Bietigheim-Bissingen: Von Dürr zur eigenen Kochschule: „Die Europäer sind neugierig auf Korea“

Hyonmi Schalow möchte die koreanische Küche in Kochkursen auch den Schwaben nahe bringen.
Martin Kalb- Mobile Kochschule aus Bietigheim-Bissingen: Hyonmi Schalow bringt Koreanisch in Wohnküchen.
- Nach 12 Jahren bei Dürr wagte sie dieses Jahr den Neustart mit „Hyonmi's Bapsang“.
- Fokus: alltagstauglich kochen ohne Spezialgeräte – Basis sind Reis, Gemüse, Fleisch und Fisch.
- Trendfaktoren sind K-Pop und K-Dramas, dazu gelten viele Gerichte als gesund und oft vegan.
- Wichtige Zutaten: Sesamöl, Doenjang, Sojasoße, Gochujang – vieles gibt es im Asialaden.
Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.
Wenn Hyonmi Schalow kocht, wirbeln die Karottenstreifen über der Wokpfanne, es riecht nach Chili und Knoblauch und das Sesamöl spritzt in der Pfanne. Die Tochter koreanischer Einwanderer lebt mit ihrer Familie in Bietigheim-Bissingen, ist „schwäbisch voll integriert“, wie sie sagt – und hat Anfang des Jahres einen mutigen Schritt gewagt: Nach 12 Jahren in der Personalabteilung von Dürr, machte die zweifache Mutter die koreanische Küche zu ihrem Beruf.
„Nach den beruflichen Einschnitten und dem Personalabbau bei Dürr stand auch ich vor der Frage, wie meine Zukunft aussehen soll“, erzählt Hyonmi Schalow. „Ich habe diesen Moment für einen Neuanfang genutzt und etwas gewagt, das mir schon lange am Herzen liegt.“ Sie wollte die Küche ihrer Heimat weitergeben und gründete „Hyonmi's Bapsang“: eine mobile Kochschule, die Kochkurse direkt in den Küchen der Kunden anbietet.
„Die koreanische Küche ist so vielfältig und lecker und vor allem so bunt“, sagt Schalow, während sie gerade einen Glasnudelsalat vorbereitet. „Wenn ein Fest in der Nachbarschaft oder im Kindergarten ist, wollen immer alle, dass ich den Glasnudelsalat mache.“ Zudem liege die koreanische Küche derzeit generell im Trend, in größeren Städten nehme die Zahl entsprechender Restaurants zu. „Ich glaube, das liegt einerseits daran, dass K-Pop, K-Dramas und K-Kosmetik durch die Verbreitung auf Social Media boomen, aber auch daran, dass die Europäer auf Korea neugierig sind, und natürlich sind unsere Gerichte sehr gesund und oft vegan.“
„Bapsang“ ist der zentrale Ort der koreanischen Familie
Schalow selbst hat nur zeitweise in Korea gelebt, dort einen koreanischen Sprachkurs gemacht und als Englischlehrerin gearbeitet. Sie ist in Deutschland geboren und aufgewachsen. „Ich war in Deutschland oft die Fremde, wegen meines Aussehens, aber auch in Korea war ich eine Außenseiterin.“ Das Leben in Korea sei auch heute noch ein Spagat zwischen Tradition und Moderne, die sich gerade in dem Land rasant entwickelt.
„Bapsang“ heißt „der gedeckte Tisch“ und ist der zentrale Ort einer koreanischen Familie: „Das Essen ist sehr wichtig bei uns.“ Auch ihre Eltern versuchten, diese Tradition mitten im Ruhrgebiet, in Oberhausen, wo Schalow als Kim Hyonmi aufwuchs, beizubehalten. „‚Bapsang‘ heißt, nach Hause zu kommen, mit der ganzen Familie an einem Tisch zu sitzen und Essen zu teilen.“
Reis, Gemüse, Fleisch und eventuell Fisch sind die Grundlagen. Es gibt, so erklärt die Koreanerin, immer ein bis zwei Hauptgerichte, dazu einige kleinere Gerichte, die meist nur aus Gemüse bestehen. Alle Schüsseln werden auf dem Tisch platziert, jeder bekommt eine kleine Schüssel Reis und nimmt sich dazu, was er will. Die Reste werden am nächsten Tag wiederverwertet. „Das nennen wir ‚Bibim‘, also ‚mixen‘.“ Deshalb heißt ein bekanntes Gericht auch Bibimbap. Es ist eine Reisbowl, in die alles kommt, was man eben noch da hat, und am Schluss kommt ein Spiegelei obendrauf.
„Chilisoße und Knoblauch dürfen nie fehlen“, erklärt Schalow. Auch nicht in Tteokbokki, koreanischen Reiskuchen mit würziger Soße, und schon gar nicht in Bulgogi, dem „Feuer-Fleisch“, das über offener Flamme gebraten wird. Koreaner essen dreimal am Tag warm, auch zum Frühstück gibt es oft schon Reis und kleinere Gerichte.
Passende Zutaten gibt es im Asialaden
„Ich möchte zeigen, dass man koreanisch kochen kann, ohne spezielle Gerätschaften, mit dem, was zu Hause da ist“, sagt Hyonmi Schalow. Sie selbst bringt zu den Kursen das mit, was für die koreanische Küche unabdingbar ist: Sesamöl, Doenjang, eine fermentierte Bohnenpaste ähnlich der japanischen Misopaste, Sojasoße und Gochujang, eine Chilipaste. Die koreanischen Zutaten bekomme man im Asialaden. Dort gebe es auch Paew, fermentierte Mini-Shrimps, die Schalow anstatt Fischsauce benutzt. Auch Sesamöl aus geröstetem Sesam gibt es dort – „der ist viel aromatischer als der aus dem Supermarkt, der meist aus nicht geröstetem Sesam besteht“.
Kimchi ist ein Gericht, das mittlerweile auch in Deutschland bekannt ist. „Es ist einfach die traditionelle Art, Gemüse durch Fermentation haltbar zu machen, und wir geben noch typische koreanische Zutaten wie Chilipaste oder Paew hinzu und verwenden es als Beilage“, sagt sie. Sie selbst mache kein Kimchi, aber ihre Mutter: „Sie bringt dann unzählige Container für uns mit.“ Ihre Mutter hat sogar einen speziellen Kimchi-Kühlschrank.
Europäer kennen meistens auch Ramyeon, Instantnudeln mit einer scharfen Soße oder Hühnersoße: „Ich mache das selbst mit Mie-Nudeln und einer Brühe, darauf kommt ein Ei.“ Wenn die ganze Familie zusammensitzt, gibt es manchmal nach dem Essen noch den Reisschnaps Soju, bei Schalows eher Makgeolli, auf deutsch Bauernschnaps, ein trübes alkoholisches Getränk aus Reis, Weizen und Hefe. Sie selbst war schon eine ganze Weile nicht mehr in Korea, hofft aber, das Land bald ihren beiden Söhnen zeigen zu können.