Betrügereien vor Gericht
: Die neue Masche mit dem falschen Bankmitarbeiter

Am Landgericht Stuttgart hat ein Prozess gegen drei junge Männer begonnen. Sie sollen mit perfiden Mitteln betagte Senioren um rund 45 000 Euro betrogen haben.
Von
Henning Maak
Ludwigsburg
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Bei den Betrügereien haben Senioren ihre Bankkarten an die Gauner übergeben – samt PIN-Nummer.

Imago/Bihlmayerfotografie

Nach den Schockanrufen mit dem Enkeltrick und der Masche mit den falschen Polizisten ist offenbar eine neue Variante betrügerischer Telefonanrufe in Mode gekommen. Seit einigen Monaten häufen sich in ganz Deutschland Fälle, in denen sich Betrüger am Telefon unter den Allerweltsnamen Müller oder Schmidt als Bankmitarbeiter ausgeben, die eine vermeintliche Gefährdung des Kontovermögens abzuwehren vorgeben und von den Angerufenen dafür PIN-Nummer und EC-Karte ergattern. Vor dem Landgericht Stuttgart hat nun ein Prozess gegen drei junge Männer begonnen, die in den Kreisen Ludwigsburg, Böblingen und im Rems-Murr-Kreis sowie in Niedersachsen in insgesamt 26 Fällen rund 45 000 Euro von zumeist hochbetagten Opfern ergaunert haben sollen.

Die Staatsanwaltschaft wirft einem 28-Jährigen aus Stuttgart und zwei 21 und 20 Jahren alten Männern aus Göttingen gewerbsmäßigen Bandenbetrug vor. Sie sollen Teil einer Bande sein und als sogenannte Abholer EC-Karten und Bargeld bei hochbetagten Senioren abgeholt haben, denen geschulte Mitarbeiter am Telefon, die sogenannten Keiler, vorgespiegelt hatten, ihr Bankvermögen sei in Gefahr. Zwei der Angeklagten sollen zeitweise auch die Abholungen organisiert haben. Aktiv war das Trio laut Anklage in den ersten drei Monaten dieses Jahres schwerpunktmäßig in Baden-Württemberg und Niedersachsen, aber auch in Bayern, Nordrhein-Westfalen und Bremen.

Wo hat das Trio überall zugeschlagen?

Im Januar soll eine Frau bei einem 83-Jährigen in Backnang angerufen und ihn gefragt haben, ob er eine Überweisung von 4200 Euro an Zalando autorisieren könne. Nachdem der Mann dies abgelehnt hatte, habe die Anruferin ihm erklärt, dass sie für die Stornierung der Zahlung seine PIN-Nummer und seine Bankkarte brauche. Die Karte soll der 28-jährige Angeklagte abgeholt und bei einer nahe gelegenen Filiale 1800 Euro abgehoben haben, nachdem der Angerufene die PIN-Nummer am Telefon preisgegeben hatte.

Anfang Februar überzeugte laut Anklage eine Anruferin eine 86-jährige Frau in Leonberg am Telefon, dass sie eine neue EC-Karte bekäme und ihre alte abgeben müsse. Zudem müsse ihre PIN-Nummer geändert werden. Auch hier soll der 28-jährige Angeklagte erschienen sein und mit Karte und PIN-Nummer nicht nur insgesamt 3000 Euro an einem Bankautomaten abgehoben haben, sondern auch noch 4000 Euro Bargeld aus der Wohnung der Frau mitgenommen haben – mit der Erklärung, er müsse überprüfen, ob es sich um Falschgeld handle.

Bei einem 86-jährigen Mann in Schorndorf soll die Bande mit dem Vorwand, eine Zahlung an Amazon über 4200 Euro stornieren zu können, erfolgreich gewesen sein. Wiederum soll der 28-Jährige die EC-Karte abgeholt haben - diesmal unter dem Vorwand, diese sei zu zerkratzt und müsse ausgetauscht werden. Dank der am Telefon erfragten PIN-Nummer habe er dann 1000 Euro an einer Bankfiliale in Schorndorf abgehoben.

Wann soll das Urteil fallen?

Laut Anklage ergaunerte die Bande mit ähnlichen Maschen bei einer 86-Jährigen aus Kornwestheim und einer 88-Jährigen aus Korntal-Münchingen jeweils 1000 Euro. Bei einem 89-jährigen Mann aus Möglingen und bei einer 81-jährigen Frau aus Hemmingen soll die Beute jeweils 2500 Euro betragen haben. Bei einer 85-jährigen Frau aus Renningen misslang der Versuch, da diese misstrauisch wurde. Festgenommen wurden zwei der drei Angeklagten auf frischer Tat im badischen Karlsbad, nachdem die Polizei nach einer Funkzellenauswertung auf die Spur der Bande gekommen war und das Duo observiert hatte. Der 28-Jährige muss sich wegen 23 Taten verantworten, der 21-Jährige wegen 18-fachen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs. Der 20-Jährige soll bei fünf Taten dabei gewesen sein. Für den Prozess sind nach derzeitigem Stand sechs weitere Verhandlungstage vorgesehen, das Urteil soll am 21. November verkündet werden.

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