huth räumte aber ein, dass das „politisch hoch brisant war“. Muffensausen hätten sie nicht gehabt, allerdings doch „ein ungutes Gefühl der Unsicherheit“.

Fracht über Marbach in alle Welt

Eine Hauptaufgabe der Fregatte BW sei die „Sicherung der Seefahrt“, mithin auch „als Sicherung der internationalen Handelswege“. Was im Übrigen auch Marbach touchiert, wenn über den Neckar, vom Stuttgarter Hafen kommend, Fracht via Rotterdam und von dort hinaus in alle Welt geht. Heike Breitenbücher, ehrenamtliche Stellvertreterin des Stadtoberhauptes, wollte wissen, ob „angesichts internationaler Konflikte auch ein Wandel bei der Marine“ festzustellen sei. Huth bestätigte, dass diese durchaus der Fall sei: „Auch politische Parteien, vor allem die Grünen, haben im Zeichen des Krieges gegen die Ukraine eine steile Lernkurve vollzogen.“ Auch die Debatte um die Wehrpflicht stehe dafür. Die Lage wirke sich auch auf die Ausbildung auf dem Schiff aus. „Wir müssen heute wieder gefährlich üben gegen Bedrohungen aus der Luft, im und unter Wasser.“

Im Übrigen habe auch die Marine mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen, womit der Freundeskreis und die Motivation für diese Einladung ins Spiel kam: „Wir wollen vermehrt junge Leute ansprechen und darüber informieren, dass die deutsche Marine als Arbeitgeber viele Berufs- und Karrieremöglichkeiten bietet“, sagte Dirk Bolte.

Dabei solle auch der Landesruderverband mit ins Boot geholt werden. „Das Thema Wasser ist da ja schon gegeben“, fügte er hinzu.

Zwei Schiller-Gedenkmünzen im Schiffsbug

Bolte hatte übrigens vor Jahren dafür gesorgt, dass Marbach stets auf der Fregatte BW „mitfährt“: durch zwei Schiller-Gedenkmünzen, die in den Bug des Schiffes eingepresst wurden. Und künftig wird die Stadt noch präsenter sein, denn Bürgermeister Trost überreichte zwei Tobias-Mayer-Straßenschilder, die „gut sichtbar“ im Schiff platziert werden sollen. Passend dazu auch der Besuch des Museums zum Wirken des Mathematikers, der unter anderem auch als „Pionier der modernen Navigationssysteme“ gilt.

Als sich die Mannschaft ins Goldene Buch der Stadt eintrug, ergab sich Gelegenheit zu Gesprächen mit Kadetten. Darunter auch eine Kadettin, die aber betonte, dass „die Frauen in der Bundeswehr sich vehement gegen das Gendern ausgesprochen haben“. Die Frage nach der Rolle von Frauen in der Marine fand sie überflüssig, deren Zugehörigkeit sei „längst Normalität“.

Ihre Entscheidung, sich nach Abitur und Freiwilligem Sozialen Jahr für 13 Jahre zu verpflichten, sei „genau richtig“ gewesen. Gelegentlich, so die 23-jährige Navigationsoffizierin, stehe sie „auch schon auf der Brücke und steure das Schiff“. Informationstechnik-Offizier Leis Patrick bestätigte, dass „der Beruf des Soldaten neue Wertschätzung“ erfahre: „Die Leute begreifen wieder, dass wir im Ernstfall unsere Demokratie und unsere Freiheit verteidigen.“

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