Baufirma aus Bietigheim-Bissingen: Wildermuth Bau: Dutzende Verfahren vor dem Arbeitsgericht

Noch herrscht Betrieb bei Wildermuth Bau. Das Unternehmen stellt aber gerade seinen Geschäftsbetrieb ein.
Simon GranvilleFast fünf Monate ist es her, dass die Mitarbeiter von Wildermuth Bau in Bietigheim-Bissingen die Information bekamen, dass sie ihre Jobs verlieren. Das Familienunternehmen hatte sich entschlossen, den Geschäftsbetrieb einzustellen. Betroffen davon waren etwa 100 Mitarbeiter.
Die Begründung, dass es in der Baubranche schlecht laufe, hilft den Mitarbeitern damals wenig. Rund ein Drittel der Beschäftigten wehrte sich deshalb gegen die Kündigungen vor dem Arbeitsgericht.
Über den Sommer standen zunächst Gütetermine vor den Kammern in Ludwigsburg an. Diese führten, wie das Arbeitsgericht bestätigt, aber kaum zur Beilegung der Streitigkeiten.

Die Ludwigsburger Kammern des Arbeitsgerichts Stuttgart ist Schauplatz für viele Verfahren zu Wildermuth.
Foto: Simon GranvilleLaut einem Sprecher des Arbeitsgerichts Stuttgart, zu dem die Kammern in Ludwigsburg gehören, wurde bislang lediglich ein Verfahren durch Einigung der Parteien beigelegt.
In 30 weiteren Verfahren kommt es nun ab Januar zu Prozessen vor dem Arbeitsgericht. Bis in den März hinein wird das Aus von Wildermuth Bau also die Gerichte mindestens beschäftigen. Warum es bei den Güteterminen schwer war, eine Einigung zu erzielen, zeigt der Fall eines Wildermuth-Mitarbeiters, der mit Ende 50 kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt sieht.
Wildermuth Bau hat eine lange Tradition – wurde vor 119 Jahren gegründet – und die aktuellen Firmeninhaber versichern, sich die Entscheidung für eine Liquidation nicht leicht gemacht zu haben. Von einem Richter am Arbeitsgericht erhält die Firma lobende Worte, nicht auf eine Zahlungsunfähigkeit gewartet, sondern schon vorher die Reißleine gezogen zu haben.
Kritik hatte allerdings die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) geübt. Dort konnte man die Gründe für eine Einstellung des Geschäftsbetriebs nicht nachvollziehen, zumal das Unternehmen im Hoch- und Tiefbau breit aufgestellt sei. Die Gewerkschaft kritisiert auch, dass es keinen Betriebsrat und keine Mitwirkung der Mitarbeiter an der Entscheidung gegeben habe.
Dem hielt die Geschäftsführung entgegen, individuelle Gespräche mit den Mitarbeitern führen zu wollen und jedem bei der Suche nach einem neuen Arbeitgeber unter die Arme zu greifen.
